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25.08.2016

18:23 Uhr

Mehrere Tote in Kabul

Angriff auf Amerikanische Universität in afghanischer Hauptstadt blutig beendet

Vor zwei Wochen wurden in Afghanistan zwei ausländische Professoren verschleppt. Nun wurde die Amerikanische Universität in Kabul zum Ziel von Extremisten: Mindestens 16 Menschen kamen bei dem Angriff ums Leben.

Schock an der Uni in Kabul: Kurz nach Beginn eines bewaffneten Angriffs eilen Sicherheitskräfte auf den Campus. AP

Afghanische Sicherheitskräfte

Schock an der Uni in Kabul: Kurz nach Beginn eines bewaffneten Angriffs eilen Sicherheitskräfte auf den Campus.

KabulNach rund zehnstündiger Belagerung haben afghanische Sicherheitskräfte einen Angriff auf die Amerikanische Universität in Kabul gewaltsam beendet. Insgesamt starben 16 Menschen, darunter acht Studenten, wie das Gesundheitsministerium am Donnerstag mitteilte. Bei der Erstürmung des Campus in der Nacht erschoss die Polizei nach eigenen Angaben zwei Angreifer. Hunderte Studenten hatten zeitweise auf dem Gelände festgesessen.

Dem Innenministerium zufolge waren auch Polizisten und zwei Wächter der Universität und einer benachbarten Berufsschule unter den Toten. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden 53 Menschen verletzt, einige von ihnen schwer.

Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand. Präsident Aschraf Ghani verurteilte den „brutalen Angriff“. Die Tat sei im Nachbarland Pakistan organisiert worden, erklärte er.

Am Mittwoch hatte eine nicht bekannte Zahl von Bewaffneten das Gelände der Hochschule gestürmt, auf dem sich hunderte Studenten aufhielten. „Ich habe Explosionen gehört, und hier in der Nähe wird geschossen (...) unser Klassenraum ist voller Rauch und Staub“, sagte eine Studentin der Nachrichtenagentur AFP, bevor ihr die Flucht von dem Gelände gelang.

Andere Studenten schickten Twitter-Nachrichten, in denen sie um Hilfe flehten. Der Kabuler Journalist Ahmed Muchtar berichtete über den Kurzbotschaftendienst: „Ich bin mit Freunden geflohen, und andere Freunde und Professoren sitzen drinnen fest.“

Die afghanische Armee riegelte den Campus ab, sie wurde von US-Militärberatern unterstützt. Über Nacht waren immer wieder Schüsse zu hören. Verletzte, darunter viele auf Tragen, wurden von dem Gelände in Sicherheit gebracht.

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Die Taliban stehen unter Druck. Und doch können sie in Afghanistan große Gebiete erobern. Das liegt vor allem an der neuen Strategie: Sie stürmen einen Checkpoint, töten alle Polizisten, übernehmen ihre Waffen – und warten.

Abends halten sich in der American University üblicherweise viele Studenten auf, weil viele neben ihrem Job studieren und daher Abendkurse belegen. Die Hochschule war im Jahr 2006 gegründet worden, sie zählt derzeit mehr als 1700 Studenten. Die Uni steht im Austausch mit renommierten US-Hochschulen wie Stanford und Georgetown.

Sie ist nach eigenen Angaben „die einzige private Universität“ in Afghanistan, die gemeinnützig und unparteiisch ist und Männern und Frauen gleichermaßen offen steht. Im islamisch geprägten Afghanistan lernen Studenten üblicherweise nach Geschlechtern getrennt. Die steigende Zahl vor allem weiblicher Studenten gilt als einer der wenigen Hoffnungsschimmer in dem Land, in dem Mädchen unter der Herrschaft der radikalislamischen Taliban noch nicht einmal Grundschulen besuchen durften.

Am 7. August waren zwei Professoren der American University, ein US-Bürger und ein Australier, von Unbekannten entführt worden. Sie wurden in Kabul überfallen, als sie in der Nähe der Hochschule mit dem Auto unterwegs waren. Ihr Verbleib ist weiter unklar, auch zu dieser Tat bekannte sich bislang niemand. In jüngster Zeit haben die Taliban ihre Angriffe auf die vom Westen unterstützte afghanische Regierung verstärkt.

Afghanistans Armee und Polizei hatten Anfang 2015 die volle Sicherheitsverantwortung von den internationalen Truppen übernommen. Sie tun sich allerdings schwer, den Aufstand der 2001 gestürzten Taliban niederzuschlagen. Derzeit sind noch 13.000 Nato-Soldaten, zumeist aus den USA, in Afghanistan im Einsatz. Sie sind im Rahmen der Mission "Resolute Support" allerdings nur noch für die Ausbildung, Beratung und Unterstützung der afghanischen Einheiten zuständig.

Von

afp

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