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06.11.2015

14:45 Uhr

„Marsch der Millionen Masken“

Dutzende Demonstranten nach Ausschreitungen verhaftet

Beim „Marsch der Millionen Masken“ in London haben Tausende gegen die Auswirkungen des globalen Kapitalismus demonstriert. Es kam zu Ausschreitungen mit der Polizei. Auf beiden Seiten gab es Verletzte.

An dem „Marsch der Millionen Masken“ beteiligten sich Tausende Demonstranten. AFP

„Eine Lösung: Revolution“

An dem „Marsch der Millionen Masken“ beteiligten sich Tausende Demonstranten.

LondonBei einem antikapitalistischen Protestmarsch in London haben sich Demonstranten und Polizisten am späten Donnerstagabend Straßenschlachten geliefert. Protestierende und Sicherheitskräfte standen sich vor dem Buckingham-Palast und vor dem Amtssitz von Premierminister David Cameron gegenüber, wie die Polizei mitteilte. Nach gewaltsamen Auseinandersetzungen gab es auf beiden Seiten Verletzte.

Die Demonstranten schleuderten Flaschen und Feuerwerkskörper auf die Beamten, wie die Polizei mitteilte. Einige Polizisten seien von ihren Pferden gestürzt, ein Tier sei verletzt worden. Etwa 50 Demonstranten seien festgenommen worden, mehrere Polizisten seien mit Verletzungen ins Krankenhaus gebracht worden, hieß es weiter.

An dem „Marsch der Millionen Masken“ beteiligten sich Tausende Demonstranten, um gegen die Auswirkungen des globalen Kapitalismus zu protestieren. Viele von ihnen trugen Masken wie sie von den Aktivisten des internationalen Netzwerks Anonymous verwendet werden.

Was die Briten an der EU stört

Nationale Identität

Als ehemalige Weltmacht ist Großbritanniens Politik noch immer auf Führung ausgelegt. London ist gewohnt, die Linie vorzugeben, statt sich mühsam auf die Suche nach Kompromissen zu begeben. Die Briten reagieren allergisch auf jegliche Vorschriften aus Brüssel.

Londoner City

Die Londoner City ist trotz massiven Schrumpfkurses noch immer die Lebensader der britischen Wirtschaft. Großbritannien fühlt sich von Regulierungen, die in Brüssel ersonnen wurden, aber die City treffen, regelrecht bedroht.

Soziales und Arbeitsmarkt

Auch in der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik wollen sich die Briten nicht von Brüssel herein reden lassen. Eine gemeinsame EU-weite Arbeitszeitrichtlinie hat beispielsweise für heftigen Streit gesorgt.

EU-Bürokratie

Die Euroskeptiker unter den Briten halten die Bürokratie in Brüssel für ein wesentliches Wachstumshemmnis. Anti-Europäer in London glauben, dass Großbritannien bilaterale Handelsabkommen mit aufstrebenden Handelspartnern in aller Welt viel schneller aushandeln könne als der Block der 27. Die Euroskeptiker fordern auch, dass der Sitz des Europaparlaments in Straßburg abgeschafft wird und die Abgeordneten nur noch in Brüssel tagen.

Medien

Die britische Presse ist fast durchgehend europafeindlich und prägt das Bild der EU auf der Insel. Das hat politische Wirkung. „Ich muss meinen Kollegen in Brüssel dauernd sagen, sie sollen nicht den 'Daily Express' lesen“, zitierte mal die „Financial Times“ einen britischen Minister.

Die Polizei gab an, einige Demonstranten seien mit „kriminellen Absichten“ zu der Kundgebung gekommen. Unter anderem sei auch ein Polizeiwagen beschädigt worden. Die Verantwortlichen sollten vor Gericht gebracht werden, hieß es. Die Gewalt sei „vollständig inakzeptabel“.

Der Marsch fand am Tag des alljährlichen Gedenkens an das Scheitern der sogenannten Pulververschwörung des katholischen Offiziers Guy Fawkes in London statt. Fawkes war am 5. November 1605 mit dem Versuch gescheitert, das britische Parlament in die Luft zu sprengen.

Die Aktivisten von Anonymous tragen die Masken mit dem Konterfei von Fawkes als Symbol ihrer Protestbewegung. „Eine Lösung: Revolution“ und „Wessen Straßen? Unsere Straßen“, skandierten die Demonstranten während ihrer Kundgebung am Donnerstag.

„Wir sind hier, um für die Menschen zu sprechen, die niemand hört“, sagte ein Demonstrant der Nachrichtenagentur AFP. Der Protest richte sich „gegen Korruption, Mangel an Privatsphäre und Einschnitte bei ärmeren Menschen“. „Die Regierung repräsentiert uns nicht“, sagte ein anderer.

Von

afp

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