Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.06.2011

20:54 Uhr

Massenproteste

Griechen stemmen sich gegen Sparpläne

In Hellas regiert der Wutbürger: Hunderttausende Demonstranten protestieren in Griechenland gegen die Sparpläne der Regierung. Die Regierung in Athen zeigt sich davon unbeeindruckt.

Mit der größten Kundgebung seit Monaten haben empörte Griechen in der Hauptstadt Athen gegen das harte Sparprogramm protestiert. Quelle: Reuters

Mit der größten Kundgebung seit Monaten haben empörte Griechen in der Hauptstadt Athen gegen das harte Sparprogramm protestiert.

AthenMit der größten Kundgebung seit Monaten haben empörte Griechen in der Hauptstadt Athen gegen das harte Sparprogramm der sozialistischen Regierung protestiert. Nach Medienberichten versammelten sich am Sonntag rund 100.000 Menschen auf dem Syntagma-Platz vor dem Parlament. Aus allen Stadtteilen Athens strömten den ganzen Abend immer mehr Menschen ins Zentrum.

Zu den Protesten aufgerufen hatte die vor allem über das Internet organisierte Bewegung der „Empörten Bürger“. Die Menschen beschimpften die Politiker des Landes als „Diebe und Verräter“. Viele trugen Flaggen Italiens, Argentiniens, Spaniens, Portugals und Irlands und riefen die Völker dieser Staaten und andere Europäer auf, ihnen in ihrem Kampf beizustehen.

Es könne nicht sein, dass immer nur die Arbeitnehmer und Rentner den Preis der Finanzkrise zahlen müssen, hieß es. „Wir sind enttäuscht, verwirrt und haben Angst um die Zukunft unserer Kinder“, sagte eine Frau im Radio. Kundgebungen gab es auch in der nordgriechischen Hafenstadt Thessaloniki. Die Proteste verliefen zunächst friedlich.

Mit der größten Kundgebung seit Monaten haben empörte Griechen in der Hauptstadt Athen gegen das harte Sparprogramm protestiert. Quelle: dapd

Mit der größten Kundgebung seit Monaten haben empörte Griechen in der Hauptstadt Athen gegen das harte Sparprogramm protestiert.

Im Gegenzug für ein zweites Rettungspaket denkt Griechenland trotz der Massenprotesten in der Bevölkerung über eine Verschärfung seiner Sparbemühungen nach. Das Kabinett des hochverschuldeten Euro-Mitgliedslandes erwäge einen Wirtschaftsplan, der noch mehr Einsparungen vorsehe, teilte das Büro von Ministerpräsident Giorgos Papandreou am Sonntag mit. Am Montag werde das Kabinett informelle Beratungen über ein mittelfristiges Programm abhalten.

Papandreou werde den Plan dann dem politischen Rat seiner regierenden Pasok-Partei am Dienstag vorstellen. Das Vorhaben sehe unter anderem eine neue Privatisierungsbehörde zum beschleunigten Verkauf von Staatsvermögen vor. Am Mittwoch könnte sich das Kabinett dann auf die Sparmaßnahmen verständigen und diese an das Parlament weiterleiten.

Ein zweites Rettungspaket wird notwendig, weil sich der bisherige Plan nicht halten lässt, dass Griechenland ab dem Frühjahr 2012 an den Kapitalmarkt zurückkehrt. Bleibt der Weg wegen zu hoher Zinsen länger versperrt, würde bis Ende 2013 ein Haushaltsloch von 65 Milliarden Euro aufreißen. Ein Jahr später wären es schon 132 Milliarden Euro. Das seit gut einem Jahr laufende Kreditprogramm ist bereits 110 Milliarden Euro schwer.

Deutschland ist mit 24,4 Milliarden Euro daran beteiligt.

Die Bundesregierung will beim zweiten Rettungspaket für Griechenland neben den Steuerzahlern diesmal auch die Banken zur Kasse bitten. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble beharre auf einen erheblichen Beitrag der privaten Gläubiger, berichtete der "Spiegel". Ein von seinen Beamten entwickeltes Modell sieht einen freiwilligen Umtausch von Staatsanleihen in Papiere mit siebenjähriger Laufzeit vor. Wie viel Geld das hoch verschuldete Land noch braucht, blieb am Wochenende unklar. Muss es noch drei Jahre am Tropf von IWF und Euro-Zone hängen, könnten es über 100 Milliarden Euro werden.

Das "Wall Street Journal" meldete unter Berufung auf ranghohe Offizielle, die Banken würden mit 30 Milliarden Euro zur Kasse gebeten. Darauf hätten sich die 17 Regierungen der Euroländer in einer "vorläufigen Vereinbarung" über ein neues Hilfspaket für das angeschlagene Land an der Ägäis geeinigt. In Brüssel war am Sonntag keine Bestätigung zu erhalten.

Ein Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn sagte zu dem Bericht: "Keinesfalls. Das ist unbegründet." Einer solchen Einigung müssten alle EU-Finanzminister zustimmen. In EU-Kreisen war zu hören, es seien mehrere Szenarien im Gespräch - und dieses könne eines davon sein. Einen Konsens gebe es aber noch nicht.

Von

dpa

Kommentare (24)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Europa_den_Voelkern_ohne_EU_Euro

05.06.2011, 20:56 Uhr

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble beharre auf einen erheblichen Beitrag der privaten Gläubiger, berichtete der "Spiegel". Ein von seinen Beamten entwickeltes Modell sieht einen freiwilligen Umtausch von Staatsanleihen in Papiere mit siebenjähriger Laufzeit vor.
---
Längere Zinslaufzeiten, was soll daran eine Beteiligung der Gläubiger sein? Die kassieren doch weiterhin!
Scheisssystem!
Ich erkläre mich mit den Griechen solidarisch.

Skyjumper

05.06.2011, 20:57 Uhr

Man sollte endlich auf das Volk der Griechen hören. 100.000 sind eine sehr beeindruckende Zahl wenn man es ins Verhältnis zur griechischen Gesamtbevölkerung setzt.

Und mit weiteren sogenannten Hilfszahlungen hilft man weder dem griechischem Volk, noch sonstwem in Europa. Jedenfalls nicht nachhaltig.

Account gelöscht!

05.06.2011, 20:58 Uhr

und in Deutschland regiert der Blödbürger

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×