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30.08.2011

14:40 Uhr

Memoiren

Dick Cheney rechnet ab

VonNils Rüdel, Markus Ziener

Für seine Gegner steht Dick Cheney für Guantanamo, den Irak-Krieg und die Macht des Öls. Heute legt der Ex-Vizepräsident von George W. Bush seine Memoiren vor – und lässt an seinen alten Weggefährten kein gutes Haar.

Dick Cheney hat seine Memoiren veröffentlicht. AFP

Dick Cheney hat seine Memoiren veröffentlicht.

WashingtonEr galt als Graue Eminenz. Als Sphinx. Als mächtigster Mann in der Bush-Regierung. Er galt aber auch als der Trottel, der bei der Entenjagd versehentlich seinem Kumpanen eine Ladung Schrot ins Gesicht schoss. Er wurde gefürchtet, verehrt und belächelt. Dick Cheney ist eine der schillerndsten und zugleich geheimnisvollsten Figuren der aktuellen amerikanischen Politik.

Am heutigen Dienstag nun sollen einige Geheimnisse an Licht kommen. Heute erscheinen Cheneys Memoiren, und vorab hatte der ehemalige Vizepräsident von George W. Bush nicht mit Spannung gespart: „Es werden über Washington einige Köpfe rollen“, hatte der 70-Jährige versprochen.

Seinen Frieden mit der Vergangenheit hat Cheney noch immer nicht gemacht – und rechnet nun in „In My Time“ kräftig mit seinen ehemaligen Mitstreitern ab: Mit Außenminister Colin Powell, Sicherheitsberaterin Condi Rice, CIA-Chef George Tenet. Sie alle lagen entweder falsch, machten dicke Fehler oder zeigten zu wenig Courage. Für diese Seitenhiebe wird Cheneys Buch in Erinnerung bleiben, nicht etwa für den Blick zurück auf eine beeindruckende Karriere.

Und das ist schade. Denn der Mann war Mitarbeiter unter Päsident Richard Nixon. Stellvertreter von Donald Rumsfeld als Stabschef von Gerald Ford. Abgeordneter. Verteidigungsminister unter George Bush Senior. Vorstandschef des Ölkonzerns Halliburton. Schließlich Vizepräsident.

Wahrscheinlich kann einer wie Cheney gar nicht anders, also sich wieder lautstark zu Wort zu melden. Denn der einst mächtige Mann hat sichtlich Mühe mit dem Dasein als Rentner. Wenn ihn nicht gerade seine Herzprobleme daran hindern, dann mischt sich Cheney bis heute gerne in die Politik ein.

Und ähnlich wie seinen Ex-Chef George W. Bush treibt Cheney die Frage nach seinem Platz in der Geschichte um. Mit seinen Memoiren will er dem weit verbreiteten Eindruck gegensteuern, er sei ein skrupelloser Kriegstreiber. Deshalb die vielen Rechtfertigungen, das Beharren auf den bekannten Stadtpunkten, die Schelte für seine Kritiker.

Kommentare (11)

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Peter

30.08.2011, 15:29 Uhr

Der Irak-Krieg war eben große Politik. Da kann man sich nicht mit Kleinigkeiten wie ein paar Biowaffen aufhalten.
Unter den großen Ölförderländern bot sich der Irak seinerzeit am besten an, ein weltweites Exempel zu statuieren, wer auf diesem Markt das Sagen hat. Ich bin sicher, König Abdullah hat diese Lektion genau verstanden.

19382011

30.08.2011, 15:37 Uhr

Öl Ein- und Verkauf, ist Weltpolitik, Krieg, Unterdrückung, Slavenhandel. Gewinne über 5% Wucher!
Da kann er schreiben was er will.

blabla

30.08.2011, 15:41 Uhr

Leider glaube ich nicht an eine Hölle, sondern eher an die weitere Aufdeckung und Veröffentlichungen seiner unsäglichen Schwerstverbrechen.
Aber vielleicht erst mal eine kleine Abkühlung gefällig, Herr Cheney
http://net-tribune.de/nt/node/53825/news/Cheney-verteidigt-Waterboarding

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