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28.01.2012

10:06 Uhr

Medienbericht

Griechenland-Rettung soll teurer werden

Das zweite Rettungspaket für Griechenland fällt offenbar zu gering aus. Die wirtschaftliche Lage hat sich soweit verschlechtert, dass nach Einschätzung der Troika die geplanten 130 Milliarden Euro nicht ausreichen.

Eine griechische Flagge weht auf der Akropolis in Athen. dpa

Eine griechische Flagge weht auf der Akropolis in Athen.

Das zweite Rettungspaket für Griechenland muss einem Magazinbericht zufolge nach Einschätzung der Troika aus EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) 145 Milliarden Euro statt wie bislang geplant 130 Milliarden Euro enthalten. Grund für den höheren Finanzbedarf sei die Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in Griechenland, berichtete der „Spiegel“ am Samstag vorab. Ein Vertreter der Troika sagte dem Magazin: „Wir gehen nicht davon aus, dass man das fehlende Geld allein bei den privaten Gläubigern einsammeln kann.“

Zuvor verbreitete der griechische Finanzminister Optimismus. Griechenlands Verhandlungen mit den Bankenvertretern könnten an diesem Wochenende erfolgreich abgeschlossen werden. „Wir sind einen Schritt vor dem Ende“, sagte Evangelos Venizelos im Fernsehen am Freitagabend. Anschließend gab es den dritten Tag in Folge mehrstündige Gespräche des griechischen Ministerpräsidenten Lucas Papademos und seines Finanzministers Evangelos Venizelos mit dem Geschäftsführer des Internationalen Bankenverbandes IIF, Charles Dallara, und anderen Bankexperten.

„Wir haben heute große Fortschritte in technischen, juristischen und anderen Themen erzielt“, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums der Nachrichtenagentur dpa. Die Verhandlungen sollen diesen Samstagabend fortgesetzt werden. Die Verhandlungen seien trotz der „freundschaftlichen Atmosphäre“ zäh verlaufen, hieß es aus Bankenkreisen am Samstagmorgen. Nach Informationen aus griechischen Bankquellen sei nun ein Zinssatz von 3,8 Prozent im Gespräch. Noch vor wenigen Tagen habe Dallara 4,0 Prozent im Durchschnitt vorgeschlagen. Die Zinsen sollten aber steigen, wenn die griechische Wirtschaft wieder wachse.

Der Zinssatz für die neuen Papiere ist ein zentraler Streitpunkt. Zudem wollen die Banken, dass für die neuen Anleihen britisches Recht gilt, damit Griechenland eine Umschuldung künftig nicht mehr rechtlich erzwingen kann. Der angestrebte Forderungsverzicht der privaten Gläubiger soll Griechenlands Schulden um rund 100 Milliarden Euro drücken. Aber selbst wenn eine Absichtserklärung über einen Schuldenschnitt zustande kommt, bedeutet das noch keinen endgültigen Erfolg für die dringend benötigte Umschuldung. Denn unklar ist nach wie vor, wie viele Investoren tatsächlich mitziehen würden - und um wie viel die Schulden tatsächlich reduziert würden. Als einer der größten Gläubiger will die EZB bislang nicht bei dem Schnitt mitmachen.

Griechenland soll die Kontrolle über seinen Haushalt abgeben

Einem Zeitungsbericht zufolge will Deutschland derweil durchsetzen, dass die EU die Kontrolle über die griechische Finanzpolitik übernimmt. Wie die "Financial Times" am Freitag berichtete, sollen die Finanzminister der Euro-Länder vor Zahlungen aus dem geplanten zweiten Hilfspaket einen Beauftragten ernennen, der ein Veto gegen finanzielle Entscheidungen der Regierung in Athen einlegen kann.

"Die Haushaltskonsolidierung muss unter ein strenges Steuerungs- und Kontrollsystem gestellt werden", heißt es dem Bericht zufolge in dem Vorschlag. Weil Griechenland seine Zusagen bislang nicht zufriedenstellend eingehalten habe, müsse es akzeptieren, "für einen gewissen Zeitraum" die Souveränität über seinen Haushalt abzugeben, zitierte die Zeitung aus dem deutschen Antrag, der demnach am Freitag Vertretern anderer Euro-Länder übergeben wurde.

Kommentare (74)

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Account gelöscht!

28.01.2012, 10:20 Uhr

Es wird immer nur über die Kosten gesprochen. Wie sehen aber die Konzepte zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation aus?

Im Moment sieht mir das wie ein sehr teures "Weiter so" aus.

Gugu

28.01.2012, 10:31 Uhr

NEIN ! Einfach nur noch NEIN. Kein Cent mehr für Pleitestaaten oder die EU. Deutschland wird von einem Syndikat politischer Gauner in Europa und ihren willigen Helfern in den Blockparteien ausgeplündert.
Es reicht. Raus aus dem Euro und der EU.

Account gelöscht!

28.01.2012, 10:33 Uhr

Was soll das alles? Es wird alles nichts nützen. Will man den Euro retten, dann müssen die PIIGS abgewickelt werden. Daran führt kein Weg mehr vorbei.

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