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12.02.2016

12:15 Uhr

Medwedjew zu Deutschland

Russland lockt die deutsche Wirtschaft

VonSven Afhüppe, Mathias Brüggmann

Der russische Premier Medwedjew fordert, die EU-Sanktionen zu beenden, nennt die Ukraine ein Problemland und spricht sich für die neue Ostsee-Pipeline aus. Für die deutsche Wirtschaft hat er eine klare Botschaft.

Premierminister Dmitri Medwedjew will die wirtschaftlichen Beziehungen mit der EU wieder aufnehmen und fordert ein Ende der EU-Sanktionen. ap

Dmitri Medwedjew

Premierminister Dmitri Medwedjew will die wirtschaftlichen Beziehungen mit der EU wieder aufnehmen und fordert ein Ende der EU-Sanktionen.

MoskauRusslands Premierminister Dmitri Medwedjew will die Beziehungen zur deutschen Wirtschaft wieder deutlich intensivieren. Dazu trifft sich der Regierungschef am Samstag zu einem Business-Frühstück mit führenden Vertretern deutscher Unternehmen am Rande der Münchener Sicherheitskonferenz. „Ich werde auch eine Gruppe russischer Geschäftsleute mitbringen, wir werden über die Wiederherstellung der Wirtschafts-Kooperation sprechen“, sagte Medwedjew dem Handelsblatt in Moskau. Die deutsche Seite sei ebenfalls sehr interessiert an einer Neuauflage der Zusammenarbeit.

Medwedjew trifft in München Vertreter des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft. Und seine Erfahrung mit deutschen Unternehmen sei, das sagten „unsere Partner, sogar viele Freunde, die öffentlich aus verständlichen Gründen keine Stellung beziehen können: Möge das alles schnell enden. Das alles schadet. Wir verstehen nicht, wozu Sanktionen und bilaterale Spannungen weiter anhielten“. Der Regierungschef hält die deutsch-russischen Beziehungen momentan für „krank“. Aber sie könnten behandelt werden. „Die Behandlung ist in der Tat sehr einfach: die Wiederherstellung des Dialogs und des Vertrauens. Das Business vertraut einander.“ Gut sei, dass „die Zahl der Gemeinschaftsunternehmen fast nicht gesunken“ sei.

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„Leider ist der Handelsumsatz zwischen Russland und Deutschland um 40 Prozent zurückgegangen, mit der Europäischen Union sogar fast um 50 Prozent“, sagte Medwedjew. Aber das Interesse an weiterem Handel und Gemeinschaftsprojekten sei auf beiden Seiten vorhanden. Die deutsche Seite bei dem Treffen wird angeführt vom neuen Vorsitzenden des Ost-Ausschusses, Linde-Vorstandschef Wolfgang Büchele.

Russland besteht aber weiter ganz klar darauf, dass die Sanktionen seitens der EU beendet werden müssten. Ein Entgegenkommen Moskaus, etwa durch einseitige Abschaffung der als Antwort auf die Sanktionen verhängten Lebensmittelimporte aus Europa, schloss Medwedjew aus: „Wir warten auf den ersten Schritt von unseren Kollegen von der Europäischen Union“, sagte Russlands Premier.

Russlands Wirtschaft

Einwohner

143,3 Millionen (Stand: 2013).

Gasproduktion

2012: 654,5 Milliarden Kubikmeter.

Erdölproduktion

2012: 517,9 Millionen Tonnen.

Bruttoinlandsprodukt

2014: ~ 2215,4 Milliarden US-Dollar

Inflationsrate

2012: 5,1 Prozent

2013: 6,7 Prozent*

2014: 5,7 Prozent*

*) Schätzung bzw. Prognose

Arbeitslosenquote

2010: 7,5 Prozent.

2011: 6,6 Prozent.

2012: 5,6 Prozent.

Haushaltssaldo

2010: -4,0 Prozent des BIP

2011: 0,8 Prozent des BIP

2012: -0,1 Prozent des BIP

Leistungsbilanzsaldo

2010: 4,4 Prozent des BIP, brutto.

2011: 5,1 Prozent des BIP, brutto.

2012: 3,7 Prozent des BIP, brutto.

2013: 2,9 Prozent des BIP, brutto.*

2014: 2,3 Prozent des BIP, brutto.*

*) Schätzung bzw. Prognose

Währungsreserven

2010: 432,95 Milliarden US-Dollar.

2011: 441,16 Milliarden US-Dollar.

2012: 473,11 Milliarden US-Dollar.

Große Chancen sieht Medwedjew auch in der Ausweitung der Energiekooperation zwischen Russland und Europa. Er legte dabei ein klares Bekenntnis ab zum Bau einer zweiten Ostseepipeline, wie sie die russische Gazprom mit deutschen und europäischen Partnern neben die bestehende Nord Stream Pipeline legen will. Dabei verteidigt Medwedjew die Haltung der Bundesregierung im innereuropäischen Streit um dieses Energieprojekt: „Die deutsche Regierung sagt völlig berechtigt, dass es ein kommerzielles Projekt ist. Wir verhalten uns dazu auch so. Hätte das Projekt uns kein Geld gebracht, hätten wir es nie vorangetrieben.“

Kommentare (57)

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12.02.2016, 13:00 Uhr

Die Russlandsanktionen sind Sanktionen die dem TTIP zu gute kommen. Wenn Deutschland und Europa endlich unabhängig von den USA werden wollen und damit endlich wieder ihre Selbstbestimmung erreichen wollen, dann geht dies nur mit und über Russland. Das TTIP befürwortet die Russlandsanktionen. Schafft die Russlandsanktionen ab und ihr erteilt damit dem europäischfeindlichen TTIP eine Absage bzw. habt eine Alternative an der Hand und seit nicht mehr von den USA abhängig. Danke!

Herr C. Falk

12.02.2016, 13:12 Uhr

Kleine Beispiel zur Sanktionspolitik Landwirtschaft / Schweinezucht.

Der Eport von Schweinhälften aus deutscher Produktion ist so gut wie zusammengebrochen, imzwischen hat Russland seine eigene Schweinezucht intensiviert, ausgebaut und moderisiert und ist auch in Zukunft auf keine Schweine aus Deutschland mehr angewiesen.

Wer hat den Schaden? Ausschließlich deutsche Landwirte, deutsche Schweine drücken auf den einheimischen Markt und verderben die Preise.

Herr Alex Lehmann

12.02.2016, 13:17 Uhr

Dieser Mann spricht sinnvolle Wörter und man sollte auf Ihn eingehen! Russland hat neben Rohstoffen auch noch eine Menge zu bieten, erinnere nur an die tolle Natur und die riesigen nutzbaren Flächen! Des Weiteren hätte ich die Bitte uns diesen Mann kurzzeitig als Kanzler mit allen Befugnissen auszuleihen, bin zwar gegen Menschenhandel, aber wir bräuchten dringend einen einigermaßen klardenkenden, vernünfitgen, rationalen und vor allem ehrlichen Politiker und das ist in Deutschland nicht mal Mangelware sondern seit Jahrzehnten ausverkauft!

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