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09.02.2014

13:36 Uhr

Medienberichte

Atomkraftbefürworter gewinnt Wahl in Tokio

In Japans Hauptstadt Tokio hat offenbar Yoichi Masuzoe bei den Gouverneurswahlen die Nase vorn. Bisher ist er nicht nur durch seine Pro-Atom-Einstellung, sondern auch mit frauenfeindlichen Äußerungen aufgefallen.

Sieg eines Atomkraftbefürworters: Yoichi Masuzoe gewann am Sonntag Gouverneurswahlen in Tokio. ap

Sieg eines Atomkraftbefürworters: Yoichi Masuzoe gewann am Sonntag Gouverneurswahlen in Tokio.

Tokio/DüsseldorfEin Atomkraftbefürworter hat nach Medienberichten die Wahl zum Gouverneur der japanischen Hauptstadt Tokio gewonnen. Ersten Prognosen zufolge lag der frühere Gesundheitsminister Yoichi Masuzoe am Sonntag vor seinen Herausforderern, wie der Fernsehsender NHK und andere japanische Medien berichteten. Die Wahlbeteiligung war mit rund 34 Prozent sehr niedrig.

Der Urnengang galt als Stimmungstest für die Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe und die künftige Atompolitik in Japan. Der bisherige Gouverneur Naoki Inose war im Dezember wegen eines Spendenskandals zurückgetreten.

Für Aufsehen hatte Masuzoe in den vergangenen Tagen mit einer frauenfeindlichen Äußerung gesorgt, die er laut Medienberichten im Jahr 1989 gegenüber einem Männermagazin gemacht hatte. Er sagte demnach, dass es nicht angemessen sei, Frauen in die höchsten Regierungsämter zu bringen, weil ihre Menstruationsphasen sie irrational machen würden. „Frauen sind nicht normal, wenn sie ihre Periode haben“, sagte er wörtlich. „Man sollte sie nicht ernsthafte Entscheidungen für das Land treffen lassen [während sie ihre Periode haben], etwa ob es in den Krieg ziehen soll, oder nicht.“ Mehrere Frauenrechtsorganisationen hatten diese Äußerung zum Anlass genommen, gegen Masuzoe zu protestieren.

Die japanische Katastrophe in Zahlen

Das Erdbeben

Das Erdbeben mit der Stärke 9,0 ist das bisher schwerste in der Geschichte Japans. Es löste auch einen Tsunami aus. Mehr als 260 Küstenstädte wurden zum großen Teil zerstört.

Die Naturkatastrophe

Die Naturkatastrophe forderte rund 15 800 Tote und mehr als 3700 Vermisste.

Die zivilen Schäden

Die zivilen Schäden der Dreifach-Katastrophe belaufen sich insgesamt auf etwa 160 Milliarden Euro.

Länger unbewohnbar

Die Katastrophenregion um Fukushima ist auf Jahrzehnte oder noch länger unbewohnbar. Mehr als 100 000 Menschen mussten ihre Heimat verlassen, Tausende leben noch immer in Notunterkünften.

Radioaktiv verseuchtes Wasser

Über 10 000 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser flossen in den Ozean. Es geriet 168-mal so viel Cäsium 137 in die Umwelt wie bei der Explosion der Hiroshima-Bombe.

Das Kraftwerk

Nach Angaben des Fukushima-Betreibers Tepco wird es noch bis zu 40 Jahren dauern, bis das Kraftwerk vollständig gesichert ist. Rund 20.000 Arbeiter halfen bislang, die Reaktoren unter Kontrolle zu bringen.

Abes Regierung ist grundsätzlich für die weitere Nutzung der Atomenergie und den Bau neuer Reaktoren, sieht sich aber mit starken Vorbehalten in der Bevölkerung konfrontiert. Das Atomkraftwerk Fukushima war 2011 von einem Erdbeben und einem Tsunami schwer beschädigt worden, die Umgebung wurde weiträumig radioaktiv verstrahlt.

Insgesamt traten 16 Bewerber zur Wahl des Gouverneurs an, unter ihnen auch der frühere Regierungschef Morihiro Hosokawa. Hosokawa hatte für den Ausstieg aus der Atomenergie geworben.

Die geringe Wahlbeteiligung könnte mit den ungewöhnlichen Schneefällen in Japan zu tun haben. Allein in Tokio fielen nach Auskunft der nationalen Wetterbehörde bis zum Morgen 27 Zentimeter Schnee, so viel wie seit 45 Jahren nicht mehr.

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