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01.02.2011

08:32 Uhr

Menschenrechte

Amnesty fordert von Unternehmen Taten statt Worte

VonDaniel Goffart

ExklusivNachhaltigkeit, Ethik, Menschenrechte - mit großen Worten haben die Redner auf dem Weltwirtschaftsforum an die Moral der Manager appelliert. Im Handelsblatt-Interview fordert Salil Shetty, Generalsekretär von Amnesty International, nun verbindliche Regeln für die Unternehmen.

Salil Shetty kämpft für die internationale Durchsetzung von Menschenrechten. Pressebild

Salil Shetty kämpft für die internationale Durchsetzung von Menschenrechten.

Handelsblatt: Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos haben die Manager viel über Nachhaltigkeit, Ethik und Menschenrechte gesprochen. Wie ernst muss man die hehren Worte nehmen?

Salil Shetty: Viele Manager und viele Unternehmen unterstützen die Menschenrechte in ihrem Geschäftsbereich, ob aus Imagegründen oder aus der echten Einsicht heraus, dass nachhaltiges Wachstum anders nicht erreichbar ist. Allerdings gilt das leider längst nicht für alle und wir merken seit einer Dekade, dass sich die Dinge nicht mehr verbessern.

Handelsblatt: Immerhin hat die Uno jetzt internationale Richtlinien formuliert, damit Staaten und Unternehmen Menschenrechte stärker schützen.

Shetty: Ich begrüße die Initiative der Uno, aber sie zielt nur auf Freiwilligkeit und die hilft oft genug nicht weiter. Nehmen Sie zum Beispiel die gewaltige Verschmutzung des Niger-Deltas, wo Öl gefördert wird, ohne Umweltstandards einzuhalten. Alle Appelle an die dortige Regierung und an Unternehmen wie Shell haben nicht dazu geführt, diese Umwelt-Katastrophe zu beseitigen, die den Menschen ihre Lebensgrundlage entzieht.

Handelsblatt: Betrifft das nicht in der Hauptsache Entwicklungs- und Schwellenländer, wo es keine gute Regierungsführung gibt und Korruption an der Tagesordnung ist?

Shetty: Damit machen Sie es sich zu einfach. Die meisten Konzerne, die von schlechter Regierungsführung profitieren, haben ihren Sitz in den westlichen Industriestaaten. Nehmen Sie Shell, Union Carbon oder Dow Chemical, um nur einige zu nennen. Die verstecken sich hinter den schwächeren Gesetzen von Ländern wie Nigeria und anderen. Aber wenn es internationale Standards gibt, dann sollten die auch weltweit und für alle gelten.

Handelsblatt: Was wollen Sie konkret tun?

Shetty: Wir müssen über bloße Ankündigungen hinaus, denn wir haben schon genug schöne Reden gehört. Wir brauchen jetzt den nächsten Schritt von der Freiwilligkeit zu verpflichtenden Normen. Wenn in Davos über gemeinsame Regeln gesprochen wird, kann ich nur sagen: Wir haben sie längst! Es gibt die Deklaration der universellen Menschenrechte und die ist von fast allen Staaten unterschrieben worden. Das bedeutet, dass sie auch für die Wirtschaft und die Unternehmen dieser Staaten gelten müsste. Wenn diese Unternehmen riesige Schäden anrichten und damit die Menschen in der Nähe ihrer Fabriken und Fördergebiete in ihren elementarsten Rechten verletzten, müssen sie auch dafür verantwortlich gemacht werden. Das Problem ist doch, dass sich viel zu viele nicht an diese Regeln halten.

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