Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.01.2011

12:34 Uhr

Massenproteste gegen Mubarak

Ägyptens Polizei will notfalls schießen

Twitter und Facebook sind blockiert, Internetverbindungen gekappt, Oppositionelle in Haft: Ägyptens Regierung versucht alles, um die geplanten Massenkundgebungen zu verhindern. Notfalls soll geschossen werden.

Proteste in Kairo: Lage droht zu eskalieren. dpa

Proteste in Kairo: Lage droht zu eskalieren.

HB KAIRO. Die ägyptische Führung hat sich am Freitag auf ein hartes Durchgreifen gegen angekündigte Massenproteste vorbereitet. Soldaten zogen auf dem zentralen Tahrir-Platz in Kairo auf, der Zugang zum Internet wurde blockiert, Handy-Netze abgeschaltet. Über die Internet-Seite von Facebook war zu Protesten im Anschluss an die Freitagsgebete aufgerufen worden. Hunderte Oppositionelle wurden festgenommen.

US-Präsident Barack Obama forderte seinen Kollegen Husni Mubarak auf, dringend notwendige Reformen im Land umzusetzen. Bundesaußenminister Guido Westerwelle appellierte an die ägyptische Führung, Gewaltverzicht zu üben.

Fahrzeugkolonnen der Polizei waren auf den Zufahrtsstraßen zum Tahrir-Platz zu sehen, am Dienstag Schauplatz der bislang größten und folgenschwersten Demonstrationen. Wasserwerfer bezogen Stellung an Orten, wo die Sicherheitskräfte mit Demonstrationen rechneten: Etwa der Al-Aschar-Mosche oder dem Präsidentenpalast. Sicherheitskräfte nahmen zahlreiche Oppositionelle fest, darunter nach Angaben aus Sicherheitskreisen 25 führende Mitglieder der islamistischen Muslimbruderschaft.

Die Polizisten sollen bei der Großdemonstration, die am Mittag nach dem Freitagsgebet beginnen soll, notfalls auch zur Waffe greifen. „Die Polizei hat klare Anweisungen erhalten, jede Demonstration zu verhindern und notfalls auch direkt auf mögliche Demonstranten zu schießen“, hieß es aus Sicherheitskreisen. Auf den großen Plätzen von Kairo fuhren am Vormittag gepanzerte Truppentransporter der Polizei auf. In den Nebenstraßen standen zahlreiche Polizeiwagen.

Mehrere ägyptische Oppositionsparteien und lose organisierte Protestbündnisse hatten die Muslime und Christen des Landes aufgerufen, nach dem Freitagsgebet in der Moschee und nach dem Kirchgang erneut zu demonstrieren. Schon am Vormittag wurden in Kairo laut Augenzeugen Dutzende Menschen festgenommen. Die Proteste gegen Korruption und steigende Preise und für einen Rücktritt von Präsident Husni Mubarak und seiner Regierung steuern damit auf einen neuen Höhepunkt zu.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×