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19.05.2014

14:56 Uhr

Mein Europa – Deutsche im Ausland (1)

„Griechenland ist Deutschland ähnlich geworden“

VonGerd Höhler

Die Freizügigkeit macht es möglich: Viele Deutsche leben und arbeiten im europäischen Ausland. Wie kommen sie zurecht? Was vermissen sie? Wie erleben sie Europa? Antworten gibt unsere Serie zur Wahl. Heute: Griechenland.

Silvia Krämer fühlt sich seit 22 Jahren in Griechenland heimisch.

Silvia Krämer fühlt sich seit 22 Jahren in Griechenland heimisch.

AthenHeute ist mal wieder so ein Tag, da weiß Silvia Krämer, warum sie in Griechenland lebt. „Gerade habe ich mit meinen Eltern in Deutschland gesprochen“, erzählt sie. „Man hörte den Regen durchs Telefon.“ Silvia blinzelt in die Sonne, die an diesem Nachmittag in einem Athener Küstenvorort von einem fast wolkenlosen Himmel scheint. Eine milde Brise spielt mit den Palmwedeln am Strand, das Meer glitzert. Das Thermometer zeigt 27 Grad.

Als Silvia vor 22 Jahren nach Griechenland übersiedelte, fiel ihr der Abschied von Deutschland nicht besonders schwer. Ihr Vater war als Maschinenbauingenieur in der ganzen Welt unterwegs, und die Familie zog mit: „Kasachstan, die Niederlande, Schweden, Kanada, die USA, Brasilien und Taiwan“ beschreibt Silvia die Stationen ihrer Kindheit. Als sie zehn war, zog die Familie nach Deutschland zurück. Aber das Fernweh ließ sie nicht los.

Konjunkturaussichten für die Euro-Länder

Spanien

Spanien könnte 2014 wieder um ein Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit soll jedoch mit 25,7 Prozent hoch bleiben. Das Haushaltsdefizit wird auf 5,8 Prozent der Wirtschaftsleistung geschätzt.

Frankreich

Frankreichs Wachstum dürfte 2014 mit 1,0 Prozent unter dem Durchschnitt der Euro-Zone bleiben. Die Arbeitslosigkeit soll auf elf Prozent steigen.

Griechenland

Die griechische Wirtschaft soll 2014 erstmals seit sechs Jahren wieder um 0,6 Prozent wachsen. Trotz der erwarteten Besserung dürfte die Arbeitslosigkeit mit 26 Prozent vergleichsweise hoch bleiben. Bei der Verschuldung werden 177 Prozent der Wirtschaftsleistung erwartet.

Italien

Italiens Wirtschaft soll 2014 um 0,6 Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit dürfte hingegen auf einen Rekord von 12,6 Prozent klettern. Der Schuldenstand bleibt hartnäckig hoch: 2015 soll er mit 132,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts leicht unter dem diesjährigen Niveau liegen.

Zypern

Um 4,8 Prozent soll das Bruttoinlandsprodukt einbrechen. Die Arbeitslosigkeit dürfte auf den Rekordwert von 19,2 Prozent steigen.

Portugal

Für Portugal erwartet die EU-Kommission 2014 ein Wachstum von 0,8 Prozent. 2015 soll die Arbeitslosenquote mit 16,5 Prozent einen Tick unter den diesjährigen Wert fallen. Der Schuldenstand dürfte nach dem Rekordwert von 129,4 Prozent im vorigen Jahr bis 2015 wieder auf 125,8 Prozent zurückgehen.

Irland

Irlands Wirtschaft dürfte 2014 mit 1,8 Prozent deutlich stärker wachsen als der gesamte Währungsraum. Bis 2015 soll die Arbeitslosenquote auf 11,2 Prozent fallen, nachdem sie 2013 noch bei 13,1 Prozent lag. Das Defizit soll 2015 auf 4,3 Prozent sinken.

Quelle

EU-Kommission

„Mit 18 habe ich die Koffer gepackt und bin zum Studium nach Holland gegangen“, erzählt die 48-jährige Grafikerin. Dass es sie dann mit 1992 nach Griechenland verschlug, war „eigentlich ein Zufall“, erzählt sie: „Ich war hier in Urlaub, aber aus drei Wochen wurden dreieinhalb Monate, weil es mir so gut gefiel. Dann habe ich eher aus Quatsch einen Job gesucht, und sofort fünf Angebote bekommen.“

Das ist jetzt 22 Jahre her. Hat sie den Schritt je bereut? „Eigentlich nicht“, sagt Silvia. Obwohl: Acht Mal ist sie nach Deutschland zurückgekehrt. „Aber nach einer Woche bin ich dann immer wieder nach Griechenland zurückgeflogen.“ Und was gab den Ausschlag? „Vor allem das Klima“, sagt Silvia. Aber auch die relative Nähe zu Deutschland ist ihr wichtig, die Gewissheit, in drei Stunden mit dem Flieger dort zu sein, denn „Deutschland ist für mich Familie“. Sie habe deshalb im Grunde „zwei Heimaten“, sagt sie.

Deutschland kann sie schon einiges abgewinnen: „Die Ordnung dort, die Disziplin, und die Gesetze, an die sich alle halten.“ In Griechenland dagegen nervt sie vor allem der oft rücksichtlose Umgang im Straßenverkehr: „Stoppschilder, die einfach ignoriert werden – daran werde ich mich nie gewöhnen.“ Zu den positiven Seiten gehört für Silvia das Thema Sicherheit: „Wenn ich als Frau abends allein unterwegs bin, fühle ich mich in Athen vielleicht nicht mehr so sicher wie vor 20 Jahren, aber immer noch sicherer als in vielen deutschen Städten.“

22 Jahre in Griechenland sind 22 Jahre gelebtes Europa für die Deutsche. „Das Reisen ist einfacher geworden“, sagt sie, „vor allem auch dank Schengen und der gemeinsamen Währung.“ Aber sie sieht das Zusammenwachsen der EU nicht nur positiv: „Starbucks, Zara, Lidl: Die Länder ähneln sich immer mehr, sie verlieren ihre Identität.“

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