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28.08.2013

15:51 Uhr

Medien in China

China verpfichtet Journalisten zum Ideologiekurs

China will seinen Journalisten wieder „Regeln und Disziplin“ beibringen. Neben Parteimitgliedern und Studenten soll die Lektüre der marxistischen Lehren auch für Berichterstatter zur Pflicht werden.

Eine Chinesin sitzt in Beijing neben einem Portrait von Karl Marx. Bilder des kommunistischen Ökonoms kann man heutzutage immer noch neben welchen von Stalin, Lenin oder Mao Tse-tung an öffentlichen Gebäuden finden. ap

Eine Chinesin sitzt in Beijing neben einem Portrait von Karl Marx. Bilder des kommunistischen Ökonoms kann man heutzutage immer noch neben welchen von Stalin, Lenin oder Mao Tse-tung an öffentlichen Gebäuden finden.

PekingNach Parteimitgliedern zieht Peking bei Journalisten die ideologischen Daumenschrauben an. Alle Reporter müssen „Marx lernen“. Das gehört zur Ideologiekampagne des neuen Parteichefs Xi.

Chinas Regierung hat alle chinesischen Journalisten zur Marxismus-Kursen verpflichtet. Die Ideologiekenntnis gerade jüngerer Reporter lasse zu wünschen übrig, schrieb das Parteiorgan „Volkszeitung“ am Dienstag zur Begründung. Schon lange wurde beklagt, dass sich vor allem angehende Journalisten eher an westlichen Zeitungsstandards orientieren und nicht Marx Ansichten des Nachrichtenwesens studieren.

„Immer wieder werden Regeln und die Disziplin gebrochen“, klagte das Blatt. Deswegen müssten sich die Berichterstatter stärker auf die Kernwerte zurückbesinnen. Die Teilnahme an den mehrtägigen Kursen sei Pflicht für alle 307.000 chinesischen Journalisten und Producer.

Bereits seit 2005 wird in China durch das sogenannte „Ma-Projekt“ versucht, die Lehren des Marx im heutigen China zu verankern. Mit umfangreichen Geldmitteln sollen neue Übersetzungen und somit zeitgemäße Lehrbücher für Studenten erarbeitet werden.

In den vergangenen Wochen hatte Chinas neuer Staats- und Parteichef immer wieder die Werte von Mao Tse-tung beschworen. Das Land müsse von den Ideen des „Großen Führers“ und anderer Ideologien lernen. Das rote China werde niemals seine Farbe ändern, zitierte ihn die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Den 80 Millionen Parteimitgliedern verordnete er eine „porentiefe Reinigung“ vor dem wichtigen Plenum des Zentralkomitees im November.

Knackpunkte der deutsch-chinesischen Beziehungen

Blühender Handel

Das Handelsvolumen zwischen China und Deutschland stieg im Jahr 2012 auf 161 Milliarden Dollar - ein Drittel des gesamten Handelsumfangs von China mit der EU. Aus China kommen verschiedenste Waren - von Kleidung und Schuhen bis zu Elektronik- und Metallwaren - nach Deutschland. Deutsche Unternehmen verkaufen auf dem prosperierenden chinesischen Markt Maschinen, Hightech-Komponenten und Autos.

Raues Investitionsklima

Deutsche Investoren klagen über Bürokratie und behördliche Willkür in China. Sie fordern gleiche Wettbewerbsbedingungen und mehr Rechtssicherheit - vor allem auch beim Urheberrechtsschutz. In Deutschland sieht mancher Firmenübernahmen wie die des Baumaschinenherstellers Putzmeister durch den chinesischen Sanyi-Konzern skeptisch. Bis zum Jahr 2020 könnten sich chinesische Investitionen hierzulande einer aktuellen Studie zufolge auf rund zwei Milliarden Dollar jährlich verdreifachen. Bislang gibt es keinen Grund für Angst vor einer chinesischen Firmeninvasion: Deren Investitionen machen gerade einmal 0,2 Prozent der Auslandsinvestitionen in Deutschland aus

Sorge um den Euro

Bei der Überwindung der Eurokrise setzt China vor allem auf Deutschland. Chinas Exporte sind als Folge der Schuldenkrise stark zurückgegangen, zudem sorgt sich die Regierung um ihre Devisenreserven. Nach Schätzung von Experten soll etwa ein Viertel der Rekordsumme von 3,3 Billionen Dollar in Euro angelegt sein. Im Zuge des Schuldenschnitts für Griechenland mussten im Jahr 2012 auch chinesische Staatsfonds herbe Verluste hinnehmen.

Streit um billige Solaranlagen

Auch deutsche Unternehmen der Solarbranche gingen wegen Konkurrenz aus China pleite. Die EU-Kommission hat nun ein Anti-Dumping-Verfahren angestrengt - wenn bis zum 5. Juni kein Kompromiss gefunden ist, drohen chinesischen Billigherstellern milliardenschwere Strafzölle. China wirft der EU Protektionismus vor. Deutschland könnte in dem Streit eine Schlüsselrolle spielen, denn die Zölle sind hierzulande umstritten: Industrievertreter verweisen darauf, dass 70 Prozent der Wertschöpfung für die in China montierten Module in Deutschland entsteht und Strafzahlungen auch hiesige Firmen in Mitleidenschaft zögen.

Ungeliebte Menschenrechtsdebatte

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht Menschenrechtsfragen regelmäßig an, nimmt jedoch seit dem Eklat um den Besuch des Dalai Lama im Kanzleramt im Jahr 2007 auch Rücksicht auf chinesische Befindlichkeiten. Der sachliche Verlauf des jüngsten deutsch-chinesischen Menschenrechtsdialogs könnte als Hinweis auf eine größere Offenheit der neuen Führung in Peking gewertet werden. Sie will die umstrittenen Arbeitslager reformieren, in denen Hunderttausende ohne Prozess einsitzen. Was das Schicksal einzelner Dissidenten angeht, bleibt China unnachgiebig und verweist gerne darauf, dass in seiner Tradition das kollektive vor dem individuellen Wohl steht - eine Auffassung, die angesichts des teils brutalen Drucks auf Oppositionelle hierzulande auf wenig Verständnis stößt.

Schwieriger Kulturaustausch

Die chinesische Seite beklagt eine klischeehafte Darstellung ihres Landes in der deutschen Öffentlichkeit. Mehr Chinesischunterricht und mehr Jobs für China-Experten in Behörden forderte jüngst die Grünen-Abgeordnete Viola von Cramon mit Blick auf Politiker, die ohne Landeskenntnisse in Treffen mit bestens vorbereiteten chinesischen Kollegen gingen. Der Kulturaustausch entwickelte sich stark, wenn auch nicht gleichmäßig in beide Richtungen. So studierten zuletzt etwa 25.000 Chinesen hierzulande, umgekehrt zog es nur 6200 junge Deutsche in die Volksrepublik.

Gleichzeitig gingen Chinas Sicherheitsbehörden mit Härte gegen Blogger vor. Mindestens zwei Menschen wurden laut Berichten von Staatsmedien am Wochenende für die Verbreitung von „Internetgerüchten“ festgenommen. In den vergangenen Wochen waren bereits Dutzende kritische Intellektuelle festgenommen worden.

Die Marxismus-Schulung der Journalisten hat laut „Volkszeitung“ bereits im Juni begonnen und soll bis Januar dauern. Journalisten sollten erst gar nicht versuchen, die Teilnahme mit Zertifikaten von anderen Journalistenkursen zu umgehen, mahnte das Parteiblatt.

Ideologiekurse sind nicht neu in China. An Universitäten gibt es Pflichtkurse der Theorien der Parteiführer seit Mao Tse-tung. In den Führungsetagen vieler Medien in China sitzen zudem Parteimitglieder, die ohnehin regelmäßig an Ideologiekursen teilnehmen müssen.

Von

dpa

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