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02.09.2014

16:48 Uhr

Massive Aufrüstung

Russlands neue Streitmacht

VonJörg Hackhausen

Die Nato wirft Russland eine militärische Intervention in der Ukraine vor. Dabei geht es um mehr als einen regionalen Konflikt. Russland gilt wieder als bedrohlicher Gegner – weil Putin seine Armee gezielt aufrüstet.

Ein russischer Kampfpanzer bei einer Parade in Moskau: Russland hat seine Armee aufgerüstet. dpa

Ein russischer Kampfpanzer bei einer Parade in Moskau: Russland hat seine Armee aufgerüstet.

DüsseldorfDie Nato zieht wieder in den „Kalten Krieg“. Auf dem Gipfeltreffen am Donnerstag in Wales wird sich das westliche Militärbündnis mit dem neuen alten Gegenspieler befassen: Russland. Bereits im Vorfeld haben führende Vertreter der Nato deutlich gemacht, dass sie die militärische Einmischung in der Ostukraine nicht hinnehmen wollen. Dabei geht es um mehr als einen regionalen Konflikt. Russland wird wieder als Militärmacht ernst genommen – erstmals seit dem Ende der Sowjetunion.

„Wir haben eine bemerkenswerte Veränderung in der Herangehensweise und den Kapazitäten der russischen Streitkräfte seit dem Georgien-Krieg gesehen“, erklärte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen vor wenigen Tagen gegenüber Journalisten. Russland sei inzwischen in der Lage, blitzartig aus einem Manöver heraus einen Angriff zu starten.

Putin spricht...

über Krieg und Frieden

„Russland hat keine Absicht, Krieg gegen das ukrainische Volk zu führen.“
am 4.3. in einer Pressekonferenz

„Wenn ich will, kann ich in zwei Wochen Kiew einnehmen.“
am 01.09. in einem Telefonat mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, das dieser öffentlich machte. Die russische Seite erklärte im Anschluss, das Zitat sei aus dem Zusammenhang gerissen worden.

über Rüstung

„Die Militarisierung des Weltraums und die US-Stützpunkte in Europa und Alaska, direkt an unserer Grenze, nötigen uns zu einer Reaktion.“
am 10.09. in einer Pressekonferenz

über die Zukunft der Ostukraine

„Russland behält sich das Recht vor, alle vorhandenen Mittel zu nutzen, sollte es in östlichen Regionen der Ukraine zu Willkür kommen.“
am 4. 3. in einer Pressekonferenz

„Diese Gebiete (im Süden und Osten der Ukraine) waren als Neurussland historisch ein Teil des Russischen Reiches. Erst in den 1920er Jahren wurden die Territorien von den Bolschewiken der Ukraine gegeben. Gott weiß warum.“
am 17. 4. im russischen Staatsfernsehen

„Es müssen umgehend substanzielle inhaltliche Verhandlungen anfangen - nicht zu technischen Fragen, sondern zu Fragen der politischen Organisation der Gesellschaft und der Staatlichkeit im Südosten der Ukraine.“
am 31. 8. vor dem Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe

über die Führung der Ukraine

„In der Ukraine gibt es bislang keine legitime Macht, mehrere Staatsorgane werden von radikalen Elementen kontrolliert.“
am 18. 3. in der Rede an die Nation

„Sind sie da jetzt völlig verrückt geworden? Panzer, Schützenpanzerwagen und Kanonen! (...) Sind sie total bekloppt? Mehrfachraketenwerfer, Kampfjets im Tiefflug! (...) Sind sie dort jetzt völlig bescheuert geworden, oder was?
am 17. 4. im russischen Staatsfernsehen

über den Westen

„In der Ukraine überschritten die westlichen Partner die rote Linie, verhielten sich grob, verantwortungslos und unprofessionell.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

„Die Vereinigten Staaten dürfen in Jugoslawien, Irak, Afghanistan und Libyen agieren, aber Russland soll es verwehrt sein, seine Interessen zu verteidigen.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

über Russen im Ausland

„Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurden die Russen zu einem der größten geteilten Völker der Welt. Millionen von Menschen gingen in einem Land ins Bett und erwachten in einem ganz anderen und wurden zur nationalen Minderheit.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

„Ich glaube daran, dass die Europäer, vor allem aber die Deutschen, mich verstehen werden (...). Unser Land hatte das starke Bestreben der Deutschen nach Wiedervereinigung unterstützt. Ich bin sicher, dass sie das nicht vergessen haben und rechne damit, dass Bürger Deutschlands das Bestreben der russischen Welt, ihre Einheit wiederherzustellen, (...) ebenfalls unterstützen werden.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

Das Umdenken begann mit einer Blamage: Im „Kaukasuskrieg“ im Jahr 2008 war es der russischen Armee zwar gelungen, bis in das georgische Kernland vorzudringen und dieses zu besetzen. Dennoch offenbarten die Kämpfe im Nachbarland eklatante Schwächen. Die aus Sowjetzeiten stammende Ausrüstung war größtenteils veraltet. Panzer blieben unterwegs liegen. Die Abstimmung zwischen verschiedenen Truppenteilen verlief chaotisch. Weil die Funkverbindung oftmals versagte, mussten Offiziere ihre eigenen Handys benutzen, um die Kommandoposten zu kontaktieren.

Wladimir Putin, damals Ministerpräsident, zog daraus seine Schlüsse: Wenn Russland seinen Anspruch als Großmacht  wiedergewinnen wollte, musste es seine Armee komplett umbauen. Aus der Massenarmee sollte eine spezialisierte Einsatzarmee werden, die schnell auf regionale Konflikte reagieren sowie in asymmetrische Kriege, wie etwa den Antiterrorkampf, eingreifen kann.

Kommentare (60)

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Frau Mina Menzel

02.09.2014, 17:03 Uhr

Und wieder die Russen. Herr Hackhauser, lesen Sie doch einfach mal "Deutsche Wirtschaftsnachrichten", online und das Schreiben von Veteran Intelligence Professionals for Sanity (VIPS); das sind ehemalige amerikanische, ehemalige Geheimdienstmitarbeiter, die den Irak-Krieg nicht verhindern konnten, nun aber uns Deutsche warnen vor den sog. Beweisen einer russ. Invasion. Und dann schreiben Sie doch mal, Aufrüstung in China, Japan ....auch an Sie die Frage: Gibt es nur noch die Russen? Warum von früh bis spät abends in diesem Konflikt stochern und das Letzte herausholen? Es gab unter Hilter ein Plakat: "Die Russen kommen". Ganz gräßliches Gesicht, manchmal mit einem Messer zwischen den Zähnen. Irgendwie fühle ich mich daran erinnert. Wie wollen Sie eigentlich Schülern diesen medialen Terror gegen Russland klar machen bei der unklaren Situation?

Herr Ronald Bernard

02.09.2014, 17:04 Uhr

Die NATO kreist Russland ein.

Russland rüstet auf - eine logische Konsequenz.

Frau Bettina Schneider

02.09.2014, 17:21 Uhr

Interessant ist, was all die Kommentatoren mit den vielen Rubelchen machen, die sie hier verdienen, wenn sie hier sehr auffällig Russlandpropaganda machen?

Sobald ein Artikel über die aktuelle Lage in der Ukraine eingestellt wird, sind, ach wie seltsam, massig einseitig geprägte Kommentare geschrieben, die alle den selben Tenor haben: Putin ist ein Gutmensch! Ich hoffe, die Leute, die das schreiben, glauben wenigstens auch daran und machen das nicht nur wegen des Geldes!

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