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14.02.2014

15:17 Uhr

Matteo Renzi

Unternehmers Liebling

VonKatharina Kort

Industrielle und Unternehmer lieben ihn. Und auch der Markt feiert die Meuterei in Rom. Matteo Renzi droht zwar die Spaltung in der eigenen Partei. Aber in der Wirtschaft kann er punkten – obwohl er ein Linker ist.

Matteo Renzi: Dass die Wirtschaft ihn so liebt, liegt auch daran, dass er Reformen und Steuersenkungen fordert. dpa

Matteo Renzi: Dass die Wirtschaft ihn so liebt, liegt auch daran, dass er Reformen und Steuersenkungen fordert.

MailandDass ein linker Politiker soviel Unterstützung von den Unternehmern erhält, ist eher selten. Aber Matteo Renzi, der sich anschickt, Enrico Letta als nächsten italienischen Ministerpräsidenten zu beerben, gilt auch bei der mächtigen Industrievereinigung Confindustria als Hoffnungsträger Italiens. Der erfolgreiche Kaschmirunternehmer Brunello Cucinelli und der Chef des weltgrößten Brillenherstellers Luxottica Andrea Guerra und der Hedge-Funds-Manager Davide Serra gehören zu seinen größten Fans.

39 Jahre jung, ehemaliger Pfadfinder-Vorsitzender und Bürgermeister von Florenz, profitiert Renzi von seiner Außenseiterposition. Er saß noch nie im römischen Parlament. Schon vor zwei Jahren hatte er wörtlich gefordert, die alten Kader seiner Partei PD zu „verschrotten“. Das brachte ihm in der Partei nicht nur Freunde ein – dafür aber den Spitznamen „Verschrotter“. Als er dann im Dezember im zweiten Anlauf mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit von 1,8 Millionen Italienern zum neuen Parteisekretär gewählt wurde, machte er damit ernst. Sein Führungszirkel besteht aus überdurchschnittlich jungen Menschen, die auch noch mehrheitlich weiblich sind.

Die größten Baustellen für Italiens neue Regierung

Wahlrecht

Nachdem das alte Wahlrecht für verfassungswidrig erklärt wurde, braucht Italien dringend ein Neues. Lettas möglicher Nachfolger Matteo Renzi hat bereits einen Vorschlag ausgearbeitet, der bei künftigen Wahlen ein Patt im Parlament verhindern soll.

Arbeitslosigkeit

Die Zahlen kletterten in Italien während der Krise auf Rekordniveau, vor allem junge Menschen sind betroffen. Mehr als 40 Prozent der Italiener unter 25 Jahren haben keinen Job.



Steuersystem

Dieses Thema steht mit ganz oben auf der Agenda. Schon die Regierung Letta hatte Unternehmen und Arbeitnehmern Steuersenkungen in Milliardenhöhe in Aussicht gestellt.

Wirtschaftswachstum

Die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone steckte zuletzt in der schwersten Rezession der Nachkriegszeit, erst in diesem Jahr hat die Wirtschaft langsam wieder zu wachsen begonnen.



Bürokratieabbau

Die öffentliche Verwaltung muss vereinfacht und reformiert werden - auch dies ist ein erklärtes Ziel Renzis. Zudem will er einen besseren Überblick über die Staatsausgaben bekommen und gezielte Kürzungen durchsetzen.

Arbeitsmarkt

Auch in diesem Bereich hat das Land eine Reform bitter nötig. Letta hatte erste Pläne für eine Liberalisierung entwickelt, die konkrete Umsetzung kommt auf die neue Regierung zu.


Staatsstrukturen

Sowohl das Parlamentssystem mit zwei gleichberechtigten Kammern als auch die Struktur des Landes mit den 20 Regionen stehen immer wieder in der Kritik.


Jetzt hat er auch noch Königsmord begangen und trotz gegensätzlicher Bekundungen keine Neuwahlen abgewartet, sondern den Parteigenossen Letta gestürzt. Warum? Weil es ihm mal wieder nicht schnell genug ging. Die Reformen nicht und der eigene Weg an die Macht wohl auch nicht. Bei seiner Meuterei bekam Renzi Unterstützung vom Confindustria-Präsidenten, Giorgio Squinzi, persönlich. Der kanzelte das eilig vorgestellte Programm von Letta noch am Donnerstag als gute Analyse, aber falsche Lösungen ab.

Wer Renzi maßlosen Ehrgeiz vorwirft, dem widerspricht der Betroffene nicht, weil er darin nichts negatives sieht. In seiner Rede, die den Anfang vom Ende Lettas einleitete, sagte er: „Wir müssen einen maßloses Ehrgeiz haben: der Parteisekretär ebenso wie der letzte Delegierte“. Seine Vorbilder sind Barack Obama und Nelson Mandela, dessen Bild schon seit langer Zeit sein Büro schmückt.

Renzi steht für eine neue Demokratische Partei, die weniger ihrer postkommunistischen Vergangenheit nachtrauert und stärker Realpolitik betreibt. Kritiker werfen ihm vor, ein Populist zu sein und die Partei nach rechts zu rucken. Er ist sich nicht zu schade, in schwarzer Lederjacke in der beliebten Talent-Show „Amici“ im italienischen Fernsehen aufzutreten. Das ist in Italien durchaus unüblich. Politiker zeigen sich meist in Anzug und Schlips und in Talkshows.

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