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21.08.2014

14:48 Uhr

Menschenrechtler

Terrormiliz IS hält 4000 Gefangene in Syrien

Menschenrechtler aus Syrien schätzen, dass die Terrorgruppe Islamischer Staat mehrere Tausend Menschen gefangen hält. Darunter seien auch dutzende Ausländer. Ex-Gefangene berichten ebenfalls von westlichen Geiseln.

Demonstranten appellieren an die Politik. Die Terrorgruppe IS soll mehr als 4000 Geiseln in Syrien halten. dpa

Demonstranten appellieren an die Politik. Die Terrorgruppe IS soll mehr als 4000 Geiseln in Syrien halten.

Al-RakkaDie Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat nach Angaben von Menschenrechtlern mindestens 4000 Gefangene in Syrien in ihrer Gewalt. Darunter seien auch „einige Dutzend Ausländer“, sagte ein Sprecher der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Donnerstag der dpa. Rund 20 Gefangene seien Amerikaner und Europäer.

Weitere Gefangene sind nach Angaben des Sprechers Anhänger syrischer Rebellengruppen aus anderen arabischen Ländern wie Tunesien. Die IS-Extremisten hielten sie an verschiedenen Orten in Ostsyrien gefangen, vor allem in der Extremistenhochburg Al-Rakka, aber auch in Dair as-Saur oder Aleppo.

Die Terrorgruppe Islamischer Staat

Ziel

Die Organisation Islamischer Staat (IS), früher Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) genannt, gehört zu den radikalsten islamistischen Gruppen im Nahen Osten. Sie kämpft für einen sunnitischen Gottesstaat im arabischen Raum.

Ursprung

Der IS ging aus dem irakischen Widerstand der 2003 gegründeten Gruppe „Tawhid und Dschihad“ hervor, die sich gegen die US-Invasion im Irak wandte. Erster Anführer war der für seine Grausamkeit berüchtigte Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi. Seit 2013 leitet der Iraker Abu Bakr al-Baghdadi den IS.

Aktivitäten

Die Gruppe griff Im Irak nicht nur US-Soldaten an, sondern verübte auch Selbstmordanschläge auf Schiiten und Christen im Land. Al-Sarkawi wurde 2006 von der US-Armee getötet. Seither führen Iraker die Organisation. Deren zweiter früherer Name „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ verdeutlicht den Anspruch, einen sunnitischen Großstaat zwischen Mittelmeer und Euphrat zu errichten.

Entwicklung

An Macht gewann der IS, als sie sich im Frühjahr 2013 in den syrischen Bürgerkrieg einmischte. Dort überwarf sie sich mit der aus syrischen Salafisten bestehenden Al-Nusra-Front, obwohl beide Gruppen damals dem Terrornetzwerk al-Qaida nahestanden.

Standorte

Vor allem im Nordosten Syriens greift der IS syrisch-kurdische Städte an und massakriert die Zivilbevölkerung. Im Irak profitiert die Miliz vom Streit der von Schiiten dominierten irakischen Regierung mit den sunnitischen Parteien des Landes. Am 29. Juni rief der IS das Kalifat in den von im kontrollierten Gebieten aus – mit al-Baghdadi als Kalif.

Finanzierung

Der IS finanzierte sich anfangs vor allem durch Spenden aus den Golfstaaten Katar und Saudi-Arabien, aber auch durch Wegzölle entlang der Grenzen zwischen Irak und Syrien. Mit den Landgewinnen nahmen die Gewinne aus illegalen Ölverkäufen der kontrollierten Felder zu.

Söldner

In den Reihen der Gruppe kämpfen internationale Brigaden, darunter Muslime aus Nordafrika und den arabischen Golfstaaten sowie Konvertiten aus Europa und Nordamerika.

Die Erkenntnisse decken sich mit den Angaben befreiter Geiseln. Laut „New York Times“ sind mindestens drei Amerikaner und mehrere Briten in der Gewalt der Extremisten. Der britische „Guardian“ geht von rund 20 Geiseln aus, darunter ein Däne und zwei Italienerinnen. Beide Zeitungen stützen ihre Recherchen auf Aussagen von ehemaligen IS-Gefangenen und Angehörigen von Inhaftierten.

Von

dpa

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