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10.01.2011

12:12 Uhr

Massenproteste

Dutzende Tote in Algerien und Tunesien

Aufstand im Maghreb: In Nordafrika läuft die Bevölkerung Sturm gegen hohe Lebensmittelpreise, Arbeitslosigkeit und Unterdrückung - in Tunesien verbrannten sich vier Menschen selbst. Die arabischen Regime reagieren wie gewohnt mit aller Härte - doch die Wut ist diesmal schwerer zu unterdrücken.

In Algerien und Tunesien demonstrieren Tausende gegen hohe Lebensmittelpreise, Arbeitslosigkeit und Unterdrückung. dpa

In Algerien und Tunesien demonstrieren Tausende gegen hohe Lebensmittelpreise, Arbeitslosigkeit und Unterdrückung.

Bei den sozialen Unruhen in Tunesien sind nach jüngsten Angaben 23 Menschen ums Leben gekommen. Das berichtete die Zeitung "Le Monde" am Montag auf ihrer Website. Die Zahl der Opfer kann nach Angaben von Gewerkschaftern noch steigen, da es viele Schwerverletzte gebe, die in Lebensgefahr schweben. Am Wochenende war zunächst von 20 Toten die Rede gewesen. Das Auswärtige Amt hat zu erhöhter Vorsicht bei Reisen nach Tunesien und Algerien aufgerufen. "Wir raten bei Aufenthalten in beiden Ländern zu erhöhter Vorsicht", sagte ein Sprecher am Montag in Berlin.

Die 23 Tunesier seien durch Schussverletzungen ums Leben gekommen, hieß es in inoffiziellen Berichten. Die tunesische Regierung gab die Zahl der Opfer am Samstagabend offiziell mit 14 an. Tunesien, das seit fast einem Vierteljahrhundert von dem Machthaber Zine El-Abidine Ben Ali an der Kandare geführt wird, wird seit Mitte Dezember von sozialen Unruhen erschüttert. Auch das benachbarte Algerien erlebt seit Tagen Straßengefechte zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften.

Mindestens vier Menschen, unter ihnen zwei 17-Jährige, haben sich aus Protest in Tunesien öffentlich selbst verbrannt. Der erste von ihnen war ein arbeitsloser Hochschulabsolvent, der sich als Gemüsehändler durchschlug. Die Behörden konfiszierten mehrfach seine Waren, weil er keine Lizenz hatte. Sein Fall wurde zum Auslöser der Massenproteste. Am Wochenende kam es vor allem in den Orten Kessarine, Tala und Regueb im Zentrum des Landes zu Ausschreitungen.

Bislang gibt es mindestens zwei Dutzend Tote und Hunderte Verletzte in beiden Ländern. Tränengas, brennende Autoreifen, geplünderte Geschäfte - die Bilder aus beiden Ländern ähneln sich. Zwar sind die Auslöser der Gewalt in beiden Ländern verschieden, doch der Frust wegen mangelnder Perspektiven sitzt bei der jungen Generation im Maghreb gleichermaßen tief. "Ben Ali, verschwinde!", "Nieder mit der Diktatur!" Um solche Slogans in Tunesien zu brüllen, muss man sehr mutig oder sehr verzweifelt sein.

Denn Algerien und Tunesien sind rohstoffreiche Länder, doch die eigene Bevölkerung profitiert davon so gut wie gar nicht. "Unsere Generation ist verzweifelt", schreibt die junge Algerierin Nina B. in einem Forum auf lemonde.fr. "Wir leiden unter Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot, dabei besitzt Algerien 155 Milliarden Dollar Öldevisen. Unser Land ist in den Händen einer korrupten Elite." Sie wünsche sich nichts mehr, als dass der Aufstand das ganze Land ergreife.

In beiden Ländern müssen Demonstranten die harten Reaktionen der Sicherheitskräfte fürchten. Allein in Algerien gab es mehr als 1100 Festnahmen. Zeitweise waren die Mobilfunkdienste gestört. Die tunesische Regierung hat versucht, eine Nachrichtensperre zu verhängen. Einer Journalistin der französischen Zeitung "Le Monde" wurde die Einreise verweigert.

Doch die Zensur ist schwieriger durchzusetzen als früher. Demonstranten informieren sich per sms und über Facebook. Das "Projekt Tornesia" bietet Tunesiern mit Hilfe einer Software anonymen Zugang zum Internet. Ungewohnt ist das Ausmaß der Proteste, die auf zahlreiche Orte übergegriffen haben. Neu ist auch die Offenheit, mit der Demonstranten sich gegen ihre Regierung auflehnen.

In Algerien hat sich die Lage etwas beruhigt, seit die Regierung Preissenkungen für Grundnahrungsmittel wie Speiseöl und Zucker angekündigt hat. In Tunesien hingegen ist mittlerweile die Armee im Einsatz, um die Unruhen einzudämmen.

"Die Regierung hat die Stelle der Kolonialherren eingenommen", meint ein Tunesier auf der Website Twitter. "Wenn die Armee auf die eigene Bevölkerung schießt, gibt es eine Katastrophe", warnte ein anderer.

Kommentare (2)

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aruba

10.01.2011, 15:23 Uhr

Guten Tag,.... Nordafrika ( Jahrhunderte ueber von der Grande Nation geknechtet ) ist ein Pulverfass. Vom kleinen Koenig in Marokko ueber die Erben des Premier combattant ( burghiba ) bis zum Rechtmaessigen Gewinner der Wahlen in Algerien ( FiS ) haben alle eins gemeinsam. ich wuerde von " ALLEN " die Finger lassen. Die Kerle sind nicht zu zaehmen. Fragen Sie die Pieds Noirs und Petit blancs also die Franzoesischen Ex-Colons. besten Dank

Mara K.

12.01.2011, 23:22 Uhr

ich fasse es ja nicht was da in Tunesien abgeht. Die Politik versucht sich wie immer raus zureden und Die Eu ist noch zu Feige um was dagen zu unternehmen aber ansonsten haben die ja immer ne Große klappe. ich stehe voll und ganz hinter den Demonstranten und würde dem Präsident etwas an diesem wundebaren Land liegen würde er nicht die schult bei andern suchen denn so tret man sich immer im Kreis.Sondern auch dem Volk dem er treue geschworen hat mal zu hören und nicht die leute einfach abknallen die was zu sagen haben. Tunesien ist zum großen teil von Tourismus abhängig an siener stelle würde ich mir mal so langsam gedanken machen wer eigendlich für das schlamassel verantwortlich ist und mit dem Volk abstimmen den die Haupt Reisezeit fängt langsam wider an tik tak tik tak

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