Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.11.2016

09:45 Uhr

Marokkos grüne Moscheen

Energiewende im Zeichen der Religion

Marokko nimmt eine Vorreiterrolle bei der Energiewende in der arabischen Welt ein. Doch die Bevölkerung ist skeptisch. Jetzt soll die Religion dabei helfen, die Bürger zu überzeugen.

Die As-Sunnah Moschee in Rabat ist die erste Moschee des Landes, die mit Anlagen zur Erzeugung von Strom und Warmwasser durch Sonnenenergie ausgestattet wurde. dpa

As-Sunnah Moschee

Die As-Sunnah Moschee in Rabat ist die erste Moschee des Landes, die mit Anlagen zur Erzeugung von Strom und Warmwasser durch Sonnenenergie ausgestattet wurde.

RabatGrün soll die Lieblingsfarbe des Propheten Mohammed gewesen sein. Die Dächer vieler Moscheen in Marokko sind daher auch mit grünen Kacheln bedeckt. Jetzt sollen die Gebetshäuser auch energetisch „grün“ werden – und schwarze Solarzellen auf den Dächern die Energiewende im Königreich vorantreiben.

Die Sonne glänzt auf den Kacheln auf der As-Sunna Moschee im Zentrum der marokkanischen Hauptstadt Rabat. Und sie verrichtet zuverlässig ihre Arbeit. Vor zwei Jahren wurden, von unten nicht zu sehen, die ersten Solarpanels auf dem Dach installiert. Die Moschee ist die erste des Landes, die mit Anlagen für erneuerbare Energien ausgestattet wurde. Bis zum Jahr 2019 sollen rund 600 Moscheen „grün“ werden, kündigte das Ministerium für religiöse Angelegenheiten in Rabat an. Derzeit laufen die Ausschreibungen für die nächsten 100 Moscheen – passend zum Weltklimagipfel in Marrakesch. Die Moscheen bilden eine zentrale Säule in der Energiewende Marokkos.

Wie sicher sind Marokko, Algerien und Tunesien?

„Sichere Herkunftsstaaten“?

Union und SPD wollen Marokko, Algerien und Tunesien als weitere „sichere Herkunftsstaaten“ einstufen. Ein Herkunftsland kann dann „sicher“ genannt werden, wenn „gewährleistet erscheint, dass dort weder politische Verfolgung noch unmenschliche oder erniedrigende Bestrafung oder Behandlung stattfindet“. Menschenrechtsorganisationen bezweifeln, dass dies in den Ländern überall der Fall ist. (Quelle:dpa)

Regime-Kritiker

Regime-Kritiker werden Amnesty International zufolge sowohl in Marokko als auch Algerien verfolgt. Das Recht auf freie Meinungsäußerung und Demonstrationen sei eingeschränkt. Aktivisten würden belästigt und manchmal auch inhaftiert. In dem vom Wirtschaftsmagazin „The Economist“ berechneten Demokratieindex 2014 werden die beiden Länder als autoritäre Regime eingestuft.

Gleichgeschlechtliche Handlungen

Gleichgeschlechtliche Handlungen sind in allen drei Ländern verboten und strafbar. Tunesien, das als einziges Land als Demokratie aus den arabischen Aufständen hervorgegangen war, hatte 2014 eine neue Verfassung beschlossen, die die persönliche Freiheit eigentlich garantieren soll. Jedoch steht Human Rights Watch zufolge auf gleichgeschlechtlichen Sex nach wie vor Haft von bis zu drei Jahren.

Folter

Immer wieder wird aus Marokko und Tunesien auch von Folter berichtet. So wurden in Tunesien Menschenrechtlern zufolge Festgenommene im Gewahrsam vor allem während der Befragungen zu Straftaten gequält.

Todesstrafe

Die Todesstrafe wird in Tunesien, Algerien und Marokko zwar seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht mehr vollstreckt, trotzdem kann die Strafe in den Ländern immer noch verhängt werden.

Pressefreiheit

Die Presse in Marokko und Algerien wird als nicht frei eingestuft. Journalisten in Marokko werden eingesperrt und unter anderem der Anstiftung zum Terrorismus beschuldigt. In Algerien wurde Amnesty zufolge ein kritischer TV-Sender geschlossen.

„Die Moscheen sind ein extrem spannender Startpunkt“, sagt Jan-Christoph Kuntze von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), die das Projekt unterstützt. „Sie sind ein zentraler Punkt im Leben vieler Marokkaner und können die Menschen für das Thema sensibilisieren.“

Zunächst sollen staatliche Moscheen in den Ballungsräumen Rabat, Casablanca, Fès und Marrakesch umgebaut werden. Die Solarzellen sollen für Strom und warmes Wasser sorgen, LED-Leuchten den Stromverbrauch senken. Bis zu 40 Prozent des Energiebedarfs soll so eingespart werden. Beim Pilotprojekt, der As-Sunna Moschee in Rabat, seien die Energiekosten von monatlich 600 Euro auf rund 100 Euro gesunken, sagt Ahmed Bouzid, Projektleiter der staatlichen Energieinvestitionsgesellschaft SIE.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×