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10.01.2008

20:36 Uhr

Mehr als 20 Tote

Selbstmordanschlag auf Polizei in Pakistan

Zwei Wochen nach der Ermordung von Oppositionsführerin Benazir Bhutto sind in Pakistan bei einem Selbstmordanschlag mindestens 24 Menschen getötet worden. In der pakistanischen Stadt Lahore sprengte sich ein Attentäter am Donnerstag in der Nähe des Obersten Gerichts in die Luft.

HB ISLAMABAD. Unter den Toten waren auch 21 Polizisten, bestätigte ein Sprecher. Weitere 16 Sicherheitskräfte mussten schwer verletzt in Krankenhäuser gebracht werden. Insgesamt wurden mindestens 65 Menschen verletzt. Wegen des kritischen Zustands vieler Verwundeter rechneten die Behörden mit einem weiteren Anstieg der Zahl der Toten.

Vor dem Obersten Gericht war am Donnerstag eine Protestkundgebung von Anwälten geplant. Die Polizisten hatten vor dem Gebäude Wache gestanden. In der Vergangenheit hatten Anwälte mehrfach die Proteste gegen die Regierung angeführt.

„Als er (der Attentäter) auftauchte, hielt ihn ein Polizist auf, und der Mann sprengte sich in die Luft“, sagte Aftab Ahmed Cheema von der Polizei in Lahore. Der Attentäter, der kaum älter als 18 Jahre alt gewesen sein könne, habe zuvor eine Straßensperre vor dem Gerichtsgebäude zu Fuß durchbrochen. In seinem Gürtel hatte er den Angaben zufolge 14 Kilogramm Sprengstoff und vier Kilogramm Metallsplitter.

In Lahore gab es Gerüchte, der Attentäter habe eigentlich die demonstrierenden Anwälte treffen wollte. „All diese Gerüchte kursieren, weil die Menschen der Regierung nicht trauen“, sagte Talot Masood, ein ehemaliger Armeegeneral. „Die Regierung verliert die Kontrolle über die Ereignisse.“ Der Anschlag bedeutet einen weiteren Rückschlag für das krisengeschüttelte Land. Am 27. Dezember war Oppositionsführerin Benazir Bhutto bei einer Wahlkampfveranstaltung in Rawalpindi von einem Attentäter durch Schüsse tödlich verletzt worden. Anschließend sprengte sich der Attentäter selbst in die Luft und riss mindestens 20 weitere Menschen mit in den Tod.

Pakistans Regierung hatte islamistische Extremisten für den Mord verantwortlich gemacht. Bhuttos Anhänger hingegen beschuldigten die Regierung, in den Anschlag verwickelt zu sein. Die Opposition verlangt eine unabhängige Untersuchung unter Leitung der Vereinten Nationen.

Nach Bhuttos Ermordung war die Parlamentswahl trotz heftiger Kritik der Opposition um knapp sechs Wochen auf den 18. Februar verschoben worden. Als Grund nannte die Wahlkommission die massiven Ausschreitungen nach dem Attentat.

In Pakistan sind nach inoffiziellen Angaben im vergangenen Jahr bei mindestens 56 Selbstmordanschlägen mehr als 740 Menschen ums Leben gekommen. Die meisten Anschläge richteten sich gegen das Militär und Sicherheitskräfte in der Nordwestprovinz inklusive der Gebiete, wo rund 100 000 Soldaten gegen islamistische Extremisten im Einsatz sind.

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