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12.06.2012

13:05 Uhr

„Marsch der Millionen“

Tausende Russen protestieren gegen Putin

In Scharen strömten Demonstranten in Moskau auf die Straßen, um gegen Russlands Präsidenten zu protestieren. Mit roten Fahnen und Sprechchören wie „Putin ins Gefängnis“ besetzten sie das Zentrum der Stadt.

Der Protestmarsch im Zentrum von Moskau. dpa

Der Protestmarsch im Zentrum von Moskau.

MoskauTrotz massiven staatlichen Drucks sind am Dienstag Tausende Russen gegen Präsident Wladimir Putin auf die Straße gegangen. Die Demonstranten strömten in Scharen auf einen Boulevard im Moskauer Zentrum und zeigten sich damit unbeeindruckt von der Verschärfung des Versammlungsrechts und vom Vorgehen der Polizei gegen Wortführer der Opposition, die zeitgleich zu Vernehmungen vorgeladen worden waren. Am Vortag hatten Ermittler die Wohnungen prominenter Putin-Gegner stundenlang durchsucht.

Bis in die Morgenstunden hatten mehr als 6000 Menschen über den Kurznachrichtendienst Twitter ihre Teilnahme an der ersten Großdemonstration seit Putins Rückkehr in den Kreml Anfang Mai angekündigt. Sie riefen zugleich zur massenhaften Beteiligung am "Marsch der Millionen" auf. Die Moskauer Stadtverwaltung hat die Demonstration für bis zu 50.000 Teilnehmer genehmigt.

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Vor einer Großdemo sind die Wohnungen mehrerer Oppositionspolitiker durchsucht worden.

Die Polizei zeigte massive Präsenz. Mehr als 12.000 Polizisten und Beamte des Innenministeriums waren nach offiziellen Angaben in der Hauptstadt im Einsatz. Im Stadtzentrum sperrten Einsatzwagen der Sicherheitsbehörden ganze Straßenzüge ab, wie Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Putin hatte am Freitag gegen die Empfehlung seines Menschenrechtsrats ein Gesetz zur Verschärfung des Demonstrationsrechts unterzeichnet. Am Dienstag waren auch Kundgebungen von Putins Anhängern geplant.

Der Chef der Linken Front, Sergej Uldatsow, ignorierte die Vorladung der Polizei und marschierte an der Spitze von Anhängern, die rote Fahnen schwenkten und in Sprechchören "Putin ins Gefängnis" und "Alle Macht dem Volk" riefen. Unter den Demonstranten waren auch Angehörige der Mittelschicht, die in den Jahren des vom Ölexport getriebenen Booms zu Wohlstand gekommen waren und die nun politische Mitsprache fordern. Zudem befürchten sie, dass die russische Wirtschaft in Putins dritter Amtszeit stagnieren könnte.

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Es ist die erste Großkundgebung seit der Demonstration am Vorabend von Putins Vereidigung am 7. Mai, bei der es heftige Zusammenstöße mit der Polizei gegeben hatte. Zudem ist es die erste Demonstration seit im ohnehin stark eingeschränkten Demonstrationsrecht die Geldstrafen drastisch erhöht wurden.

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