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02.02.2007

11:27 Uhr

Medien veröffentlichen Fotos

Türkische Polizisten feiern Dink-Mörder

Schockierende Bilder von der türkischen Polizei: Medien haben jetzt Fotos veröffentlicht, auf denen mehrere Beamte stolz mit dem mutmaßlichen Mörder des Journalisten Hrant Dink posieren. Offensichtlich feierten sie ihn als Nationalhelden.

HB ISTANBUL. Mehrere Medien veröffentlichten am Freitag Bilder, die den 17 Jahre alten Ögun Samast mit einer türkischen Flagge an der Seite von Polizisten zeigen, einige von ihnen in Uniform. Der arbeitslose Jugendliche hat gestanden, am 19. Januar den armenisch-türkischen Journalisten erschossen zu haben.

Auf den Bildern steht er vor einem Plakat mit der Nationalflagge, auf der Worte des Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk zu lesen sind: „Das Land der Nation ist heilig. Es darf nicht dem Schicksal überlassen werden.“ Auf dem Video ist eine Stimme zu hören, die fragt, ob der Spruch nicht direkt über den Kopf des Mordverdächtigen platziert werden könne.

Die türkische Presse äußerte sich empört über den Vorfall. Die Zeitung „Sabah“ schrieb, ein nationalistischer Mörder werde wie ein Held behandelt. Die Militärpolizei wies Berichte zurück, die Bilder seien in einem Revier der Militärpolizei unmittelbar nach der Festnahme entstanden. Sie seien in einer nahen Polizeistation gemacht worden. Die beteiligten Militärpolizisten seien beauftragt gewesen, den Festgenommenen der Polizei zu übergeben.

Polizeisprecher Ismail Caliskan erklärte, es werde untersucht, welche Beamten sich mit Samast gezeigt hätten und wer die Bilder an die Öffentlichkeit gespielt habe. Dink war wegen seiner kritischen Äußerungen über die blutige Verfolgung von Armeniern im Osmanischen Reich Anfang des 20. Jahrhunderts wiederholt von türkischen Nationalisten bedroht worden. Auch stand er mehrfach vor Gericht, weil er die damaligen Ereignisse als Völkermord gebrandmarkt hatte. Er wurde am 19. Januar erschossen.

Nobelpreisträger Orhan Pamuk flüchtet in die USA

Indes fürchtet auch der türkische Literatur-Nobelpreisträger Orhan Pamuk um sein Leben. Offensichtlich aus Angst vor einem Anschlag sagte er einen Besuch in Deutschland ab. Stattdessen reiste er am Donnerstag in die USA. Er werde Lesungen an der Columbia-Universität und anderen Hochschulen halten, sagte Pamuk auf dem Flughafen von Istanbul. Dort bestieg er ein Flugzeug nach New York. Fragen, ob er aus Sicherheitsgründen nicht nach Deutschland komme, beantwortete der Schriftsteller nicht.

Der Carl Hanser Verlag hatte am Mittwoch mitgeteilt, Pamuk habe seine Lesereise ohne Angabe von Gründen verschoben. Dem Autor sollte am Freitag die Ehrendoktorwürde der Freien Universität Berlin verliehen werden.

Verleger Michael Krüger und deutsche Politiker brachten die Absage in Zusammenhang mit der Bedrohung Pamuks durch militante türkische Nationalisten. Der Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels stand wie der kürzlich ermordete türkisch-armenische Journalist Hrant Dink wegen seiner Einschätzung des Massenmords an Armeniern Anfang des 20. Jahrhunderts vor Gericht und wurde von Nationalisten als Verräter bezeichnet.

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