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01.08.2013

06:49 Uhr

Marihuana-Legalisierung beschlossen

In Uruguay gibt's Joints bald in der Apotheke

Uruguay wird wohl das weltweit erste Land, das den Anbau und Verkauf von Marihuana vollständig legalisiert und unter staatliche Aufsicht stellt. Für die Regierung ist der Vorstoß ein Mittel zur Verbrechensbekämpfung.

Privatpersonen dürfen nach dem Gesetzentwurf bis zu sechs Cannabis-Pflanzen züchten. AFP

Privatpersonen dürfen nach dem Gesetzentwurf bis zu sechs Cannabis-Pflanzen züchten.

MontevideoDie Legalisierung von Marihuana ist in Uruguay einen Schritt weitergekommen. Die Abgeordnetenkammer in Montevideo votierte nach 14-stündiger Debatte mit 50 zu 46 Stimmen für eine Gesetzesvorlage der Regierungskoalition, die den Anbau und den Ankauf von monatlich bis zu 40 Gramm Marihuana in Apotheken freigibt. Über das Gesetz muss noch im Senat abgestimmt werden, wo die Regierung ebenfalls über eine knappe Mehrheit verfügt.

Es räumt dem Staat das Recht ein auf „Kontrolle und Regulierung von Import, Export, Anbau, Ernte, Produktion, Erwerb, Lagerung und kommerziellem Vertrieb von Cannabis und seinen Nebenprodukten“. Der Kursschwenk soll die Risiken und Folgeschäden des Drogenkonsums minimieren. Zurzeit ist in dem kleinen lateinamerikanischen Land lediglich der Konsum von Marihuana, nicht aber der Verkauf erlaubt.

Privatpersonen dürfen nach dem Gesetzentwurf bis zu sechs Cannabis-Pflanzen züchten. In der Gesetzesvorlage ist auch die Bildung von Marihuana-Clubs von 15 bis 45 Mitgliedern vorgesehen, die bis zu 99 Pflanzen pflegen könnten. Der Anbau und Handel soll von einer staatlichen Kommission kontrolliert werden. Die Konsumenten müssen sich in einem Register einschreiben. Minderjährigen bleibt der Konsum verboten. Auch wird Werbung jederart für den Konsum von Marihuana in der Gesetzesvorlage untersagt. Bislang ist in Uruguay der Cannabis-Konsum und der Besitz zum persönlichen Bedarf erlaubt, aber der Handel und Anbau verboten.

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Jüngste Umfragen zeigen, dass immer noch zwei Drittel der Bürger gegen das Vorhaben sind. Die linke Regierung des Präsidenten José Mujica erhofft sich von der Legalisierung jedoch eine effizientere Bekämpfung der Drogenkartelle. Der Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), José María Insulza, hat die uruguayische Initiative begrüßt. Es gehe um eine Strategie gegen die Drogenkriminalität, die sich angesichts des „Scheitern des Verbots“ lohne anvisiert zu werden.

Der amerikanische Kontinent leidet stärker als jede andere Weltregion unter Drogengewalt: Auf 100.000 Einwohner kommen pro Jahr 16 Morde, die zweithöchste Rate nach Afrika. Hauptursache ist der Verteilungskampf um das Milliardengeschäft mit Kokain, Marihuana und anderen Betäubungsmitteln. Über geeignete Gegenstrategien wird seit langem gestritten. Alle Oppositionsparteien in Uruguay sind gegen eine Legalisierung.

Das Ziel sei „nicht die Förderung des Konsums, denn den gibt es ja schon“, sagte der Abgeordnete Sebastian Sabini, der den von Präsident José Mujica befürworteten Gesetzesentwurf im Unterhaus vorgestellt hatte. Dafür solle das Geschäft mit den Drogen aus den Fängen der Mafia befreit und damit eine wichtige Finanzierungsquelle des organisierten Verbrechens trockengelegt werden. Der oppositionelle Parlamentarier Gerardo Amarilla sprach hingegen von einem „Spiel mit dem Feuer“, das ohne Erfolgsgarantie „eine ganze Generation opfert“ und womöglich mehr Drogenabhängige schaffe als vorher.

Nach Angaben des Nationalen Drogenrates konsumieren 120.000 der 3,2 Millionen Uruguayer regelmäßig Cannabis, jeder sechste davon täglich. Alljährlich werden demnach mehr als 20 Tonnen des Rauschmittels auf den Markt gebracht, was einem Gegenwert von 30 bis 40 Millionen Dollar (23 bis 30 Millionen Euro) entspricht.


Kommentare (14)

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Account gelöscht!

01.08.2013, 07:54 Uhr

Es ist sicherlich einen Versuch wert. Es erfordert bestimmt auch Mut seitens der Politik, da die Unterwelt sicherlich alles andere als "amused" ist. Fraglich ist, ob ein solches Konzept im Alleingang für ein kleines Land durchzuhalten ist. So hat z.B. der rege Zustrom aus dem Ausland (Deutschland) das Konzept der holländischen "Koffee-Shops" für die Anwohner unerträglich werden lassen. Ein solcher Versuch sollte also zeitlich begrenzt werden und nur bei entsprechenden Erfolg fortgesetzt werden dürfen.

pizzarro53

01.08.2013, 07:57 Uhr

Bravo! Der Kampf gegen die Drogen ist ein Multimiliiardendollarbusiness und bindet einerseits das Personal zur Bekämpfung der Produzenten und der Kriminalität und andererseits das Geld, das für die Hardware (Waffen, Flugzeuge, Polizeiwagen, Gefängnisse etc. etc.) ausgegeben werden muss. Unter diesem Aspekt ist natürlich niemand daran ernsthaft daran interessiert, den Anbau und den Handel zu legalisieren. Konsumiert wird ohnehin und der Kampf gegen die Drogen ist einfach nicht zu gewinnen, weil jeder sie nimmt und nehmen wird. Nur eine Entkriminalisierung entzieht dem organisierten Verbrechen den Boden, aber da diese bis in die höchsten politischen Kreiste Kontakte haben dürfte, bleibe ich da pissimistisch.

Account gelöscht!

01.08.2013, 08:12 Uhr


Die Entkriminalisierung des Drogenhandels wäre für/in Deutschland umsetzbar. Einsparquote: paar MRD für die Volkswirtschaft. Mit einer Ignoranten-Trauerflortruppe Beriner Luft nicht machbar. Dazu fehlt es an Geist, freien Willen und Wissen. Auf Spenden krimineller Bereiche will halt kein lokaler Parteifürst verzichten.

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