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21.04.2012

10:14 Uhr

Medienbericht

Bundeswehr schickt hunderte Soldaten ins Kosovo

Die Nato-geführte Schutztruppe Kfor sieht den anstehenden Wahlen in Serbien mit Skepsis entgegen. Sie fürchtet Gewaltausbrüche im Nachbarstaat Kosovo und soll hunderte Bundeswehrsoldaten angefordert haben.

Eine deutsche Patrouille passiert eine Straßensperre in Rudare bei Mitrovica. dpa

Eine deutsche Patrouille passiert eine Straßensperre in Rudare bei Mitrovica.

HamburgDie Bundeswehr entsendet angesichts der angespannten Situation vor den Wahlen in Serbien kurzfristig eine rund 550 Mann starke Eingreiftruppe auf den Balkan. Die sogenannte Operational Reserve Force (ORF) wurde von der NATO-Truppe Kfor im Kosovo angefordert, wie das Einsatzführungskommando am Samstag in Potsdam bestätigte. Als Einsatzbeginn wurde der 1. Mai genannt.

Bereits am Freitagabend wurden ausgewählte Parlamentarier über das Vorhaben unterrichtet, wie die Nachrichtenseite „Spiegel Online“ schreibt. Das Kontingent soll voraussichtlich aus dem ABC-Abwehrregiment 750 aus Bruchsal und dem Artilleriebataillon 295 aus Immendingen zusammengestellt werden. Verstärkt durch 150 Österreicher solle die Operational Reserve Force (ORF) eine befürchtete Gewalteskalation im Nordkosovo rund um die Wahlen in Serbien Anfang Mai verhindern.

Die Lage vor den serbischen Parlaments- und Präsidentenwahlen am 6. Mai gilt als kritisch - auch weil Belgrad die serbische Minderheit im Kosovo an den Wahlen beteiligen will. Die Regierung in Pristina wirft Serbien vor, innerhalb der Grenzen des Kosovos Parallelstrukturen zu unterhalten. Dem Bericht zufolge war die Einheit erst vor einigen Wochen schrittweise aus dem Kosovo abgezogen worden. Nun solle sie laut Planung ab dem 1. Mai wieder vor Ort einsatzbereit sein.

Die Nato-geführte multinationale Schutztruppe Kosovo Force (KFOR) ist seit Juni 1999 im Einsatz. Zuvor hatte der UN-Sicherheitsrat die internationale Militärpräsenz mit der Resolution 1244 beschlossen, um nach dem Kosovo-Krieg in der von ethnischen Konflikten zwischen Albanern und Serben heimgesuchten Region Frieden und Stabilität zu sichern.

Es gehörte zu den ursprünglichen Aufgaben der Kfor, das Friedensabkommen der G8-Staaten für das Kosovo von 1999 militärisch abzusichern. Nach der Unabhängigkeitserklärung der früheren serbischen Provinz im Februar 2008 beschloss die NATO, die internationale Truppe im Land zu belassen.

Das Bündnis einigte sich aber auf neue Aufgaben. Kfor soll nun primär die Entwicklung von professionellen, demokratischen und multi-ethnischen Sicherheitsstrukturen überwachen und dabei eng mit lokalen Behörden und internationalen Organisationen zusammenarbeiten.

Die Schutztruppe besteht aus militärischen Einheiten von 29 Staaten, von denen einige keine Nato-Mitglieder sind. Das Kontingent umfasst rund 6200 Soldaten (Stand: 30. März 2012). Darunter sind nach aktuellen Angaben der Bundeswehr 892 deutsche Soldaten.

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