Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.01.2017

10:33 Uhr

May zu Gast bei Trump

Britisches Frohlocken

Theresa May ist Donald Trumps erster Staatsgast. Sie will in Washington die Grundlage für ein Handelsabkommen mit den USA für die Zeit nach dem Brexit schaffen – und fürchtet sich nicht vor dem US-Präsidenten.

Die britische Regierungschefin muss dringend Erfolge vorweisen. Aber auch der US-Präsident steht unter Druck. dpa

Donald Trump und Theresa May

Die britische Regierungschefin muss dringend Erfolge vorweisen. Aber auch der US-Präsident steht unter Druck.

London/Washington Wenn Theresa May am Freitag den neuen US-Präsidenten Donald Trump in Washington besuchen wird, muss sie erst noch einen Umweg über Philadelphia machen. Dort treffen sich Parlamentarier und Parteispitze, um nach den anstrengenden Wochen ein bisschen Abstand von der Hauptstadt zu bekommen. Für den Besuch hat Philadelphia Symbolkraft. Dort hatten sich 1776 zunächst 13 britische Kolonien vom Mutterland losgesagt - und den Grundstein für das heutige Amerika gelegt, das Trump wieder zu alter Größe führen will.

Die Konservative von der Insel ist die erste europäische Regierungschefin, die vom neuen Chef im Weißen Haus persönlich empfangen wird - eine heikle Mission für die Engländerin. Mays Motto des „Global Britain“ trifft auf Trumps nach innen gekehrte Weltsicht des „America First“. Beide brauchen einen Erfolg. May sorgt sich um die Isolierung ihrer Insel nach dem Brexit. Und Trump muss erstmals beweisen, dass er auf internationalem Parkett handlungsfähig ist und sich nicht bis auf die Knochen blamiert.

Worin Donald Trump und Theresa May konform gehen - oder nicht

Nato

Die USA und Großbritannien gehören zu den wenigen Nato-Mitgliedern, die ihr Soll an Militärausgaben erfüllen. Sie haben beide ein Interesse daran, dass Deutschland und andere Länder mehr in ihre Verteidigung investieren. Doch während Trump die Nato als „obsolet“ bezeichnet, sind die Briten glühende Verfechter der Militärallianz.

Handel

May braucht dringend die Aussicht auf ein Freihandelsabkommen mit den USA. Großbritannien soll nach dem Brexit weltweit Vorreiter für den freien Verkehr von Waren und Dienstleistungen werden. Davon hält Donald Trump allerdings nichts. Er will sein Land getreu dem Motto „Amerika zuerst“ von ausländischer Konkurrenz abschotten. Trotzdem macht er den Briten Hoffnungen.

Terrorismus

Den islamistischen Terrorismus wollen beide bekämpfen. Uneinig sind sie sich, welche Rolle Russland dabei spielen soll. Während sich die Briten in den vergangenen Monaten als schärfste Kritiker der russischen Intervention in Syrien profiliert haben, will Trump mit Putin zusammenarbeiten.

Europäische Union

Trump gibt nicht viel auf die EU. Von ihm aus, kann sie weiter zerfallen. Großbritannien hat dagegen ein Interesse an Stabilität vor seiner Haustüre. Sollte May tatsächlich von Trump als Partnerin ernst genommen werden, könnte sie sich als Vermittlerin zwischen Europa und dem neuen US-Präsidenten inszenieren.

Klimawandel

May steht zum Pariser Klimaschutzabkommen. Der US-Präsident dagegen nannte die Klimaerwärmung schon einmal einen „Scherz“. In jüngster Zeit zeigte er sich etwas nachdenklicher.

Einerseits ist May fast auf Gedeih und Verderb dem Gutdünken Trumps ausgeliefert - Großbritannien braucht einen starken Partner als Ersatz für den wahrscheinlichen Verlust des europäischen Binnenmarktes. Andererseits darf sie Trump auch nicht zu sehr auf den Leim gehen. Im Gepäck hat sie einen ganze Reihe von Empfehlungen für den vollmundigen Politneuling, die Palette reicht vom Klimaschutz bis zur Verteidigung. Trumps klar negative Haltung zur EU könnte für May zur Bürde in den wichtigen Brexit-Verhandlungen werden.

Heather Conley, beim Washingtoner Center for International and Strategic Studies sieht für den Besuch vor allem drei Arbeitsbereiche: Geheimdienste, Nato und Wirtschaft. „Alle drei sind Juckepunkte“, sagt die Expertin. Die Briten sehen bei der bisher extrem engen geheimdienstlichen Zusammenarbeit Trumps Flirt mit Kremlchef Wladimir Putin kritisch - das britisch-russische Verhältnis liegt praktisch auf Eis. Die Briten sind ein Verfechter der Nato, Trump sieht Probleme, vor allem bei der Bezahlung.

Großbritanniens Optionen nach dem Brexit

Zollunion

Großbritannien könnte es machen wie die Türkei und der Zollunion beitreten. Dadurch würden die Zölle wegfallen und die Handelsabkommen mit der EU behielten bestand. Andererseits wäre London aber dabei eingeschränkt, eine eigene Handelspolitik zu betreiben, da man sich an den gemeinsamen Zolltarif halten müsste. Ob dies den Briten gefallen würde, bleibt fraglich. Immerhin folgt die Brexit-Entscheidung dem Ruf nach völliger nationaler Souveränität.

Europäischer Wirtschaftsraum (EWR)

Der Europäische Wirtschaftsraum (EWR) umfasst derzeit 31 Länder. Die teilnehmenden Staaten haben gemeinsame Aufsichtsbehörden, Gerichte und Regeln. Zudem gelten die vier Binnenmarktfreiheiten beim Waren-, Personen-, Dienstleistungen- und Kapitalverkehr. Allerdings will die britische Regierung weder der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes unterliegen noch die Kontrolle über die Immigration abgeben.

Der „Schweizer Weg“

Am liebsten wäre der englischen Regierung wohl ein Modell wie der „Schweizer Weg“. So könnten für die einzelnen Wirtschaftsbereiche maßgeschneiderte Abkommen ausgehandelt werden. Die EU hat allerdings schon durchblicken lassen, eine derartige Lösung abzulehnen.

Freihandelsabkommen

Die wahrscheinlichste Option ist für die Briten wohl ein gesondert ausgehandeltes Freihandelsabkommen, wie es zwischen der Europäischen Union und Kanada (Ceta) vereinbart wurde. Damit würden die Briten ihre durch den Brexit forcierte Unabhängigkeit behalten und könnten spezielle, aber umfassende Handelsbedingungen im Gespräch mit der EU festlegen.

Dass er das Bündnis tatsächlich für „obsolet“ hält, wie er im Zeitungsinterview unter anderem mit dem von der „Times“ als Journalisten geschickten innerparteilichen May-Rivalen Michael Gove erklärt, glaubt auch in Washington kaum jemand. Sein Verteidigungsminister James Mattis hat dazu eine eindeutige und vor allem fachlich fundierte Meinung.

Kommentare (22)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Peter Kastner

27.01.2017, 10:44 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Grutte Pier

27.01.2017, 10:47 Uhr

Aus England reist die Regierungschefin an - aus Deutschland Siggi "Pop" Gabriel.

Mehr bleibt nicht zu sagen.......Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Account gelöscht!

27.01.2017, 10:47 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×