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23.05.2014

06:54 Uhr

Mein Europa – Deutsche im Ausland (4)

Deutsche wollen nichts über italienische Effizienz hören

VonKatharina Kort

Die Freizügigkeit macht es möglich: Viele Deutsche leben und arbeiten im europäischen Ausland. Wie kommen sie zurecht? Was vermissen sie? Wie erleben sie Europa? Antworten gibt unsere Serie zur Wahl. Heute: Italien.

Delia Herrn lebt nun schon seit seit 2007 in Mailand. Foto: Sakis Lalas

Delia Herrn lebt nun schon seit seit 2007 in Mailand. Foto: Sakis Lalas

MailandDie Entscheidung, nach Italien zu gehen, ist für Delia Herrn mit dem WM-Halbfinale Italien-Deutschland 2006 gefallen. Mit ihrem italienischen Freund hatte die Deutsche gewettet: Wer verliert, folgt dem anderen in sein Land.

Seit 2007 lebt die studierte Kulturwissenschaftlerin und Amerikanistin nun in Mailand. Die 35-Jährige hat mit ihrem Freund mittlerweile einen zweijährigen Sohn und arbeitet als Senior Sales Managerin bei dem Jobsuch-Portal jobrapido.it. Und sie fühlt sich als Europäerin: „Wenn ich beruflich in die Niederlande oder nach Schweden muss, ist das für mich, als würde ich in einem Land reisen“, sagt die gebürtige Leipzigerin, die auch mal zu Kunden nach Brasilien oder Australien fliegt.

Umso mehr ärgert es sie, dass in Italien in letzter Zeit die anti-europäischen Töne zunehmen. „Italien ist anti-europäischer und anti-deutscher geworden“ stellt sie fest. „Ich finde das sehr schade, weil die Italiener eigentlich so ein offenes und nicht rassistisches Volk sind. Aber jetzt wird hier richtig Stimmung gemacht“.


Es ist längst nicht mehr nur die fremdenfeindliche Lega Nord, die gegen Europa hetzt. Auch Beppe Grillo mit seiner Fünf-Sterne-Bewegung und Silvio Berlusconis Forza Italia wettern derzeit gegen Europa und Frau Merkel.
Im persönlichen Umfeld bekommt Delia Herrn das zwar nicht wirklich zu spüren, außer bei der einen oder anderen spitzen Bemerkung zu Angela Merkel – etwa beim Arzt oder bei Freunden.

Aber der öffentliche Ton habe sich gewandelt und das gesamte Konzept Europa werde in Frage gestellt. „An die Vorteile Europas ist man mittlerweile so gewöhnt, dass man sich nur die Nachteile herauspickt und polemisiert“, ärgert sich die Internet-Managerin, der Europa bisher nur Positives gebracht hat.

Als sie ein Jahr nach dem schicksalsträchtigen WM-Spiel von Berlin nach Mailand zog, war alles ganz einfach. Sie musste sich nur anmelden und das war es. Keine Arbeitsgenehmigung, keine Aufenthaltsgenehmigung. Sogar das Arbeitslosengeld, das ihr in Deutschland nach dem Ende ihres befristeten Vertrags in Berlin zustand, zahlte die italienische INPS-Behörde an sie aus.

„Mein Freund konnte das damals gar nicht glauben, als die Schecks tatsächlich ankamen“. Auch die Rentenansprüche werden angerechnet, beziehungsweise im anderen Land eingeholt. Wenn Delia Herrn in ein Land außerhalb der EU hätte ziehen müssen, wäre die Entscheidung sicher nicht so leicht gefallen.

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