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08.12.2013

21:52 Uhr

Massenproteste in Ukraine

Demonstranten köpfen Lenin-Statue

Bei den Massenprotesten in Kiew haben Demonstranten eine Granitstatue von Revolutionsführer Lenin gestürzt und enthauptet. Tausende Oppositionelle blockieren zudem wichtige Regierungsgebäude. Im Westen wächst die Sorge.

Massenproteste in der Ukraine

Demonstranten stürzen Lenin-Statue

Massenproteste in der Ukraine: Demonstranten stürzen Lenin-Statue

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KiewDie ukrainische Opposition hat ihre Proteste am Sonntag noch einmal dramatisch ausgeweitet. Hunderttausende demonstrierten in Kiew gegen Präsident Viktor Janukowitsch. In einer symbolisch aufgeladenen Aktion stürzten einige von ihnen mit Drahtseilen und Metallstangen ein Lenin-Denkmal im Stadtzentrum. Danach zertrümmerten sie das Denkmal mit Hämmern und köpften das Denkmal des einstigen Revolutionsführers. Die Täter hätten die Flagge der nationalistischen Freiheitspartei (Swoboda) geschwenkt und Leuchtgeschosse abgefeuert. Für ukrainische Nationalisten ist Lenin als Begründer der Sowjetunion eine Hassfigur.

Bei Einbruch der Dunkelheit blockierten Tausende Demonstranten wichtige Regierungsgebäude mit Autos und Barrikaden. Die Regierung hatte zuvor ihrerseits die Lage angefacht: Der Sicherheitsdienst der Ukraine teilte mit, dass gegen führende Köpfe der Opposition wegen Umsturzplänen ermittelt werde. Wer genau davon betroffen ist, war unklar. Tatsächlich fordert die Opposition inzwischen, dass Janukowitsch und die Regierung ihre Ämter abgeben und Neuwahlen angesetzt werden. Auch bei der Massendemonstration auf dem Unabhängigkeitsplatz Maidan skandierte die Menge „Rücktritt!“ und „Stürzt die Bande!“.

Der Boxer und Oppositionspolitiker Vitali Klitschko sagte: „Nach diesen Ereignissen bin ich sicher, dass die Diktatur in diesem Land nicht überleben kann.“ Er fügte hinzu: „Die Menschen werden es nicht tolerieren, wenn sie geschlagen werden, wenn ihnen der Mund verboten wird, wenn ihre Prinzipien und Werte ignoriert werden.“

Im Westen wächst inzwischen die Sorge, dass die Proteste kippen könnten. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso telefonierte mit Janukowitsch und mahnte eine politische Lösung an. Nächste Woche soll EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton zur Vermittlung in die Ukraine reisen.

Die Massenproteste hatten vor gut zwei Wochen begonnen, nachdem Janukowitsch ein unterschriftsreifes Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union auf Eis gelegt und eine Hinwendung zu Russland angekündigt hatte. Die Opposition vertritt dagegen einen pro-westlichen Kurs.

Proteste in der Ukraine: Zwischen Volksfest und Revolution

Proteste in der Ukraine

Zwischen Volksfest und Revolution

Postkarten gab es gestern, heute verkaufen die Souvenirhändler Flaggen und Schals in Nationalfarben. In Kiew gibt es keine normalen Tage mehr, in der ukrainischen Metropole herrscht Ausnahmezustand. Ein Stimmungsbericht.

Für Sonntag hatte sie zum „Marsch der Million“ aufgerufen, und laut Opposition wurde die Zahl auch erreicht. Wie viele Teilnehmer genau kamen, war kaum zu überprüfen. Doch zeigten Luftbilder völlig überfüllte Straßen im Kiewer Zentrum so weit das Auge reichte. Viele Demonstranten trugen Europaflaggen und sangen die Nationalhymne. Es war der größte Protest seit der Orangenen Revolution 2004.
Oppositionspolitiker Arseni Jazenjuk verlangte vor den Menschenmassen die Entlassung von Ministerpräsident Nikola Asarow wegen des gewaltsamen Polizeieinsatzes gegen Demonstranten voriges Wochenende. „Wir werden bis zum Sieg kämpfen“, sagte er. „Wir werden für das kämpfen, an das wir glauben.“

Unter den Demonstranten gibt es anti-russische Strömungen. Beim Sturz der Lenin-Statue rund einen Kilometer vom Maidan entfernt schlugen einige auf den am Boden liegenden Torso ein. Die Menge skandierte „Ruhm der Ukraine“. Der Oppositionsabgeordnete Andrij Schewtschenko twitterte anschließend: „Lebe wohl, kommunistisches Erbe!“

Russland versucht, die frühere Sowjetrepublik Ukraine in eine Zollunion mit Weißrussland und Kasachstan einzubinden. Die Ukraine ist stark auf russisches Erdgas angewiesen. Darüber hinaus hatte Russland wegen der Annäherung an die EU mit Handelsbarrieren für ukrainische Produkte gedroht. Es wird darüber spekuliert, dass Janukowitsch das EU-Assoziierungsabkommen deshalb vorerst platzen ließ.

Kommentare (6)

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wolfshund

09.12.2013, 08:47 Uhr

Vernarrte Baggage! Die EU soll (nur) die Schulden übernehmen, alles "in deutsche Hand" geben - mehr will auch die Ukraine nicht!

Account gelöscht!

09.12.2013, 10:47 Uhr

Zitat : Im Westen wächst inzwischen die Sorge, dass die Proteste kippen könnten

- der Westen sollte sich aus der Angelegenheit der Ukrainer heraushalten !

Die Aufheizung der Situation kann zur Spaltung des Landes führen und eine Flüchtlingswelle auslösen, die wir dann wieder bezahlen müßen.

In der Ukraine geht es um Verteilungskämpfe zweier korrumpierter Blocks.

Die sogenannte "Opposition" ist das gleiche korrupte Gesindel, wie die Machthaber selbst.

Die EU und die USA versuchen sich dilettantisch zur Destabilisierung des Landes einzubringen.

http://www.schweizmagazin.ch/nachrichten/ausland/17365–Beitritt-der-Ukraine-schadet-ganz-Europa.html

donolli

09.12.2013, 10:50 Uhr

Die Schreiber hier haben nichts kapiert!
Den Menschen in der Ukraine geht es nicht um den Euro oder um Geld von der EU. Die wollen die Diebesbande um Janukowitsch loswerden! Die kriminellen Oligarchen und die derzeitig krimelle Bande in der Regierung will kein EU, denn ansonsten können Sie nicht mehr so ungehindert das Land ausplündern. Gegen Achmetov (Hauptsponsor von Jankowitsch) gibt es fast 50 ungeklärte Auftragsmordverdachte die einfach im Sande verlaufen?!!! Warum hat er wohl Einreiseverbot in den USA?!! Sie wollen einfach nur wirkliche Demokratie und Politiker die nicht nur auf ihren persönlichen Vorteil aus sind! Die gesamte intelektuelle Elite, Journalisten, selbst teilweise Polizei und Militär steht hinter den Demonstranten. Einschüchterungsversuche ober drohende Verhaftungswellen von Oppositionsführer schrecken die Menschen nicht mehr. EU ist für diese nur ein Anker, wissend daß dann andere Regeln eingehalten werden müssen!

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