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23.08.2013

12:50 Uhr

Medienbericht

Briten betreiben Späh-Basis in Nahost

Die Snowden-Daten sorgen erneut für Aufsehen. Der britische Geheimdienst GCHQ betreibt offenbar eine Abhörstation im Nahen Osten, schreibt der „Independent“. Auch andere Dienste sollen von den Informationen profitieren.

Der britische Militärstützpunkt GCHQ Bude nördlich von Bude und südlich von Morwenstow in Cornwall. Reuters

Der britische Militärstützpunkt GCHQ Bude nördlich von Bude und südlich von Morwenstow in Cornwall.

LondonDer britische Geheimdienst GCHQ unterhält nach Informationen der Zeitung „Independent“ eine bislang geheime Späh-Basis im Nahen Osten, um Telefongespräche und E-Mails in der Region zu erfassen. Die gewonnenen Informationen würden an befreundete westliche Dienste, darunter den US-Geheimdienst NSA weitergegeben, schreibt das Blatt unter Berufung auf Informationen aus dem Material des US-Informanten Edward Snowden.

Der Posten, der unter anderem Unterwasser-Kabel in der Region anzapfen soll, werde von der britischen Regierung als wichtiges Element im „Krieg gegen den Terror“ und als Frühwarnsystem vor möglichen Anschlägen betrachtet. Der gesamte Datenverkehr werde abgefangen und in riesige Computerspeicher übertragen, um sie dann nach Informationen von besonderem Interesse zu durchsuchen.

Die Informationen stammten aus einem Datensatz von 50 000 Dokumenten des GCHQ, die Snowden im Jahr 2012 heruntergeladen hat. Vieles davon stamme von einer hochgeheimen Datenbasis unter der Bezeichnung „GC-Wiki“, die nach dem Prinzip des Internetlexikons Wikipedia aufgebaut sei.

Ein kleines Lexikon der Spähaffäre

Prism

Das ist der Name des US-Geheimdienstprogramms, das gleich zu Beginn enthüllt wurde und deshalb zum Inbegriff der gesamten Spähaffäre wurde. Die Abkürzung steht für „Planning Tool for Resource Integration, Synchronization and Management“ (etwa Planungswerkzeug für Quellenintegration, -synchronisierung und -management). Es ist bislang nicht ganz klar, wie das Programm funktioniert. Nach den von Snowden der Presse übergebenen Dokumenten erlaubt oder organisiert „Prism“ den Zugriff auf Daten der Nutzer großer Internetfirmen wie Microsoft, Google und Facebook. Experten glauben, dass US-Dienste damit verdachtsunabhängig große Mengen Nutzerdaten abgreifen. Die gespeicherten Daten werden dann mit Filterbegriffen genauer durchsucht.

Tempora

So lautet der Deckname eines Überwachungsprogramms des britischen Geheimdienstes und NSA-Partners GCHQ, das es auf Daten aus Seekabeln abgesehen hat. Durch diese Glasfaserverbindungen fließt der überwiegende Teil der globalen Telefon- und Internetkommunikation. „Tempora“ erlaubt es demnach, den Datenverkehr in Pufferspeichern zu sammeln und Emails, Telefonate und Videochats zu rekonstruieren. Die Daten können einige Tage, einzelne Informationsteile wie Absender und Empfänger sogar wochenlang gespeichert werden. Mit der entsprechenden Software können so nachträglich Nachrichten von Verdächtigen gefunden oder die Stimmen von Gesuchten identifiziert werden.

Muscular

Hierbei geht es den bislang vorliegenden Berichten zufolge um das wahllose Abfangen der Datenströme aus Glasfaserkabeln zwischen den Rechenzentren der Internetkonzerne Google und Yahoo durch die NSA und ihren britischen Partnerdienst GCHQ. Google betreibt weltweit 13 dieser Anlagen, auf denen die Daten von Nutzern und deren Informationsströme verwaltet werden. Die Zentren tauschen ständig gigantische Datenmengen untereinander aus. NSA und GCHQ haben sich angeblich heimlich Zugang zu den Verbindungskabeln verschafft und kopieren Massen unverschlüsselter Daten.

XKeyscore

Der Begriff bezeichnet ein weiteres internes IT-Programm der NSA. Nach bisher vorliegenden Informationen handelt es sich dabei anscheinend um eine Art Analyse-Software, mit der die von der NSA betriebenen Datenbanken durchsucht werden, um Berichte über das Kommunikationsverhalten einer Person zu erstellen. Demnach kann „XKeyscore“ etwa auf Telefonnummern und Emailadressen zugreifen, aber auch Begriffe auflisten, die jemand in die Google-Suche eingegeben hat. Über „XKeyscore“ wurde hierzulande zuletzt viel diskutiert. Der Verfassungsschutz räumte ein, das Programm „testweise“ einzusetzen - wobei der Dienst aber ausdrücklich betont, es lediglich zur Analyse von bereits im eigenen Haus vorliegenden, nach deutschem Recht erhobenen Daten zu testen und damit weder aktiv Informationen zu sammeln noch international Daten etwa mit der NSA auszutauschen.

DE-CIX

Der große Internetknoten in Frankfurt am Main ist den Berichten zufolge ein bevorzugtes Ziel der NSA-Spionage in Deutschland. DE-CIX ist eine Art große Weiche, an der Internetverkehr aus verschiedenen einzelnen Provider- und Datennetzen zusammenfließt und verteilt wird. Gemessen am Datendurchsatz soll DE-CIX laut Betreiber der größte Internetknoten der Welt sein. Unklar ist aber, wie mutmaßliche Spione Zugriff auf den Knoten erhalten haben sollen. Denn DE-CIX besteht aus 18 gesicherten Einrichtungen, die durch Glasfaser verbunden sind. Der Betreiber und deutsche Behörden dementierten, dass die NSA hier Zugriff habe.

G-10-Gesetz

Dieses Gesetz regelt den Zugriff der deutschen Nachrichtendienste auf Telekommunikationsdaten. Vollständig heißt es „Gesetz zur Beschränkung des Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnisses“. Da es in Artikel 10 des Grundgesetzes verfassungsrechtlich fixiert ist, lautet die Kurzform G-10-Gesetz. Es verpflichtet Postanbieter sowie Telekom- und Internetkonzerne, den Verfassungsschutzämtern, dem Bundesnachrichtendienst (BND) und dem Militärischen Abschirmdienst (MAD) der Bundeswehr auf Verlangen Sendungen zu übergeben und ihnen die Aufzeichnung und Überwachung der Telekommunikation technisch zu ermöglichen. Laut Gesetz dürfen die Dienste derartige Maßnahmen etwa zur Abwehr einer „drohenden Gefahr“ für die demokratische Grundordnung beantragen. Genehmigt werden diese von einer speziellen Kommission aus zehn Bundestagsabgeordneten, der sogenannten G-10-Kommission.

Die Enthüllung des „Independent“ kommt einen Tag, nachdem die Londoner Polizei ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren gegen einen Kurier des „Guardian“ gestartet hatte. Bei der höchst umstrittenen Festsetzung von David Miranda, dem Ehepartner des „Guardian“-Enthüllers Glenn Greenwald, seien große Mengen „hochsensiblen Materials“ sichergestellt worden, deren Veröffentlichung eine Gefahr für die Nationale Sicherheit Großbritanniens und für Menschenleben bedeuten könnte, argumentiert die Polizei. Miranda klagt gegen die Beschlagnahmung seiner Ausrüstung, darunter Laptop, Mobiltelefon und Speichermedien.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

23.08.2013, 13:15 Uhr

Viel beunruhigender für die arabischen Freunde (und Feinde) unserer lieben Anglo-Amerikanischen (Big)Brüder dürfte sein, daß es vor ein paar Jahren mysteriöse Vorfälle mit Fischerbooten gab. Da haben diese Dussel haben doch tatsächlich irgendwie mit ihren Netzen die Datenkabel zwischen Europa und Ägypten gerissen (glücklicherweise aber das Kabel nach Israel gerade noch verfehlt). Ganz ähnliche Dussel von Kapitänen gab es dann übrigens fast zeitgleich auch bei den Seeleitungen nach Iran und anderswo in die arabische Welt.

Ein Schelm (dh. Verschwörungstheoretiker) jetzt, wer da denkt, daß dort bei der Reparatur ein Baustein eingesetzt wurde, der das Datenkabel splittet - eine Spezilität israelischer Firmen übrigens, die selbst die NSA beliefern.

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