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13.01.2015

02:41 Uhr

Massaker von Iguala

Familien ermordeter Mexikaner greifen Kaserne an

Polizisten, Banden und Politiker scheinen in den Fall verwickelt: 43 Lehramtsstudenten wurden im September in Mexiko verschleppt. Seither fordern Angehörige Aufklärung - und greifen zu aufsehenerregenden Mitteln.

Angehörige der vermissten 43 Studenten prallen an der Kaserne in Iguala auf die Militärpolizei. Reuters

Angehörige der vermissten 43 Studenten prallen an der Kaserne in Iguala auf die Militärpolizei.

Mexiko-Stadt/Iguala de la IndependenciaAngehörige und Kommilitonen der in Mexiko verschleppten Studenten haben eine Kaserne im Südwesten des Landes angegriffen und sich Auseinandersetzungen mit dem Militär geliefert. Die Demonstranten hätten Steine, Flaschen und Feuerwerkskörper auf die Soldaten geschleudert, berichteten lokale Medien am Montag.

Mehrere Menschen seien bei den Zusammenstößen in Iguala verletzt worden. Die Familien werfen den Streitkräften vor, in die Entführung von Dutzenden Studenten des linksgerichteten Lehrerseminars Ayotzinapa verwickelt zu sein.

Die rund hundert Protestierenden waren in die Stadt Iguala im Staat Guerrero gereist, wo die Studenten im September verschwunden waren, und verlangten dort Zutritt zu den Gebäuden einer Militärbasis, wie ein AFP-Reporter berichtete. "Man hat uns gesagt, dass sie hier sein könnten", sagte der Vater eines vermissten Studenten, Mario González.

Als der Menge der Zutritt verwehrt wurde, versuchte diese, gewaltsam auf das Gelände vorzudringen. Einige Protestierende warfen Glasflaschen auf die Einsatzkräfte, vier Menschen wurden leicht verletzt. Polizisten und Soldaten setzten Tränengas ein, um die Menge zurückzuhalten.

Die jungen Leute waren auf dem Rückweg von einer Spendensammelaktion Ende September von Polizisten verschleppt und Zeugenaussagen zufolge der kriminellen Organisation „Guerreros Unidos“ übergeben worden. Bandenmitglieder räumten mittlerweile den Mord an den 43 Studenten ein. Bisher sind nur wenige Überreste gefunden worden. Eindeutig identifiziert wurde bislang nur ein Opfer. Wahrscheinlich sind die Leichen alle verbrannt worden.

Das Massaker hatte ein Schlaglicht auf die engen Verflechtungen zwischen Politikern, Polizisten und Verbrechern in Mexiko geworfen. So muss nun die Frau eines früheren Bürgermeisters mit einem Prozess wegen organisierter Kriminalität rechnen.

Justiz leitet Prozess gegen mutmaßliche Drahtzieherin ein

Es gebe genügend Beweise, dass María de los Ángeles Pineda in Drogenhandel und Geldwäsche verstrickt sei, teilte der Bundesrechtsrat am Montag in Mexiko-Stadt mit. Zudem stehen sie und ihr Mann José Luis Abarca, der ehemalige Bürgermeister von Iguala, unter dem Verdacht, hinter dem Verschwinden der 43 Studenten im September 2014 zu stehen.

So sollen sie die örtliche Polizei angeordnet haben, die Hochschüler festzunehmen und sie einer Drogengang zu übergeben. Die Bande namens Guerreros Unidos brachte die Studenten anschließend mutmaßlich um. Der Skandal um das Verschwinden der 43 und die Massenproteste gegen die Zustände in Mexiko hatten Abarca und seine Ehefrau aus Iguala fliehen lassen. Beide wurden Anfang November in Mexiko-Stadt gefasst.

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Die Frau stammt aus einem Drogenhändlerclan und soll vom Rathaus aus die Geschäfte der „Guerreros Unidos“ geführt haben. Derzeit sitzt sie in einem Hochsicherheitsgefängnis in Untersuchungshaft. Der Bundesrechtsrat - eines der drei höchsten Justizorgane in Mexiko - teilte weiter mit, Pineda gehöre seit 2005 zur Drogenbande, sie habe wahrscheinlich umgerechnet 791.000 Euro für die Gang umgeschlagen.

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