Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.10.2012

15:51 Uhr

Mehr Kampfjets

Türkei rüstet weiter an syrischer Grenze auf

Die Spannungen zwischen Damaskus und Ankara lassen nicht nach. Die Türkei hat an der Grenze militärisch weiter aufgerüstet. Offenbar spielte sich am Nachmittag ein neuerlicher feindseliger Zwischenfall ab.

Die Türkei stellt sich auf die Seite der syrischen Aufständischen und gewährt zahlreichen Flüchtlingen Asyl. dpa

Die Türkei stellt sich auf die Seite der syrischen Aufständischen und gewährt zahlreichen Flüchtlingen Asyl.

Istanbul/DamaskusDie syrischen Regimegegner versuchen mit aller Macht, die Regierungstruppen aus den Gebieten an der Grenze zur Türkei zu vertreiben. Die Türkei rüstet derweil im Grenzgebiet zu Syrien weiter militärisch auf.

Wie die türkische Tageszeitung Hürriyet am Freitag unter Berufung auf Regierungskreise berichtete, verlegte die Luftwaffe 15 Kampfjets aus anderen Landesteilen ins südostanatolische Diyarbakir. Die Zahl der Panzer wurde um noch einmal 60 auf jetzt 250 erhöht.

Im türkischen Grenzgebiet schlagen immer wieder Granaten aus Syrien ein, die Türkei feuert jeweils mit Artillerie zurück. In der vergangenen Woche hatte das Parlament der Regierung in Ankara Militäreinsätze im Nachbarland erlaubt. Die Spannungen zwischen den Nachbarländern haben zugenommen, seitdem die Türkei am Mittwoch ein syrisches Passagierflugzeug zur Landung zwang.

Chronologie – der Konflikt zwischen Türkei und Syrien

6. Juni 2011

Der Flüchtlingsstrom aus Syrien in die Türkei setzt ein. Ankaras Regierungschef Recep Tayyip Erdogan verspricht den Flüchtlingen eine offene Grenze. Zehn Tage später sind bereits fast 10 000 Syrer in türkischen Lagern.

12. November

Anhänger von Machthaber Baschar al-Assad attackieren die türkische Botschaft in Damaskus.

16. März 2012

Die Türkei ruft ihre Bürger auf, Syrien wegen der Gewalt zu verlassen. Am 26. März schließt Ankara die Botschaft in Damaskus.

9. April

Syrische Truppen feuern über die Grenze hinweg auf das Flüchtlingslager Kilis. Zwei Syrer und zwei Türken werden verletzt. Ankara verstärkt die Truppen an der Grenze und warnt vor weiteren Angriffen. In türkischen Lagern leben rund 25 000 Syrer.

30. Mai

Als Reaktion auf das Massaker an Zivilisten im syrischen Al-Hula weist die Türkei alle syrischen Diplomaten aus Ankara aus.

22. Juni

Syrien schießt vor der Küste einen türkischen Militärjet ab. Beide Piloten sterben. Das Flugzeug war nach syrischen Angaben in den Luftraum des Landes eingedrungen.

26. Juni

Der türkische Ministerpräsident Erdogan sagt in einer vom Fernsehen übertragene Ansprache: „Bis sich das syrische Volk von diesem Diktator (Baschar al-Assad) mit blutbefleckten Händen befreit hat, wird die Türkei ihm (dem Volk) jede Art von Unterstützung zuteilwerden lassen.“

28. Juni

Ankara stationiert Raketenabwehrsysteme und Militärfahrzeuge an der Grenze.

6. Juni 201130. Juni

Die türkische Armee lässt Kampfjets gegen syrische Hubschrauber aufsteigen, die sich der Grenze näherten.

20. August

Wegen der schnell steigenden Zahl syrischer Flüchtlinge fordert die Türkei Schutzzonen auf syrischem Boden. Die türkischen Lager könnten nicht mehr als 100 000 Menschen aufnehmen. 70 000 sind bereits in die Türkei geflüchtet, tausende warten tagelang auf der syrischen Seite der Grenze auf die Einreise in die Türkei.

18. September

Bei Kämpfen syrischer Regierungstruppen mit Rebellen werden in dem türkischen Grenzdorf Akcakale mehrere Menschen durch Schüsse aus Syrien verletzt.

3. Oktober

In Akcakale schlagen mindestens drei aus Syrien abgefeuerte Granaten ein. Eine Mutter und ihre vier Kinder sterben. Wenig später greift die türkische Armee erstmals Ziele im Nachbarland an. In den folgenden Tagen schlagen im Grenzgebiet immer wieder Granaten aus Syrien ein, die Türkei feuert zurück.

4. Oktober

Das Parlament in Ankara erlaubt der Regierung für ein Jahr Einsätze auch über die Grenze hinweg. Die Türkei habe aber kein Interesse an einem Krieg mit Syrien, heißt es.

10. Oktober

Die türkische Luftwaffe zwingt ein syrisches Passagierflugzeug zur Landung in Ankara. Die Maschine war auf dem Weg von Moskau nach Damaskus. Es seien Teile von Raketensystemen und Kommunikationsausrüstung an Bord gefunden worden.

Am Nachmittag spielte sich nach türkischen Angaben ein weiterer feindseliger Zwischenfall ab. Ein syrischer Hubschrauber habe sich der Grenze genähert, um die von Rebellen kontrollierte syrische Stadt Asmarin zu bombardieren, sagte ein türkischer Offizieller, der namentlich nicht genannt werden wollte, am Freitag in Ankara. Daraufhin sei ein Kampfflugzeug der türkischen Luftwaffe vom Stützpunkt im südöstlichen Diyarbakir gestartet und habe den Hubschrauber abgedrängt.

Die Regierung in Ankara hat nach Informationen der türkischen Zeitung Takvim jetzt einen Nato-Waffenexperten hinzugezogen, um die Fracht des abgefangenen Passagierflugzeugs zu untersuchen. Wie die Zeitung unter Berufung auf das Außenministerium berichtete, soll geprüft werden, ob unter den beschlagnahmten Materialien Teile sind, die zu Raketensprengköpfen montiert werden können.

Grenzkonflikt

Türkei zwingt syrisches Flugzeug zur Landung

Grenzkonflikt: Türkei zwingt syrisches Flugzeug zur Landung

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Die regierungsnahe Zeitung Yeni Safak berichtete von zwölf Raketenteilen, die an Bord gefunden worden seien. In Russland seien die militärischen Güter auf dem Luftwaffenstützpunkt Tula, 200 Kilometer von Moskau entfernt, geladen worden. Erst danach habe die Maschine in Moskau Passagiere an Bord genommen, hieß es.

Eine russische Zeitung meldete, das Passagierflugzeug habe zwölf Kisten mit Teilen eines Frühwarnsystems an Bord gehabt. Die Ladung sei für die Reisenden ungefährlich gewesen, sagte ein nicht namentlich genannter Mitarbeiter der russischen Rüstungsbranche der Zeitung „Kommersant“.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Torsten_Steinberg

12.10.2012, 11:28 Uhr

So geht es doch nicht!
Am 3.10. tötet eine Granate fünf unbeteiligte Zivilisten, Frauen und Kinder. Natürlich kann man so etwas nicht auf sich beruhen lassen! An einem anderen Tag sind noch einmal 3 Granaten wenn auch in Dorfnähe, so doch auf unbewohntem Gebiet eingeschlagen und später wurde noch einmal konkret von einer Granate berichtet, die ohne Schaden anzurichten, sich in die türkische Provinz Hatay verirrt hatte. Wie ist es möglich, dass hier, wo doch Pressefreiheit herrscht, diese Vorfälle medial so aufbereitet werden, als würden "immer wieder Granaten aus Syrien" im türkischen Grenzgebiet einschlagen? Man muss sich doch fragen, ob dem Verirren der Granaten in die Türkei auf syrischer Seite eine militärische Situation einherging, die plausibel erscheinen lässt, dass tatsächlich die reguläre syrische Armee die Granaten abgefeuert hat, selbst auf die Gefahr hin, dass die Türkei durch einen Irrläufer provoziert werden könnte. Vielleicht ist dem ja so, aber dann darf und muss man doch gerade hier in Deutschland eine sehr viel aufmerksamere und genauere Berichterstattung verlangen. Alles andere erinnert allzu sehr an ein: "Seit 4.45 Uhr wird zurückgeschossen."

RumpelstilzchenA

12.10.2012, 13:05 Uhr

Hier handelt es sich um die "Operation Zyklon II" (Operation Zyklon I war die Aufrüstung der afghanischen Terroristen durch die Amerikaner - z.Zt. von Jimmy Carter), die Aufrüstung der syrischen Terroristen. Die Türkei soll den Weg für die Amerikaner ebnen.
Westerwelle, es dürfen keine Waffen an Syrien geliefer werden, aber an die Terroristen schon. Auch ein amerikanischer Wegbereiter.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×