Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.04.2016

14:18 Uhr

Mazedonien

Krawalle bei Demonstrationen gegen Präsidenten

Mazedoniens Präsident begnadigt Akteure eines seit Monaten schwelenden Korruptionsskandals. Bei Demonstrationen kommt es daraufhin zu Ausschreitungen der Opposition und Festnahmen. Kritik kommt auch aus der EU.

Die Demonstranten verbrannten auch eine Fotomontage mit dem Gesicht des Präsidenten. dpa

Djorde Ivanov

Die Demonstranten verbrannten auch eine Fotomontage mit dem Gesicht des Präsidenten.

BelgradGewaltsame Proteste nach einem umstrittenen Amnestiebeschluss in Mazedonien: Mit der Begnadigung aller in einen Korruptions- und Abhörskandal verwickelten Politiker stößt Präsident Djordje Ivanov auf heftigen Widerstand der Opposition. Bei Demonstrationen in der Hauptstadt Skopje kam es am Abend zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und Regierungskritikern. Zahlreiche Demonstranten seien festgenommen worden, berichtete das Internetportal „Kurir“.

In Skopje kam es zu chaotischen Szenen. Auch das Gebäude, in dem sich Büros des Präsidenten befinden, wurde attackiert. Demonstranten bewarfen es am späten Dienstagabend mit Steinen und Eiern, Scheiben wurden zertrümmert.

Die Opposition warf dem Präsidenten vor, mit seiner Entscheidung vom Dienstag die politische Krise im Lande noch verschärft zu haben. Auch EU-Erweiterungskommissar Johannes Hahn kritisierte die Amnestie als nicht mit seiner Rechtsauffassung konform.

Die schon mehr als ein Jahr andauernde Krise in Mazedonien war durch illegal abgehörte Telefonate des damaligen Regierungschefs Nikola Gruevski mit seinen engsten Mitarbeitern ausgelöst worden. Die Mitschnitte sollten groß angelegte Korruption, Misswirtschaft, die Drangsalierung der Justiz, Knebelung der Medien und Kriminalisierung politischer Gegner beweisen.

Schäuble will EU-Haushalt neu ausrichten: Die europäische Milliardenlücke

Schäuble will EU-Haushalt neu ausrichten

Premium Die europäische Milliardenlücke

Flüchtlingscamps, der Deal mit der Türkei und der EU-Außengrenzschutz: Die Krisen treiben die EU finanziell an den Rand des Abgrunds. Und dann gibt es eine zweite gewaltige Herausforderung.

Gruevski hatte die Aufnahmen als Machwerke eines nicht näher bezeichneten ausländischen Geheimdienstes bezeichnet. Sie seien angefertigt worden, um ihn zum Rücktritt zu zwingen.

Nach einer Vermittlung durch die EU hatte man sich auf Neuwahlen am 24. April geeinigt, den Termin dann aber auf den 5. Juni verschoben. Allerdings will die Opposition die Wahl boykottieren, weil die Voraussetzungen aus ihrer Sicht nicht erfüllt sind. Obwohl Gruevski im Januar zurücktrat, wird davon ausgegangen, dass er im Hintergrund noch immer die Strippen zieht.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×