Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.01.2012

15:23 Uhr

Mehr Zoff droht

Die gefährliche Rating-Kluft der Euro-Zone

Nach dem Rating-Rundumschlag von S&P gilt Deutschland als das größte und robusteste Euro-Land. Das stärkt Merkels Verhandlungsmacht, bringt aber auch Verantwortung - und verschärft so den Streit in der Euro-Zone.

Der Euro im Schatten: Der Streit um die Maßnahmen gegen die Krisen dürfte sich in den nächsten Wochen weiter zuspitzen. dpa

Der Euro im Schatten: Der Streit um die Maßnahmen gegen die Krisen dürfte sich in den nächsten Wochen weiter zuspitzen.

BrüsselDer Paukenschlag der Ratingagentur Standard & Poor's war schon lange erwartet - dennoch hat er durchschlagenden Effekt: Der Streit der Euro-Länder über die richtige Strategie gegen die Schuldenkrise droht sich zu verschärfen. Nach dem Urteil der Agentur ist Deutschland eines der wenigen Euro-Länder mit makelloser Kreditwürdigkeit, die uneingeschränkt die Top-Note „AAA“ verdienen. Die Kluft zwischen dem größten und robustesten Mitgliedsland und dem Rest der Währungsunion weitet sich damit aus.

Nach Einschätzung von Experten hat das vor allem zwei Folgen. „Die Forderungen nach einem größeren Beitrag des zahlungskräftigsten Landes zu Rettungspaketen werden lauter, aber gleichzeitig wird die Verhandlungsposition Deutschlands gestärkt“, sagt etwa ein Notenbanker. Schon seit Ausbruch der Krise flammt der Streit über den Weg aus der Krise immer wieder auf.

Für die Bundesregierung hat eine Abkehr von der Schuldenpolitik der vergangenen Jahre Priorität. Strikte Haushaltsdisziplin soll die Euro-Staaten unter Androhung von Strafzahlungen zu sparsamem Wirtschaften zwingen. Die Mittel zur akuten Krisenabwehr sollen dagegen in Grenzen gehalten werden.

So bewertet S&P die Euro-Länder

Belgien

Aktuelles Rating: AA

Ausblick: negativ

Deutschland

Aktuelles Rating: AAA

Ausblick: stabil

Estland

Aktuelles Rating: AA-

Ausblick: negativ

Finnland

Aktuelles Rating: AAA

Ausblick: negativ

Frankreich

Aktuelles Rating: AA+

Ausblick: negativ

Irland

Aktuelles Rating: BBB+

Ausblick: negativ

Italien

Aktuelles Rating: BBB+

Ausblick: negativ

Luxemburg

Aktuelles Rating: AAA

Ausblick: negativ

Malta

Aktuelles Rating: A-

Ausblick: negativ

Niederlande

Aktuelles Rating: AAA

Ausblick: negativ

Österreich

Aktuelles Rating: AA+

Ausblick: negativ

Portugal

Aktuelles Rating: BB

Ausblick: negativ

Slowakei

Aktuelles Rating: A

Ausblick: stabil

Slowenien

Aktuelles Rating: A+

Ausblick: negativ

Spanien

Aktuelles Rating: A

Ausblick: negativ

Zypern

Aktuelles Rating: BB+

Ausblick: negativ

Eine Aufstockung der Kreditkapazität des künftigen Rettungsmechanismus ESM, der im Sommer das Provisorium EFSF ablösen soll, über die vereinbarten 500 Milliarden Euro hinaus lehnt die Regierung in Berlin entschieden ab. Die nördlichen Mitgliedsländer unterstützen diesen Kurs weitgehend. Die Südflanke der Euro-Zone fordert dagegen, die Finanzmärkte mit noch riesigeren Summen im Rettungstopf zu beeindrucken. Frankreich, Deutschlands engster Partner, steht dazwischen.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

15.01.2012, 16:39 Uhr

Es scheint sich eine Abschottung der EU vom Welt-Finanzsystem anzubahnen. Ausserhalb-EU-Investoren fliehen aus den Aktien der EURO-Länder. Um so billiger kann der Staat und die Banken Unternehmes-Anteile aufkaufen. Ich denke es werden viele Staatsbetriebe und -Banken entstehen in der nächsten Zeit.

Und Problem EURO-Anleihen: Na und ? Die EZB gibt billige Kredite an die Banken und die MÜSSEN die Anleihen dann kaufen, verdienen sogar von der 1-3 prozentigen Zinsdifferenz.

Ich denke, die EU schottet sich immer weiter ab bzw. der Graben zu Ländern mit eigenen Notenbanken wird immer grösser. EU-Staats-Sozialismus wird das.

EUroSchmarotzer

15.01.2012, 20:29 Uhr

Die Deutschen sind leider so dumm wie trockenes Brot, den diese Lügenwährung EUro wird Deutschland letztenendes in den Abgrund stürzen. Unverständlich wie sich die deutsche Bevölkerung von der EU und EUro Lügenpropaganda ruhigstellen läßt, es scheint als gehe es den Deutschen noch zu gut und der Großteil hat die Lügengeschichte vom EUro noch nicht begriffen oder kümmert sich nicht darum.
Aber irgendwann werden sie es begreifen aber vielleicht schon zu spät, dann haben die Schmarotzerstaaten das deutsche Volksvermögen unter sich aufgeteilt. Zu irgendetwas muß das Geld der deutschen Sparer und Häuslebauer ja gut sein ...
Die EZB druckt ja schon fleißig Lügenwährung um die Staatshaushalte der Schmarotzerstaaten zu finanzieren, einfach nur erbärmlich wie dies alles hingenommen wird.

denk.mal

16.01.2012, 08:01 Uhr

Ja, die EU bzw. Eurozonen-Politiker zeigen irritierende Tendenzen zu Selbstgefälligkrit gegenüber Marktkräften und glauben, sie könnten es dem Markt durch Regelungen und Zwänge schon zeigen. Das wird nicht nachhaltig funktionieren.

Aber Investoren fliehen nicht aus EUR-Unternehmen wegen des EUR, sondern wegen der Unsicherheiten sufbdem EUR-Binnenmarkt.

Und eine Aktie ist doch nicht billig, wenn ihr Kurs sinkt, sondern wenn ihr Kurs relativ zu den Geschäftsperspektivengünstig ist.

Zwischen Eurozonen-Anleihen und dem jetzigen Gelddruckmodell gibt es erhebliche Unterschiede: Wer sind die Investoren, woher kommt das Geld, was geschieht bei einer Krise.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×