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07.01.2005

19:41 Uhr

Menschenhändler-Syndikate nutzen Chaos aus

Unicef bestätigt Fall von Kinderhandel mit Flut-Opfer

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef) hat am Freitag eine ersten Fall von Menschenhandel mit einem Kind bestätigt, das durch die Flutwelle in Südasien seine Eltern verloren hat oder von ihnen getrennt wurde.

HB JAKARTA. Im Norden der indonesischen Insel Sumatra sei ein vierjähriger Junge von einem Paar aus der Stadt Banda Aceh weggebracht worden, sagte die Leiterin der Unicef-Abteilung Kinderschutz in Indonesien, Birgithe Lund-Henriksen. Dabei habe das Paar angegeben, der Junge sei sein Sohn. Bei der Einlieferung des Kindes in eine Klinik im 450 Kilometer südöstlich gelegenen Medan sei der Fall jedoch Mitarbeitern von Nicht-Regierungsorganisationen aufgefallen, die die Polizei eingeschaltet hätten. „Sie wurden misstrauisch, als die Angaben des Paares widersprüchlich waren“, sagte sie. Inzwischen behaupte das Paar, Nachbarn des Jungen zu sein.

Banda Aceh gehört zu den Regionen, die am stärksten von der Flutwelle am 26. Dezember verwüstet wurden. Insgesamt wurden in 13 Anrainerstaaten des Indischen Ozeans mehr als 153.000 Menschen getötet.

„Wir machen uns wegen des Menschenhandels große Sorgen“, sagte Lund-Henriksen weiter. „Es gab ihn bereits vor der Flutwelle und es ist klar, dass die existierenden Syndikate nun das Chaos, das hier herrscht, ausnutzen werden.“ Ihren Angaben zufolge war Medan ein Ausgangspunkt für den Schmuggel von Kindern aus Indonesien. Sie wurden in illegale Adoptionen, Zwangsarbeit oder ins Sexgeschäft verkauft.

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) teilte am Freitag mit, seit dem Tag der Flutwelle habe eine indonesische Hilfsorganisation sieben Fälle von Menschenhandel mit Kindern berichtet. „So etwas wie die Flutwelle kann ein bestehendes Problem verschärfen“, erklärte ein IOM-Vertreter.

„Wir haben bislang noch keinen Fall selbst festgestellt. Aber man sollte nicht davon ausgehen, dass so etwas nicht passiert, nur weil wir es nicht selbst gesehen haben.“ Der von der Unicef genannte Handel ist der erste bestätigte Fall, der ein Flut-Opfer betrifft.

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