Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.09.2015

13:56 Uhr

Marineeinsatz im Mittelmeer

Tausende Flüchtlinge vor libyscher Küste gerettet

Bei Marineeinsätzen vor der libyschen Küste konnten am Wochenende tausende Flüchtlinge aus dem Mittelmeer gerettet werden. Derweil vergiftet die Krise zunehmend das Klima unter den osteuropäischen Transitstaaten.

Tausende Bootsflüchtlinge wurden am Wochenende aus dem Mittelmeer gerettet. ap

In Sicherheit gebracht

Tausende Bootsflüchtlinge wurden am Wochenende aus dem Mittelmeer gerettet.

BerlinVor der Küste Libyens sind am Samstag fast 4700 Flüchtlinge gerettet worden, die unterwegs nach Europa waren. Auch die deutsche Marine war an der Aktion beteiligt. Allein beim größten von insgesamt 20 Rettungseinsätzen in den Gewässern vor Libyen wurden 1137 Menschen von zwei Schiffen in Sicherheit gebracht, wie die italienische Küstenwache mitteilte.

An der Operation waren Schiffe von Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen sowie eine Fregatte der Bundeswehr beteiligt, die Hunderte der Flüchtlinge aufnahm. Die britische und kroatische Marine sowie ein Frachtschiff halfen ebenfalls mit. Die Fregatte „Schleswig-Holstein“ nahm nach Angaben der Bundeswehr 767 Menschen an Bord. Sie sollen in Palermo auf Sizilien den zuständigen Behörden übergeben werden.

Die „Schleswig-Holstein“ ist eines von zwei deutschen Schiffen, die sich seit Ende Juni an der EU-Mission zur Seenotrettung und Bekämpfung der Schleuserkriminalität im südlichen Mittelmeer beteiligen. Insgesamt haben die deutschen Schiffe seitdem fast 2400 Menschen geholfen. Zuvor hatte die Bundeswehr unter einem nationalen Mandat insgesamt 5673 Flüchtlinge gerettet.

Rekordzahlen zur Flüchtlingskrise

500.000

Mehr als 500.000 Menschen haben nach Angaben der EU-Grenzschutzagentur Frontex zwischen Januar und August dieses Jahres bereits die Europäische Union erreicht. Zum Vergleich: Im gesamten vergangenen Jahr waren es 280.000 Menschen.


Von den in der EU angekommenen Flüchtlingen haben dem UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) zufolge mehr als 411.000 das Mittelmeer überquert. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) nannte sogar die Zahl von mehr als 600.000 Bootsflüchtlingen. Mehr als 3100 kamen demnach bei der gefährlichen Überfahrt ums Leben.

466.000

So viele Flüchtlinge kamen der IOM zufolge in diesem Jahr bereits in Griechenland an.

137.000

Rund 137.000 Menschen landeten nach einer Überfahrt über das Mittelmeer in Italien.

200.000

Die ungarischen Behörden gaben die Zahl der seit Jahresbeginn in Ungarn angekommenen Flüchtlinge zuletzt mit 200.000 an. Die Schutzsuchenden kamen vor allem über die sogenannte Balkanroute ins Land.

160.000

EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker hat vorgeschlagen, 160.000 Asylsuchende aus den Haupt-Ankunftsländern Griechenland, Ungarn und Italien auf die 28 EU-Mitgliedstaaten umzuverteilen. Juncker fordert eine verbindliche Quotenregelung für die künftige Flüchtlingsverteilung.

63.000

Rund 63.000 Flüchtlinge trafen seit Ende August am Münchner Hauptbahnhof ein - davon jeweils 20.000 an den beiden vergangenen Wochenenden.

1.000.000

Eine Million Flüchtlinge könnte Deutschland nach Aussage von Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) in diesem Jahr aufnehmen. Das Bundesinnenministerium geht offiziell weiterhin von 800.000 Asylbewerbern aus.

12.000.000

Offiziellen Schätzungen zufolge sind zwölf Millionen Syrer auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat. Davon gelten acht Millionen als im eigenen Land vertrieben, weitere vier Millionen flüchteten ins Ausland. Mehr als 250.000 Menschen wurden seit Ausbruch des Konflikts 2011 getötet.

Dem UNHCR zufolge sind die Hälfte der über das Mittelmeer kommenden Flüchtlinge Syrer. Die zweitgrößte Gruppe sind demnach Afghanen mit 13 Prozent, gefolgt von Eritreern mit acht Prozent. In Griechenland sind 70 Prozent der ankommenden Flüchtlinge Syrer und 19 Prozent Afghanen.

Vor der griechischen Insel Lesbos wurden am Sonntag nach dem Untergang eines Flüchtlingsbootes 26 Menschen vermisst. 20 Migranten seien gerettet worden, teilte die griechische Küstenwache mit.

Lesbos ist eines der wichtigsten Ziele von Flüchtlingen aus dem Nahen Osten, die über die Türkei nach Europa übersetzen. Auf diesem Weg haben dieses Jahr schon 300.000 Menschen Griechenland erreicht, die meisten davon Syrer und Iraker.

Unterdessen vergiftet die Flüchtlingskrise zunehmend das Klima unter den osteuropäischen Transitstaaten. Kroatien kündigte am Wochenende an, es werde den Nachbarn Ungarn weiter zur Aufnahme von Migranten zwingen. Die Regierung in Budapest protestierte gegen dieses Vorgehen und warf Kroatien vor, Ungarn und die EU im Stich zu lassen, da es seine Außengrenze nicht ordentlich schütze. Das Land bringe ständig weitere Menschen an die Grenze.

Seit Ungarn seine Grenze zum südlichen Nachbarn Serbien am Dienstag mit einem Zaun abriegelte und damit den Weg von dort in die Europäische Union (EU) versperrte, strömten mehr als 20.000 Migranten auf der Suche nach einem Schlupfloch nach Kroatien. Viele von ihnen kommen aus dem Bürgerkriegsland Syrien und wollen weiter nach Deutschland.

Ungarische Soldaten riegelten auch die Grenze zu Kroatien mit Stacheldraht ab. Auch Kroatiens nördlicher Nachbar Slowenien gerät zunehmend unter Druck. Ministerpräsident Miro Cerar sagte, sollte der Ansturm zu groß werden, werde er mit den Nachbarstaaten über die Einrichtung eines Transit-Korridors für die Flüchtlinge beraten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×