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04.04.2013

07:42 Uhr

Medienbericht

Beim Bankenskandal auf Zypern wurden Beweise vernichtet

Im Bankenskandal um die Bank of Cyprus sollen wichtige Beweise ausgelöscht worden sein. Das berichtete das staatliche Fernsehen der Insel. Der Generalstaatsanwalt untersucht bereits die Vorwürfe.

Ein Arbeiter repariert die Fassade einer Filiale der Bank of Cyprus. Das Staatsfernsehen berichtet von vernichteten Beweisen. Reuters

Ein Arbeiter repariert die Fassade einer Filiale der Bank of Cyprus. Das Staatsfernsehen berichtet von vernichteten Beweisen.

NikosiaAuf Zypern sollen nach einem Medienbericht wichtige Beweise über die schwer angeschlagene Bank of Cyprus vernichtet worden sein. Dies berichtete am Mittwoch das staatliche Fernsehen RIK in den Abendnachrichten unter Berufung auf „zuverlässige Quellen“. Die Vorwürfe stützten sich auf ein umfangreiches Gutachten der Beraterfirma Alvarez & Marsal, das am 26. März der Zentralbank von Zypern vorgelegt wurde und zurzeit vom Generalstaatsanwalt der Insel, Petros Klerides, untersucht wird.

Im zyprischen Fernsehen sagte Klerides, dass niemand seiner Verantwortung entgehen werde. Wer sich in der Bankenkrise strafbar gemacht oder Beweismaterial unterschlagen hätte, müsse mit Konsequenzen rechnen. Den Report von Alvarez & Marsal müsse er aber zunächst eingehend prüfen. Anschließend werde er ihn an den jüngst gebildeten Untersuchungsausschuss weiterleiten, der sich mit den Ursachen der Krise auf Zypern befassen wird.

Welche Euro-Staaten das Zypern-Virus in sich tragen

Slowenien

Laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) haben slowenische Banken etwa sieben Milliarden Euro an faulen Krediten in ihren Büchern stehen - eine Summe, die 20 Prozent des BIP des Landes ausmacht. Seit Monaten wird daher regelmäßig darüber spekuliert, ob der Adria-Staat als nächstes Land unter den Euro-Rettungsschirm flüchten müsse; im vergangenen Sommer waren die Anzeichen dafür besonders akut.

Wie gefährdet ist der Staat?

Slowenien hat eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, die dem Land mehr Luft an den Finanzmärkten verschafften. So wurde eine Bad Bank beschlossen, in die toxische Papiere der Banken ausgelagert werden sollen. Die Ratingagentur Fitch sah in ihrem jüngsten Länderblick auf Slowenien von vor wenigen Tagen daher nicht mehr unmittelbar das Risiko, dass die frühere jugoslawische Teilrepublik internationale Finanzhilfe beantragen muss. Unter einer Voraussetzung: dass die neue Mitte-Links-Regierung in Ljubljana den Reformkurs fortsetzt und den Bankensektor noch stärker an die Kandare nimmt. Vor allem müsse die Rekapitalisierung der Banken vorangetrieben werden. In Slowenien wird im zweiten Jahr in Folge in 2013 mit einer Rezession gerechnet.

Luxemburg

Der Kleinstaat gilt eigentlich als wirtschaftlich grundsolide, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bescheinigte ihm in einem Bericht vom Dezember das höchste Pro-Kopf-Einkommen der OECD-Staatengruppe. Zudem sei Luxemburg vergleichsweise gut durch die Finanz- und Wirtschaftskrise gekommen. Doch die OECD mahnte auch, dass das Land trotz bereits umgesetzter Regulierungen im Bankenbereich zu stark von seinem riesigen Finanzsektor abhängig sei, der ein Drittel des BIP erwirtschaftet - zum Vergleich: Auf Zypern waren es 45 Prozent.Die luxemburgischen Banken gelten freilich als weit seriöser als die zyprischen. Sie litten laut OECD kaum unter der Finanzkrise, weil ihnen als "sicherer Hafen" manche Anlagegelder zuflossen.

Wie gefährdet ist der Staat?

Ein schwere Verschärfung der Eurokrise könnte auch das luxemburgische Geschäftsmodell ins Wanken bringen, die Einlagen bei Banken und Investmentfonds übersteigen das BIP um ein Vielfaches. Das kleine Luxemburg könnte die Banken dann aus eigener Kraft nicht retten - ganz zu schweigen von den internationalen Schockwellen. Allein bei der Rettung der maroden Dexia-Bank gab Luxemburg 2011 eine Garantie von 2,55 Milliarden Euro oder 8,5 Prozent seines Bruttosozialproduktes ab.

Malta

Der winzige Inselstaat im Mittelmeer rühmt sich, die Eurokrise zuletzt weit besser als andere Euroländer überstanden zu haben. Die Arbeitslosigkeit liegt bei lediglich sechs Prozent, das Wachstum erreichte im vergangenen Jahr 1,5 Prozent und das Defizit konnte auf 2,3 Prozent und damit sogar unter die Drei-Prozent-Grenze der EU gedrückt werden.

Wie gefährdet ist der Staat?

Malta wird immer wieder als möglicher Wackelkandidat im Euroraum genannt. Der Grund: Die Entwicklung war vorher über Jahre weit negativer, der Schuldenstand ist immer noch zu hoch und der Finanzsektor ebenfalls viel zu aufgebläht.

Das Gutachten von Alvarez & Marsal betrifft neben der Bank of Cyprus auch das zweite in Schieflage geratene Geldhaus, die Laiki Bank (CPB). Die Banken waren durch das starke Engagement in Griechenland nach dem griechischen Schuldenschnitt im Oktober 2011 ins Taumeln geraten. Die Versuche sie zu stützen, brachten den zyprischen Staat an den Rand des Bankrotts. Zypern musste daraufhin internationale Hilfe beantragen.

Von

dpa

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

04.04.2013, 08:33 Uhr

Es ist also genau das eingetreten was in unzähligen Internetforen vorhergesagt wurde. Nur unsere Regierung, EU und IWF konnten natürlich nicht ahnen daß es sich bei den "Partnern" aus Zypern um Gangster handelt. Nun sind ALLE überrascht :)

Merkel sollte vor der nächsten "Rettung" vielleicht einmal mit dem BND sprechen.

navigator

04.04.2013, 09:29 Uhr

Warum wurde in einer Demokratie ,die sind wir doch angeblich,das Volk vorher nicht zum Beitrtt dieser Staaten wie (Griechenland ,Zypern und andere) zur EU,per Volksabstimmung befragt?
Wäre das geschehen, wäre manches was jetzt im Argen liegt,garnicht erst geschehen.

Account gelöscht!

04.04.2013, 09:56 Uhr

Aber wieso wird der Bankensektor dort verteufelt? Zahlreiche Redereien und Unternehmenssitze befinden sich in Zypern. Dazu kamen als Dienstleister massiv Anwälte und eben auch Banken.
Auch das HB berichtete über Transportunternehmen, die ihre Firmensitze dorthin verlagerten. Steuern sparen war doch das Gebot der letzten Jahre. Deshalb sind doch die Reichen so reich, weil sie den Sozialstaat eben nicht unterstützen, in Steuersparländer flüchten.
Es war also allseits bekannt, und hat nicht primär mit dn Banken zu tun.
Wenn Steuerverbrecher ihr Geld in der Schweiz haben, ist das lt. CDU/FDP doch auch o.K.
Warum also der geheuchelte Aufschrei? Warum die Reduzierung auf Banken? geht es vielleicht eher um die Ausschaltung der Konkurrenz in Zypern, schließlich betrifft es auch Firmenkonten! Und speziell Deutsche Unternehmen würden doch sicher gerne dort einfallen!

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