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07.10.2014

13:19 Uhr

Mehrere Tote in Ostukraine

Gefechte weiten sich auf Lugansk aus

Die Gefechte in der Ukraine weiten sich offenbar wieder auf das Gebiet Lugansk aus – zu beklagen gibt es mehrere Tote. Regierungstruppen und prorussische Separatisten kämpften weiter um den Flughafen von Donezk.

Soldaten gerieten in der Nähe von Mariupol, Stschastje und Debalzewo unter Beschuss. AFP

Soldaten gerieten in der Nähe von Mariupol, Stschastje und Debalzewo unter Beschuss.

DonezkInmitten heftiger Kämpfe im ostukrainischen Donezk weiten sich die Gefechte offenbar wieder auf das Gebiet Lugansk aus. Bei Artilleriebeschuss kamen dort innerhalb von 24 Stunden mindestens drei Zivilisten ums Leben, teilte die Gebietsverwaltung am Dienstag mit. In Donezk starben im selben Zeitraum vier Menschen bei Gefechten.

Regierungstruppen und prorussische Separatisten kämpften weiter um den Flughafen von Donezk. Das ukrainische Militär wehrte nach eigenen Angaben einen Angriff der Aufständischen ab. Auch in der Nähe der Orte Mariupol, Stschastje und Debalzewo gerieten Soldaten demnach unter Beschuss. Mindestens fünf Armeeangehörige wurden getötet, wie der Sicherheitsrat in Kiew mitteilte. Auch die Aufständischen berichteten von Toten in ihren Reihen.

Was ist „Neurussland“?

Neuer Streit um ein historisches Gebiet

In der Ostukraine haben prorussische Separatisten im Mai ihre „Volksrepubliken“ Donezk und Lugansk zu „Neurussland“ vereinigt. Auch Russlands Präsident Putin verwendete mehrfach diese Bezeichnung. Sie hat einen historischen Ursprung.

Feldzüge gegen Türken

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde ein Militärbezirk nördlich des Schwarzen Meeres so genannt. Neurussland reichte damals von Bessarabien (heute die Republik Moldau) bis zum Asowschen Meer. Zentrum war Krementschuk, etwa 300 Kilometer südöstlich von Kiew. Zur Zeit der Feldzüge gegen die Türken und das Krim-Khanat sollte die Ansiedlung russischer und ukrainischer Bauern sowie ausländischer Siedler das Grenzgebiet stabilisieren.

Auflösung nach Eroberung der Krim

1764 bildete Zarin Katharina die Große das „Neurussische Gouvernement“. Nach der Eroberung der Krim verlor Neurussland seine strategische Bedeutung und wurde rund 20 Jahre nach der Gründung wieder aufgelöst. Zar Paul I. bildete 1796 erneut ein kurzlebiges Verwaltungsgebiet Neurussland um den Hauptort Noworossisk, dem heutigen Dnjepropetrowsk.

Deutsche Siedler

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde ein russisches „Generalgouvernement Neurussland-Bessarabien“ geschaffen. Von 1818 bis etwa 1880 wurden wieder ausländische Siedler angeworben. Auch aus deutschsprachigen Gebieten kamen viele Menschen in die Steppen Neurusslands. Die Dörfer dieser „Schwarzmeerdeutschen“ existierten bis zu den Deportationen in der Stalin-Zeit.

Die Separatisten warfen dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko vor, gegen Absprachen für eine Beruhigung der Lage zu verstoßen. Poroschenko zögere die Unterzeichnung des Mitte September vom Parlament verabschiedeten Gesetzes über einen Sonderstatus der Ostukraine hinaus, kritisierte Separatistenführer Denis Puschilin.

Poroschenko entließ den Chef des ukrainischen Grenzschutzes, Nikolai Litwin. Er war in die Kritik geraten, weil Kiew die Kontrolle über Hunderte Kilometer Staatsgrenze an die Separatisten verloren hat.

Von

dpa

Kommentare (10)

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Herr Vittorio Queri

07.10.2014, 13:54 Uhr

>> Gefechte weiten sich auf Lugansk aus <<

Die Aufständischen erwarten eine Großoffensive der Junta noch vor Wintereinbruch.

Zur zeit sortieren sich die Militärs neu und erhalten Nachschub, auch aus Europa ( Militärausrüstung ).

Es wird wohl noch eine sehr "HEISSE" Militär-Phase vor den Wahlen geben.

Im Falle des Sieges der Junta wird sich die Region auf einen langfristigen Partisanenkrieg mit den Süd-Ostukrainern einstellen müssen.

Im Falle eines Sieges der Aufständischen ist damit zu rechnen, dass sie als Rachefeldzug für getöteten Zivilisten und ihrer zerstörten Existenzgrundlagen dann Richtung Kiew marschieren.

Jakob Herzberger

07.10.2014, 14:03 Uhr

Wen kratzt das alles noch? Die Ukraine geht vor die Hunde, und Russland hat sich an seiner Westgrenze die wirtschaftlichen und politischen Adern aufgeschlitzt. Ist doch mittlerweile alles Schnee von gestern. Sollen wir die nächsten paar Jahre etwa die Berichterstattung über jede einzelne gefallene Granate mitverfolgen? Langweilig.

Die Russen wollten den Bruderkrieg mit der Ukraine, jetzt haben sie ihn, und das lässt sich auch nicht mehr stoppen. Für jeden Monat, jedes Kriegsjahr, wird der Hass nun erbitterter zwischen zwei Völkern, die eigentlich natürliche Freunde und Verbündete sein sollten. Aber wenn schon. Ist doch längst abgehakt.

Anstatt das traurige Tagesgeschehen zu kolportieren, sollte die Journalisten lieber einen optimistischen Winkel anlegen: Im Afghanistan der 80er Jahre ist die russische Jugend wort- und spurlos in der Wüste verschwunden. Heute können die Moskauer die Kinder ins Auto packen und mit Picknic-korb und Fernglas vom Feldherrenhügel aus zuschauen, wo ihre Steuergelder, ihr internationales Ansehen und ihr Gottvertrauen in Präsident Putin verschleudert werden.

Das ist doch ein Fortschritt.

Warum freut sich keiner?

Herr walter danielis

07.10.2014, 14:06 Uhr

Frau Merkel schickt deutsche Fallschirmjäger. Die werden das schon richten. Wenn nicht, was dann?

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