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05.01.2007

18:36 Uhr

Mehrwertsteuer

Schwedens Sozialstaat kostet weiter viel Geld

VonHelmut Steuer

Der Mythos lebt: Schweden ist ein teures Land. Doch trotz der deutlich höheren Mehrwertsteuer findet der Verbraucher in Schweden sogar Waren, die spürbar billiger sind als in Deutschland. Eine Diskussion über die rekordhohe Mehrwertsteuer hat es in Schweden nie gegeben.

Hohe Mehrtwertsteuer? Die Schweden bleiben gelassen - zumal das Preisniveau kaum noch höher ist als in Deutschland. Grafik: Handelsblatt

Hohe Mehrtwertsteuer? Die Schweden bleiben gelassen - zumal das Preisniveau kaum noch höher ist als in Deutschland. Grafik: Handelsblatt

STOCKHOLM. Urlauber, die in den 1980er- und 90er-Jahren in den hohen Norden fuhren, zeigten sich geschockt über das Preisniveau bei Gemüse und vor allem alkoholischen Getränken. Ein Blumenkohl für ein paar Mark war ebenso wenig die Ausnahme wie ein halber Liter Bier für zehn Mark.

Diese Zeiten sind vorbei, nicht zuletzt, seit Schweden 1995 der Europäischen Union beitrat. In den vergangenen Jahren haben sich die Preise angepasst, Lebensmitteldiscounter wie Lidl haben den schwedischen Markt entdeckt und das Preisniveau weiter gedrückt. Deshalb sind mittlerweile viele Produkte des täglichen Lebens kaum teurer als in Deutschland. Und das, obwohl Schweden mit 25 Prozent zusammen mit Dänemark den höchsten Mehrwertsteuersatz in der gesamten EU hat.

Trotz der deutlich höheren Mehrwertsteuer findet der Verbraucher in Schweden sogar Waren, die spürbar billiger sind als in Deutschland: Ein Pfund Qualitätskaffee für rund zwei Euro ist keine Ausnahme, die knapp vier Euro in Deutschland sind es ebenfalls nicht. Auch beim Autokauf wirkt sich der auch nach der Steuererhöhung in Deutschland immer noch deutliche Unterschied von sechs Prozentpunkten nicht aus: Für einen VW Golf Trendline 1,6 Liter betrug der Listenpreis diese Woche in Schweden 156 100 Kronen, das sind umgerechnet knapp 17 300 Euro. In Deutschland müssen für das Modell 17 440 Euro hingeblättert werden.

Nach Aussagen eines Sprechers des schwedischen Einzelhandels hat der Konkurrenzdruck durch den EU-Binnenmarkt erheblich zugenommen. Er mache es den Händlern schwer, höhere Preise für ihre Produkte zu verlangen. „Wenn die Preisunterschiede zu groß werden, bestellen die Leute übers Internet“, sagte er.

Wie in Deutschland gibt es auch im hohen Norden differenzierte Mehrwertsteuersätze: So gilt für Lebensmittel ein reduzierter Satz von zwölf Prozent. Auf Bücher, Zeitungen, Zeitschriften und Fahrten im öffentlichen Nahverkehr werden nur sechs Prozent erhoben. Bei rezeptpflichtigen Arzneimitteln, die in Schweden vom Patienten größtenteils selbst bezahlt werden müssen, fällt überhaupt keine Mehrwertsteuer an.

Eine Diskussion über die rekordhohe Mehrwertsteuer hat es in Schweden nie gegeben. „Die bis vor einigen Jahren sehr hohen Lebensmittelpreise führten allerdings zu Protesten, die dann die Regierung zu der Senkung der Mehrwertsteuer auf diese Warengruppe veranlassten“, sagt Henrik Olsson, Chefvolkswirt beim schwedischen Verband der Steuerzahler.

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