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20.05.2014

16:09 Uhr

Mein Europa – Deutsche im Ausland (2)

„Schneller, intensiver, hektischer“

VonMatthias Thibaut

Die Freizügigkeit macht es möglich: Viele Deutsche leben und arbeiten im europäischen Ausland. Wie kommen sie zurecht? Was vermissen sie? Wie erleben sie Europa? Antworten gibt unsere Serie zur Wahl. Heute: England.

Der Technologe Dietrich Wolf kam nach London.

Der Technologe Dietrich Wolf kam nach London.

LondonMit seinem silbernen Haarzopf ist Dietrich Wolf eher die Ausnahme unter den 400.000 Arbeitern der Londoner City. „Aber bisher hat noch niemand was gesagt“. Toleranz funktioniert in alle Richtungen und wachsende Toleranzbereitschaft gehört zu den großen Gewinnen eines Auslandsaufenthalts, findet Wolf – auch noch nach zwölf Auslandsjahren.

„Jeder sollte im Leben mal woanders leben, weil es die Toleranz stärkt“. Dabei denkt er auch an seine Zeit in Frankfurt, wo seine Herkunft aus der ehemaligen DDR ein „bisschen ein Problem war. Es war eine Abwertung damit verbunden“.

Wolf kam 2002 als Technologe im Kreuzbereich von Computertechnologie und Finanzmathematik nach London. In Berlin, wo er und seine junge Familie damals lebten, waren Jobs in diesem Bereich knapp. Als die Finanz-Software Firma, für die er damals arbeitete, ihn bat, die Expansion nach England zu übernehmen, nahm er das als Chance und Bereicherung wahr.

Konjunkturaussichten für die Euro-Länder

Spanien

Spanien könnte 2014 wieder um ein Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit soll jedoch mit 25,7 Prozent hoch bleiben. Das Haushaltsdefizit wird auf 5,8 Prozent der Wirtschaftsleistung geschätzt.

Frankreich

Frankreichs Wachstum dürfte 2014 mit 1,0 Prozent unter dem Durchschnitt der Euro-Zone bleiben. Die Arbeitslosigkeit soll auf elf Prozent steigen.

Griechenland

Die griechische Wirtschaft soll 2014 erstmals seit sechs Jahren wieder um 0,6 Prozent wachsen. Trotz der erwarteten Besserung dürfte die Arbeitslosigkeit mit 26 Prozent vergleichsweise hoch bleiben. Bei der Verschuldung werden 177 Prozent der Wirtschaftsleistung erwartet.

Italien

Italiens Wirtschaft soll 2014 um 0,6 Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit dürfte hingegen auf einen Rekord von 12,6 Prozent klettern. Der Schuldenstand bleibt hartnäckig hoch: 2015 soll er mit 132,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts leicht unter dem diesjährigen Niveau liegen.

Zypern

Um 4,8 Prozent soll das Bruttoinlandsprodukt einbrechen. Die Arbeitslosigkeit dürfte auf den Rekordwert von 19,2 Prozent steigen.

Portugal

Für Portugal erwartet die EU-Kommission 2014 ein Wachstum von 0,8 Prozent. 2015 soll die Arbeitslosenquote mit 16,5 Prozent einen Tick unter den diesjährigen Wert fallen. Der Schuldenstand dürfte nach dem Rekordwert von 129,4 Prozent im vorigen Jahr bis 2015 wieder auf 125,8 Prozent zurückgehen.

Irland

Irlands Wirtschaft dürfte 2014 mit 1,8 Prozent deutlich stärker wachsen als der gesamte Währungsraum. Bis 2015 soll die Arbeitslosenquote auf 11,2 Prozent fallen, nachdem sie 2013 noch bei 13,1 Prozent lag. Das Defizit soll 2015 auf 4,3 Prozent sinken.

Quelle

EU-Kommission

Dann wurde die Firma übernommen, Wolf verlor den Job. Aber neue Arbeit zu finden, fand er in London nie ein großes Problem. Inzwischen hat er den vierten Job, als Ko-Entwicklungschef bei der neuen Handelsplattform Aquis Exchange, gegründet von dem ehemaligen CHi-X-Chef Alasdair Haynes. Aquis will das herrschende Duopol des Börsenhandels mit einem „flat rate“ Subskriptionsmodell nach dem Vorbild von Telekom aufmischen.

Seit dem Start im November wachsen die Marktanteile. Die von Wolf mitentwickelte Software hat sich bestens bewährt. „Alles muss extrem zuverlässig und schnell sein, im Mikrosekundenbereich“, erklärt er. „Bisher hatten wir noch keinen einzigen Crash“, sagt er stolz.

Neben dem Toleranzgewinn sieht er berufliche Herausforderungen und Chancen als die Gewinne des Auslandslebens. Vor allem die Arbeitsumgebung in London sei „herausfordernder, schneller, intensiver, hektischer, kompetitiver“ als in Deutschland. Ihn macht das, obwohl er ausgesprochen ruhig und gelassen wirkt, auch nach zehn Jahren noch zufrieden.

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