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13.11.2011

21:20 Uhr

Mario Monti

Ein Technokrat mit Manieren

Er wirkt wie ein Gegenentwurf zu Vorgänger Silvio Berlusconi: Mario Monti gilt als unbestechliche Führungspersönlichkeit mit Sachverstand und Manieren. Italien und Europa freuen sich auf den neuen Regierungschef.

Mario Monti kurz nach seiner offiziellen Ernennung. AFP

Mario Monti kurz nach seiner offiziellen Ernennung.

RomNun soll es Mario Monti in Italien richten - ein international angesehener Wirtschaftsexperte, der sich durch seine politische Unabhängigkeit breiten Respekt erworben hat. Der Mailänder Wirtschaftsprofessor wurde am Sonntag von Staatspräsident Giorgio Napolitano mit der Regierungsbildung beauftragt.

Der designierte Nachfolger des scheidenden Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi äußerte sich im Anschluss an seine Nominierung zuversichtlich, dass Italien in einem gemeinsamen Kraftakt die Krise überwinden könne.

Es ist eine Karriere im Zeitraffer - nicht zuletzt den aufgeregten Finanzmärkten geschuldet: Erst am Mittwoch wurde Monti von Italiens Staatschef Giorgio Napolitano zum Senator auf Lebenszeit ernannt, tags darauf empfahl der strauchelnde Regierungschef Berlusconi den früheren EU-Kommissar implizit als seinen Nachfolger.

Seither nahmen die Lobreden auf Monti kein Ende. Sie habe „großen Respekt“ vor Monti, sagte IWF-Chefin Christine Lagarde. Sie habe mit dem Italiener stets „fruchtbare Gespräche“ geführt. Der frühere Ministerpräsident und EU-Kommissionspräsident Romano Prodi sagte: „Montis Zeit ist gekommen.“ Am Sonntagabend war es soweit.

Gegensätzlicher als Berlusconi und Monti können Politiker kaum sein: Während der Medienmogul Berlusconi häufiger mit seinen privaten Eskapaden als mit seiner Regierungsführung Schlagzeilen machte, gilt Monti als nüchterner Charakter, höflich - aber bestimmt. Ihm eilt der Ruf voraus, dass Pressionen gleich welcher Art völlig an ihm abprallen.

Italiens Reformprogramm

Erhöhung des Rentenalters

Für das Gros der Bevölkerung soll das Renteneintrittsalter bis 2026 auf 67 Jahre von derzeit 65 Jahren steigen.

Privatisierungen

In Städten und Gemeinden soll die Privatisierung kommunaler Tochterunternehmen forciert werden.

Immobilien

Mit dem Verkauf von Grundstücken und Gebäuden im Staatsbesitz soll Geld in Italiens klamme Kasse gespült werden.

Abbau der Jugendarbeitslosigkeit

Firmen, die Lehrstellen-Verträge abschließen, erhalten Steuer-Gutschriften.

Steuer-Anreize zum Bau von Schnellstraßen

Um den Ausbau des Schnellstraßennetzes zu beschleunigen, sollen Firmen bei Bauprojekten Steuern teilweise oder komplett erstattet werden.

Reform am Arbeitsmarkt

Öffentlichen Arbeitgebern soll es erleichtert werden, Beschäftigte auf andere Stellen zu versetzen. Nicht aufgegriffen wurden jedoch die von den Gewerkschaften heftig kritisierten Pläne zur Lockerung des Kündigungsschutzes. Neue Regeln hätten es Unternehmen erleichtern sollen, in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Arbeiter mit unbefristeten Verträgen zu kündigen.

Monti könnte eine technokratisch geführte Regierung der nationalen Einheit anführen, die Italien aus der politischen und wirtschaftlichen Krise führen soll. In einer seiner wenigen öffentlichen Stellungnahmen der vergangenen Wochen empfahl Monti am 23. September, „unpopuläre Reformen“ durchzusetzen, indem „die vernünftigsten Teile“ der politischen Parteien zusammenarbeiten.

Unter Berlusconis erstem Kabinett war der parteilose promovierte Wirtschaftswissenschaftler von 1995 bis 1999 EU-Binnenmarktkommissar, unter der linksgerichteten Regierung von Massimo D'Alema dann bis 2004 EU-Wettbewerbskommissar. Seitdem trägt er das Siegel eines Unparteiischen.

Kommentare (11)

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Peer-Bilderbeger

13.11.2011, 22:11 Uhr

### Staatststreich der Illuminaten ###

nun übernimmt ein Bilderberger nach dem anderen die Regierung der Staaten udn das wissende und ebstens aufgeklärte Volk ist auch noch begeistert.

Naja, was bei den Initiationen von Menschen funktioniertg, funktioniert auch bei Staaten. Am Ende dankt man noch seinem Henker.

lowabras

14.11.2011, 01:46 Uhr

Monti ist hochrangiger Mitarbeiter von Goldman Sachs und damit das trojanische Pferd, das die in europa platziert haben!

Bock zum Gärtner gemacht: "Mit Monti wird der Brandstifter zum Feuerlöschen geschickt!"

Hier mehr und der Bewis: http://steuerembargo.co.de/news/item/188-bock-zum-g%C3%A4rtner-gemacht-mit-monti-wurde-der-brandstifter-zum-feuerwehrmann-ernannt.html

Herr_Bergauer

14.11.2011, 02:50 Uhr

Ja, die Italiener freuen sich auf Jahrzehnte der Knechtung durch die Personenkreise, die sie (das Volk) erst reich gemacht hat. Besser, sie legen einen braven Bankrott hin, dann dauert alles nicht so lange. Aber nein: dann könnte der Knecht zu schnell genesen. Und das mag er nicht - der Knecht, weil er es nicht versteht; was werden die Reichen lachen, lachen werden sie über die Dummheit der Jubelperser und der Jubelbürger. Aber die haben ja schon Berlusconis Wahl besungen - was will man von Völkern groß erwarten? Nichts, außer den selbst herbeigesehnten Untergang (durch langes Leiden)!

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