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15.10.2013

12:13 Uhr

Marine-Einsatz

Italien fängt 400 Flüchtlinge ab

80 Flüchtlinge in Seenot musste die italienische Marine vergangene Nacht retten. Mehrere hundert Einwanderer hatten den gefährlichen Weg gen Europa angetreten. Die Mission war am Montag beschlossen worden.

Erneuter Flüchtlingsstrom

Italiens Marine rettet 300 Flüchtlinge

Erneuter Flüchtlingsstrom: Italiens Marine rettet 300 Flüchtlinge

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LampedusaBei drei nächtlichen Rettungsaktionen in der Straße von Sizilien sind rund 400 Bootsflüchtlinge aus dem Mittelmeer geborgen worden. Schiffe der italienischen Marine retteten mit Hilfe der Küstenwache etwa hundert Kilometer südlich der Insel Lampedusa 80 Einwanderer in Seenot, wie die Behörden am Dienstag mitteilten. Unweit davon sei eine weitere Gruppe von 210 Flüchtlingen an Bord geholt worden. Die übrigen habe eine alarmierte Handelsschiffsbesatzung aus ihrem Schlauchboot gerettet.

Die drei Einsätze in der Nacht zum Dienstag folgten auf den Beginn einer neuen Überwachungs-Mission, die tags zuvor von der italienischen Regierung beschlossen worden war: Dabei werden zusätzliche militärische und zivile Schiffe und Flugzeuge zur Überwachung des Mittelmeers eingesetzt, um - wie es offiziell heißt - in Seenot geratene Flüchtlinge zu retten und Menschenschmuggler abzuschrecken. Vorgesehen ist auch der Einsatz von Drohnen, Kriegsschiffen, Hubschraubern und moderner Nachtsichtausrüstung.

Am 3. Oktober waren bei einer Flüchtlingskatastrophe vor Lampedusa mindestens 360 Menschen aus Afrika ums Leben gekommen. Nur 155 der geschätzt rund 550 Bootsinsassen konnten gerettet werden. Die Tragödie hatte eine neuerliche Debatte über die umstrittene Flüchtlingspolitik der Europäischen Union befeuert und Italien abermals dazu veranlasst, mehr Unterstützung durch andere EU-Länder anzufordern.

Der Umgang der EU mit Flüchtlingsbooten

Italien

Wenn Flüchtlinge auf See in einer Notsituation sind, machen sich Fischer laut Gesetz nicht strafbar, wenn sie Hilfe leisten - im Gegenteil, sie sind sogar dazu verpflichtet. Dennoch berichten Medien immer wieder über die Angst der Fischer, bei einem Eingreifen wegen Förderung illegaler Einwanderung angeklagt zu werden. Tatsächlich ist dies 2007 passiert, laut Medienberichten soll es sich dabei aber um Sonderfälle gehandelt haben. Demnach gerieten diese Fischer in Verdacht, Menschenschlepper zu sein. Sie wurden vor Gericht freigesprochen. Trotzdem löste ihr Fall eine öffentliche Debatte aus.

Griechenland

Auch hier sind alle Seeleute per Gesetz verpflichtet, Menschen in Seenot zu helfen - und auch hier ist die Auslegung das Problem. Wer systematisch Migranten rettet und sie nach Griechenland bringt, läuft Gefahr, als Schleuser angeklagt zu werden. Schleuser wiederum können sich als Retter ausgeben. Aus diesem Grund informieren Fischer immer die Küstenwache über die Entdeckung von Bootsflüchtlingen und die Rettungsaktion. Menschenrechtsorganisationen werfen der Küstenwache vor, die Flüchtlinge mit gefährlichen Manövern zur Rückkehr in die Türkei bewegen zu wollen. Es gibt aber auch Berichte über Flüchtlinge, die ihre Boote selbst zum Kentern bringen, damit ihnen geholfen werden muss.

Spanien

Hier muss Flüchtlingen, die mit ihren Schiffen in Seenot geraten sind, in jeden Fall geholfen werden. Dies schreibt der Artikel 98 der UN-Seerechtskonvention vor, die auch von Spanien ratifiziert wurde. Dies bedeutet, dass beispielsweise Fischerboote oder Fährschiffe zu einer Hilfeleistung verpflichtet sind. Die Pflicht zur Hilfe gilt allerdings nur, solange das eigene Schiff und dessen Besatzung dadurch nicht in Gefahr geraten.

Nach Schätzungen des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR sind in diesem Jahr bereits rund 32.000 Flüchtlinge in Italien und Malta eingetroffen. Viele von ihnen stammen aus Eritrea, Somalia und Syrien.

Ähnlich wie Italien wird auch Griechenland von vielen Flüchtlingen als Eingangstor in die EU angesteuert. Südlich der Halbinsel Peloponnes griffen die Behörden des Landes am Dienstag dutzende schiffbrüchige Syrer auf, darunter elf Frauen und 18 Kinder. Die 73 Flüchtlinge befanden sich demnach an Bord eines unüberdachten Bootes, das einen Notruf abgesetzt hatte, und wurden nach Angaben der Hafenwacht unversehrt in Kalamata an Land gebracht.

Von

afp

Kommentare (12)

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ZurueckInDieHeimat

15.10.2013, 12:31 Uhr

Abfangen und am Besten gleich zurückbringen wo sie herkommen. Wir können nicht alle aufnehmen. Wer soll das denn bezahlen? Wir zahlen Steuern etc. und die bekommen dann Sozialgeld, Rente etc. Das geht so nicht! Und wenn sollte man in solchen Ländern, wenn die Leute gejagt werden, Angst haben die Millitärisch schützen und die Gegner "notfalls" ausrotten damit die "Flüchtlinge" ihr leben in der Heimat aufbauen können und nicht uns überrennen.

RumpelstilzchenA

15.10.2013, 12:42 Uhr

Das klingt eher nach einer feindlichen Invasion!
Die wirklich bedürftigen Afrikaner bleiben in ihrem Land!!!

Gastkritiker

15.10.2013, 13:05 Uhr

Wie soll dieser Shuttle Service der italienischen Marine bitte Menschenhändler abschrecken? Sie müssen jetzt nur noch halb so weit Fahren, das spart Sprit und die Boote können auch noch voller gepackt werden. Wenn der Kahn absäuft ruft man einfach SOS und schon gehts bei guter Verpflegung im Zerstörer nach Europa. Hat sich schon mal jemand gefragt warum die Amis diesen Service nicht an der Grenze nach Mexiko anbieten? Vielleicht weil sie die Mexikaner nicht einfach nach Deutschland durchwinken können....

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