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17.11.2014

16:26 Uhr

Marode US-Infrastruktur

Die verfallenden Staaten von Amerika

VonAxel Postinett

Die USA mahnen Deutschland, mehr in die Infrastruktur zu investieren. Doch für die eigenen maroden Straßen, wackelnden Brücken und leckenden Wasserleitungen in Amerika fehlen Hunderte Milliarden. Start einer neuen Serie.

Die maroden Stahlträger gaben nach: Teile der Skagit-Brücke im US-Bundesstaat Washington stürzten im Mai 2013 ein. Mehrere Autos wurden in die Tiefe gerissen. dpa

Die maroden Stahlträger gaben nach: Teile der Skagit-Brücke im US-Bundesstaat Washington stürzten im Mai 2013 ein. Mehrere Autos wurden in die Tiefe gerissen.

San FranciscoAlle zwei Minuten platzt irgendwo in den USA eine verrottete Hauptwasserleitung. Hypermoderne Elektroautos aus Kalifornien rumpeln über Autobahnen wie Waschbretter. Umspannanlagen, die schon vor 50 Jahren veraltet waren, halten die Energieversorgung am Laufen. Die Infrastruktur in der Internet-Nation Nummer eins der Welt ist in weiten Teilen überaltert, schlecht gewartet oder unzureichend.

Jahrzehntelange Vernachlässigung und politischer Streit über die Finanzierung kulminieren in gefährlichen Situationen. Sie kosten im besten Fall Billionen Dollar an Bruttosozialprodukt – im schlimmsten Falle kosten sie Leben. Unser Autor reist durch Amerikas Hinterland – Auftakt der Serie „Amerika zerbröselt“.

Es sind beängstigende Bilder wie der Einsturz der riesigen Skagit-River-Brücke im Bundesstaat Washington in 2013, die die Bürger immer wieder an die alltäglichen Gefahren vor ihrer Haustüre erinnern. Ein Lastwagen hatte einen Brückenträger gerammt, was ausreichte, einen Teil der Konstruktion komplett zum Einsturz zu bringen. Zum Glück gab es nur drei Verletzte.

Es war der zweite Einsturz einer großen Brücke seit 2007, als im Minnesota eine Autobahnbrücke über den Mississippi kollabierte. Strukturell wichtige Stahlkomponenten hatten nachgegeben. 13 Menschen starben, 145 wurden verletzt, als die gesamte Konstruktion in wenigen Sekunden zusammenbrach und sie mit ihren Autos in den Fluss stürzten.

Daten und Fakten über die USA

Fläche

Mit einer Fläche von 9.809.155 Quadratkilometern sind die Vereinigten Staaten laut Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) der drittgrößte Staat der Erde.

Bevölkerung

Nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) betrug die Gesamtbevölkerung der USA im Jahr 2013 rund 317 Millionen Einwohner.

Hauptstadt

Die Hauptstadt der USA ist Washington D.C. Die Stadt selbst hat etwa 646.000 Einwohner, im Großraum haben sich etwa 5,7 Millionen Menschen niedergelassen. (Stand: 2014)

Staatsform

Die Staatsform der USA ist eine föderale und präsidentielle Republik.

Präsident

Barack H. Obama ist der 44. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Er befindet sich in seiner zweiten Amtszeit.

BIP

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA beläuft sich nach Angaben des Auswärtigen Amts auf etwa 16,72 Billionen US-Dollar. (Stand: 2013)

Arbeitslosenquote

Die Arbeitslosenquote in den Vereinigten Staaten lag im Juli 2014 bei 6,2 Prozent. Vor der Wirtschaftskrise lag die Quote im Jahr 2007 noch bei 4,6 Prozent, 2010 stieg sie zwischenzeitlich auf 9,6 Prozent an.

Außenhandel

Die USA sind nach Angaben des Auswärtigen Amts weltgrößter Absatzmarkt für Importgüter und standen als Exporteur 2013 (nur Waren) hinter China an zweiter Stelle.

In einem Land, in dem Privatvillen für 195 Millionen Dollar in Beverly Hills zum Verkauf stehen, fehlt das Geld, um Gasleitungen zu flicken. Im September 2010 verwandelte eine explodierende Gasleitung San Bruno, einen Vorort von San Francisco, in eine brennende Apokalypse. Die nachfolgenden Untersuchungen offenbarten gravierende Sicherheitsmängel in weiten Teilen der überalternden Gasversorgung. In einem Gewaltakt stellte der Energielieferant PG&E in den kommenden Jahren wenigstens die Sicherheit wieder her.

Einsturzgefährdete Brücken, löchrige Straßen, zerberstende Wasserrohre, Gasexplosionen: Es sind Horrormeldungen, die die täglichen Nachrichten im US-Fernsehen beherrschen. Die Versäumnisse sind gigantisch. Die Vereinigung der Ingenieure in den USA, die ASCE, schätzt den aufgelaufenen Wartungs- und Investitionsstau bis 2020 auf 3,6 Billionen Dollar. Sie gibt alle vier Jahre eine detaillierte Generalübersicht über die 16 großen Infrastrukturbereiche der USA heraus. Es gibt Noten nach dem Schulsystem in den USA von A (eins) bis F (sechs). Die Lebensadern, die die USA am Laufen halten kommen gerade mal auf ein „D+“. Für jedes Schulkind wäre das eine Katastrophe.

Das Land, das Deutschland gerne vorwirft, zu wenig in die Infrastruktur zu investieren und so die Wirtschaft zu ruinieren, schiebt selbst eine gigantische Altlast vor sich her. Rund zwei Billionen sind laut ASCE lediglich bis 2020 in den Haushaltsplänen für Infrastruktur-Investitionen vorgesehen, der Rest steckt fest im ewigen politischen Ringen um die Finanzierbarkeit. Vor allem die republikanische Partei verweigert sich jeglichen Steuererhöhungen, um den Zerfall Amerikas aufzuhalten.

Kommentare (34)

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Frau Ute Umlauf

17.11.2014, 16:40 Uhr

Die Amis sind in 20 Jahren Geschichte!
Russland gehört die Zukunft. Von RUS lernen ... heisst siegen lernen.

Herr Bernhard Lange

17.11.2014, 16:48 Uhr

Ja, das sieht man deutlich am Rubelkurs...

Account gelöscht!

17.11.2014, 16:51 Uhr

"Die USA mahnen Deutschland, mehr in die Infrastruktur zu investieren"
Nachdem die BRD schon halb Europa finanziell unter die Arme greift, ist vorheriger Satz eindeutig an die BRD gerichtet und meint, daß die BRD auch den USA bei ihrer Infrastruktur behilflich sein soll. Finanziell natürlich. Da wir in unserer schweren Zeit 1940 bis 1945 und danach viel Zuwendung von den USA erfahren haben, können wir gerade hier selbstredend nicht knausern. Man muß den 1, Satz nur richtig interpretieren und auch helfen wollen.

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