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14.10.2012

16:47 Uhr

Medienbericht

Bund will mehr Soldaten aus Afghanistan holen

Die Bundesregierung plant für 2013 einen stärkeren Truppenabbau in Afghanistan, so heißt es in einem Magazinbericht. Weniger als 4000 Soldaten sollen demnach zum Ende des Jahres 2014 noch vor Ort sein.

Ein Bundeswehrsoldat in Afghanistan. dapd

Ein Bundeswehrsoldat in Afghanistan.

Berlin/HamburgTrotz der schlechten Sicherheitslage in Afghanistan will die Bundesregierung die Zahl der deutschen Soldaten dort einem Magazinbericht zufolge im kommenden Jahr stark reduzieren. Das Bundeswehr-Kontingent solle auf deutlich unter 4000 Soldaten verkleinert werden, berichtete der "Spiegel" am Sonntag. Zudem solle das neue Mandat länger als die übliche Zeit von einem Jahr laufen, um über die heikle Phase der afghanischen Wahlen Anfang 2014 hinauszureichen. Darauf hätten sich Außenminister Guido Westerwelle (FDP) und Verteidigungsminister Thomas de Maiziere (CDU) verständigt.

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums erklärte dazu, weder Zahlen noch zeitlicher Umfang des neuen Mandats stünden fest. Inwiefern Truppen abgebaut würden, müsse mit den Verbündeten abgestimmt werden und sei noch nicht entschieden. Veränderungen am Umfang des deutschen Mandats müssten zudem immer mit den Verbündeten im Rahmen des ISAF-Einsatzes abgestimmt sein.

Die USA als mit Abstand wichtigster Truppensteller in Afghanistan stehen kurz vor der Präsidentenwahl, die auch über die künftige Afghanistan-Politik des Landes entscheiden wird. Zuletzt hatte der internationale Afghanistan-Einsatz durch eine Welle von Attacken aus den Reihen der afghanischen Sicherheitskräfte einen schweren Rückschlag erlitten. Die Ausbildung der einheimischen Sicherheitskräfte, die den Kern der Abzugsstrategie bildet, musste zeitweise eingeschränkt beziehungsweise sogar eingestellt werden.

Das deutsche Afghanistan-Mandat läuft noch bis Januar. Momentan sind in Afghanistan und dem logistischen Drehkreuz Usbekistan rund 4500 Bundeswehr-Soldaten im Einsatz. Ihre Zahl soll bis zum Ablauf des Mandats auf 4400 sinken. Vergangene Woche übergab die Bundeswehr in Feisabad ihr erstes größeres Lager an die afghanischen Sicherheitskräfte.

Chronologie: Tödliche Zwischenfälle in Afghanistan

Unbeliebte Besatzer

Bereits vor dem Massaker eines US-Soldaten an 16 afghanischen Zivilisten hat es in dem Land am Hindukusch mehrere Übergriffe von Angehörigen der amerikanischen Truppen gegeben. Auch Aktionen wie Koranverbrennungen lösten gewalttätige Proteste aus.

20. Februar 2012

Soldaten in der US-Basis Bagram bringen Ausgaben des Korans versehentlich zur Entsorgung zu einer Verbrennungsanlage. Muslimen gilt jede Schändung des Korans als Todsünde. Trotz einer Entschuldigung von Präsident Barack Obama führt die Koranverbrennung zu schweren Ausschreitungen mit zahlreichen Toten.

11. Januar 2012

Im Internet taucht ein Video auf, das angeblich US-Soldaten zeigt, die auf getötete Taliban urinieren. Der Vorfall sorgt international für Empörung und belastet die amerikanisch- afghanischen Beziehungen. US-Verteidigungsminister Leon Panetta verurteilt die Leichenschändung und ordnet eine Untersuchung an.

23. März 2011

Ein US-Soldat wird von einem amerikanischen Militärrichter zu 24 Jahren Haft verurteilt. Der Stabsgefreite hatte zugegeben, zusammen mit mehreren Kameraden gezielt drei unbewaffnete Zivilisten in Afghanistan umgebracht zu haben. Dem fünfköpfigen „Killkommando“ wird nicht nur angelastet, aus purer Mordlust getötet zu haben: Sie sollen auch Körperteile ihrer Opfer wie Finger als Trophäen mitgenommen haben.

20. März 2011

In der Gemeinde des umstrittenen Pastors Terry Jones in Gainesville (US-Staat Florida) findet eine Koranverbrennung statt. Wenige Tage später stürmen aufgebrachte Menschen im afghanischen Masar-i-Scharif ein Büro der Vereinten Nationen und töten sieben Ausländer. Bei Ausschreitungen kommen in den folgenden Tagen in Afghanistan mindestens 23 Menschen ums Leben.

4. Mai 2009

Bei einem US-Luftangriff in der südwestafghanischen Provinz Farah kommen auch zahlreiche Zivilisten ums Leben. Das US-Militär hatte den Taliban vorgeworfen, diese als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. Nach einer Untersuchung der afghanischen Regierung wurden 140 Zivilisten getötet.

Die Nato will ihre Kampftruppen bis Ende 2014 vom Hindukusch abziehen. Ein Folgeeinsatz unter dem Namen ITAAM (International Training Assistance and Advisory Mission) soll der Ausbildung und Beratung der einheimischen Sicherheitskräfte dienen. Auch diese Soldaten müssen jedoch geschützt werden, so dass voraussichtlich auch ausländische Kampftruppen in Afghanistan bleiben werden. Wie viele Soldaten Deutschland ab 2015 für die Folgemission ITAAM stellen wird, ist noch unklar. Für die Gesamtstärke der neuen Afghanistan-Truppe wird mit 10.000 bis 40.000 Soldaten spekuliert.

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