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20.06.2013

01:48 Uhr

Massenproteste

Brasilien senkt die Fahrpreise wieder

Preiserhöhungen für den Nahverkehr haben in Brasilien zu Protesten geführt, die auch Fußballer unterstützten. Nun lenken die Städte ein, doch die Wut Demonstranten findet weitere Ziele - zum Beispiel die Fußball-WM.

Nach Protestwelle

Brasilien nimmt Fahrpreiserhöhungen zurück

Nach Protestwelle: Brasilien nimmt Fahrpreiserhöhungen zurück

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Sao PauloNach tagelangen Massenprotesten haben Brasiliens Demonstranten eines ihres wichtigsten Ziele erreicht. Landesweit wurden Fahrpreiserhöhung für Busse und U-Bahnen zurückgenommen. In São Paulo feierten die Demonstranten die Nachricht. In Niteroi bei Rio de Janeiro gingen die Demonstrationen in der Nacht zum Donnerstag weiter. Es kam zu Zusammenstößen mit der Polizei.

In São Paulo verkündeten Gouverneur Geraldo Alckmin und der Bürgermeister der Elf-Millionen-Metropole, Fernando Haddad, am Mittwochabend die Preisrücknahme. Beide Politiker sprachen von einem „großen Opfer“ und machten klar, dass die Einnahmeausfälle an anderer Stelle eingespart werden müssten.

Busse und Bahnen sind für Millionen Brasilianer die einzige Möglichkeit, zur Arbeit zu kommen. Die Tarife waren in São Paulo von 3,00 auf 3,20 Reais (1,10 Euro) angehoben worden, was mit notwendigen Investitionen begründet wurde. Dies wird nun rückgängig gemacht.

Auch in Rio kündigte Bürgermeister Eduardo Paes die Rücknahme der Tariferhöhung von 2,75 auf 2,95 Reais an. Den gleichen Schritt hatten in der vergangenen Tagen bereits sieben andere Städte verkündet.

Die Hoffnung der Stadtverwaltungen, dass die brasilianische Bundesregierung ihnen dabei mit finanziellen Entlastungen entgegenkommen würde, zerschlug sich allerdings. Finanzminister Guido Mantega erklärte, der Staat sehe sich nicht in der Lage, die Steuern auf Leistungen des öffentlichen Nahverkehrs zu reduzieren.

Doch inzwischen haben sich die Proteste weit über eine Unmutsbekundung über höhere Fahrpreise zu einem Aufschrei gegen hohe Steuerlast, hohe Kriminalität, soziale Ungleichheit und Korruption im politischen System Brasiliens ausgeweitet. In vielen Städten sind seit Montag Hunderttausende auf den Straßen, um auch gegen Milliardenausgaben für die Fußballweltmeisterschaft im kommenden Jahr zu demonstrieren, während Schulen und Krankenhäuser in einem schlechten Zustand sind.

Massendemonstrationen: Brasiliens Kicker unterstützen Proteste

Massendemonstrationen

Brasiliens Kicker unterstützen Proteste

Brasiliens Fußballer solidarisieren sich mit den sozialen Demonstrationen, mahnen aber zur Gewaltfreiheit. Präsidentin Rousseff lobt die „Energie“ der Proteste, obwohl sie sich gegen ihre Regierung richten.

Nach einem langen wirtschaftlichen Aufschwung in Brasilien wächst die Unzufriedenheit mit der Regierung. Viele Brasilianer sind besorgt, weil die Wirtschaft nicht mehr so stark wächst wie gewohnt und die Preise trotzdem spürbar steigen. So rechnet der Internationale Währungsfonds für dieses Jahr mit einem BIP-Wachstum von drei Prozent und einer Inflationsrate von rund sechs Prozent. Auch die steigende Kriminalität sorgt für Unmut.

Die Proteste fallen mit dem Confederations Cup zusammen. Vor dem Fußballspiel zwischen Brasilien und Mexiko beim kam es am Mittwoch in Fortaleza zu schweren Zusammenstößen zwischen der Polizei und rund 15.000 Demonstranten.

Für Rio kündigten mehrere Gruppen Demonstrationen an, wenn am Donnerstag im Maracanã-Stadion das Spiel Spanien-Tahiti ausgetragen wird. FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke rechnet mit einer Million Demonstranten. Dies sagte der Franzose am Rande der Confed-Cup- Begegnung zwischen Gastgeber Brasilien und Mexiko in Fortaleza der Nachrichtenagentur dpa. „Wir können nichts tun“, sagte Valcke. „Das ist eine unangenehme Situation für alle Beteiligten. Niemand ist damit glücklich.“

Kommentare (7)

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kraehendienst

20.06.2013, 06:23 Uhr

RICHTIG gemacht!! Und wo bleiben hier die Demos?? Wer sagt, es gäbe keine Teuerung in D, der ist entweder gerade von Brasilien gekommen oder wird zugefüttert/umsorgt. Seit der Einführung des EURO gab es mind 100 Prozent Teuerung, vergleichen wir heutige Preise mit DM-Preisen!! Aber: alle raunezn, jaulen, jammern, klagen, heulen/weinen vielleicht, ...ach ja: aufstocken dahin bis sie runterstürzen...eine tief lethargische Republik. Auch St21 war nur möglich, weil die Stuttgarter resp BW-ler über die Legislaturperioden davor die einzelnen Beschlüsse durch ihre Wahl zuvor legitimiert hatten. Es gleicht Juncker auf EU-Ebene:
Juncker: zuerst machen wir einen Feldversuch, wenn dann kein Protest kommt...MACHEN WIR WEITER!" In einem Vortrag in Luxemburg zum Neujahrsempfang 2013: "denkt an 1913, einhundert Jahre zurück, das letzte Jahr vor dem kalten Krieg!"

Account gelöscht!

20.06.2013, 07:14 Uhr

Schweden, Spanien, Türkei, Italien, Frankreich, England ... in vielen Ländern erhebt sich das Volk gegen die moderne Ausbeuterei. Und das ist gut so. Nur in Deutschland wirds wohl nie passieren.

Account gelöscht!

20.06.2013, 07:31 Uhr

Das macht schule .....
Nun werden wir , immer wenn ihnen was nicht passt , Gewalt auf den Straßen sehen , immer wenn der Treibstoff , der Strom , die Zitronen oder Zucker teurer wird , gehen sie auf die Straße und randalieren .
Sie glauben mit Gewalt alles erreichen zu können .
Das war ein großer Fehler , man hätte die Ticket preise ein weiteres mal erhöhen müssen , Brasilien gerät so außer Kontrolle .

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