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03.09.2011

09:50 Uhr

Medienberichte

Westen kooperierte mit Gaddafis Schergen

Westliche Staaten haben laut Medienberichten enge Beziehungen zu Libyens Geheimdienst unterhalten. Aus London erhielt Gaddafi Informationen über Oppositionelle, während die USA in Libyen Hilfe bei Verhören suchten.

Der frühere libysche Außenminster Mussa Kussa setzte sich nach Großbritannien ab. AFP

Der frühere libysche Außenminster Mussa Kussa setzte sich nach Großbritannien ab.

LondonIn Libyen gefundene Dokumente enthüllen nach Informationen der „New York Times“ eine enge Kooperation zwischen dem US-Geheimdienst CIA und dem Gaddafi-Regime. So habe die CIA unter anderem acht Mal Terrorverdächtige in das für seine Folterpraxis bekannte Land zur Befragung geschickt, berichtete die Zeitung am Samstag. Auch der britische Geheimdienst MI-6 habe kooperiert und sogar für das libysche Regime Telefonnummern überprüft.

Die Zusammenarbeit sei nach 2004, als das Gaddafi-Regime sein Programm für Massenvernichtungswaffen aufgab, weitaus intensiver gewesen als bisher bekannt. Es gebe auch Dokumente, aus denen hervorgehe, dass die Amerikaner Gaddafi einen Text für eine Rede formulierten, in dem es um den Verzicht Libyens auf Massenvernichtungswaffen ging und die ihn in einem positiven Licht erscheinen ließ. Mit dem Verzicht auf diese Waffen hatte Gaddafi die Annäherung an den Westen geebnet.

Weder die CIA noch das britische Außenministerium wollten sich den Angaben der Zeitung zu den Dokumenten äußern. CIA-Sprecherin Jennifer Youngblood sagte laut „New York Times“ lediglich: „Es kann nicht überraschen, dass die Central Intelligence Agency mit ausländischen Regierungen zusammenarbeitet, um dabei zu helfen, unser Land vor Terrorismus und anderen tödlichen Bedrohungen zu schützen.“

Das „Wall Street Journal“ schrieb über eine enge Verbindung des US-Geheimdienstes CIA und seines libyschen Pendants während der Präsidentschaft von George W. Bush. Die USA hätten Terrorverdächtige für Verhöre nach Libyen gebracht und auch Fragen vorgeschlagen, die gestellt werden sollten. Laut „New York Times“ soll es in einem Dokument eine Liste mit 89 Fragen gegeben haben.

Wie die britische Zeitung „The Independent“ (Samstagausgabe) berichtete, bewiesen von dem Blatt entdeckte Geheimakten erstaunlich enge Verbindungen zwischen den Regierungen in London und Washington mit Gaddafi. Unter anderem seien Informationen über in Großbritannien im Exil lebende Regimegegner vom britischen Geheimdienst MI-6 nach Libyen weitergegeben worden. Die Dokumente seien in den privaten Büros des früheren Geheimdienstchefs Mussa Kussa gefunden worden.

Kussa war zuletzt als Außenminister tätig und hatte sich im März nach London abgesetzt. Der „Independent“ schrieb weiter, das Material werfe Fragen zum Verhältnis zwischen Kussa und der britischen Regierung auf. Zwischen Kussa, dem Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden, und seinen britischen Kollegen habe es enge Beziehungen gegeben. Es seien sogar regelmäßig Geschenke ausgetauscht worden.

Von

afp

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

03.09.2011, 13:22 Uhr

das verwundert doch nun aber nicht wirkklich irgend jemanden, oder?
Das haben die USA doch immer so gemacht.
Auf dem afrikan. Kontinent war es doch auch nie anders. Da wurden Diktatoren installiert, die den USA genehm waren, funktionierten sie nicht mehr so, wurden sie auch schon mal von der CIA umgebracht.
Also absolut nichts Neues.
In Afghanistan ist es doch ebenso. Diser Karsai wurde von den USA installiert. Ein korrupter Drecksack, wie wir alle wissen.
Und dann werden Soldaten verheizt um dort angeblich Freiheit fürs Volk zu bringen.
Was für eine elende Heuchelei.
Ich bin nicht anti-USA, aber seit Ende des 2. WK sind die USA völlig aus dem Ruder gelaufen und meinen, die ganze Welt mit Kriegen und sonstigem überziehen zu müssen. Überall haben sie ihre Stützpunkte, so kann es nicht gehen.
Hier hätte ich mir schon lange gewünscht, dass mal ein deutscher Kanzler ein Gespräch mit den Amis führt. Unter Freunden muß man auch mal kritisieren können.
Aber eilfertig machen die dummen Deutschen entweder mit, oder sie schauen weg.
Wer weg schaut macht sich auch schuldig

malz

03.09.2011, 14:04 Uhr

Die Newsweek hat schon vor mehreren Monaten darüber berichtet, speziell über die innigen Verhältnisse zwischen Mussa Kussa und den 'demokratischen', westlichen Regierungen!

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