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26.04.2011

15:59 Uhr

Menschenrechtsverstöße

Wikileaks veröffentlicht Wahrheit über Guantánamo

Was wirklich hinter den Gefängnismauern von Guantánamo passiert, ist schwer zu beweisen. Die Enthüllungsplattform Wikileaks hat nun brisante Interna veröffentlicht: Demnach seien Menschenrechtsverstöße üblich gewesen.

Geheim-Dokumente zu Guantanamo

Video: Geheim-Dokumente zu Guantanamo

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GuantánamoWikileaks hat geheime Dokumente des US-Militärs über mehr als 700 Gefangene im Lager Guantánamo veröffentlicht. Daraus gehe hervor, dass in dem US-Lager in Kuba Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung gewesen seien, berichteten verschiedene europäische Medien am Montag. 160 Verdächtige seien zum Teil mehrere Jahre lang gefangen gehalten worden, obwohl sie mit dem Terrornetz Al Kaida nichts zu tun gehabt hätten und von den US-Militärs als „ungefährlich“ eingestuft worden seien.

In Guantánamo seien neben mutmaßlichen gefährlichen Terroristen auch geisteskranke, altersschwache und völlig unschuldige Menschen inhaftiert worden. Das Lager habe dem amerikanischen Militär in erster Linie dazu gedient, von den Gefangenen Informationen zu erhalten. Über die Verhörmethoden werden nach Angaben von „El País“ in den Unterlagen keine Angaben gemacht.

143 Verdächtige seien mehr als neun Jahre in dem Lager gefangen gehalten worden. Derzeit seien in Guantánamo noch 172 Menschen inhaftiert. US-Präsident Barack Obama hatte das Lager eigentlich schließen wollen, dieses Versprechen aber nicht eingelöst. Die Inhaftierungen seien völlig willkürlich gewesen, berichtete „El País“.

Häftlinge auf dem US-Marinestützpunkt Guantanamo: Was passierte hier wirklich? Quelle: dpa

Häftlinge auf dem US-Marinestützpunkt Guantanamo: Was passierte hier wirklich?

Das Madrider Blatt war eines von mehreren Zeitungen, dem die Unterlagen von Wikileaks zugespielt wurden. Danach war unter den Gefangenen in dem Lager auch ein 89-Jähriger, der unter Altersschwachsinn und schweren Depressionen litt. Ein Afghane sei in seiner Heimat auf der Suche nach seinem Sohn in die Hände von US-Militärs geraten und nach Guantánamo gebracht worden.

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung verurteilte das Vorgehen der USA: "Präsident Obama ist mit seinen Vorstößen, Guantanamo zu schließen, an der Mehrheit im Kongress gescheitert. Daher appelliere ich an die Abgeordneten des Kongresses, sich an die menschlichen Werte ihrer eigenen Verfassung zu erinnern, die Inhaftierten frei zu lassen oder vor ein ordentliches Gericht zu stellen und das Gefängnis in Guantanamo endlich zu schließen", sagte Markus Löning dem Handelsblatt.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Heinrich

25.04.2011, 14:32 Uhr

Guantánamo ist überall auf der Welt. Jedes totalitäre Regime hat sein eigenes Guantánamo.
Aber auch zivilisiertere Regime wie Amerika, Israel u. a. gönnen sich diesen Luxus von Konzentrationslagern und heben dennoch fleißig den Zeigefinger gegen Deutschlands Vergangenheit.

Daniel

25.04.2011, 18:22 Uhr

Entschuldigen Sie Heinrich,aber keiner der genannten Staaten,also USA und Israel,"gönnen" sich Massenvernichtungslager!Das sollte Ihnen bewusst sein,auch wenn Guantanamo u.a nicht gut sind!

Realo

25.04.2011, 19:24 Uhr

Die Frage ist, ob man Regime noch zivilisiert nennen kann, die Gefangenenlager ohne Rechtsgrundlage und ohne juristische Verfahren unterhalten.
Fahren Sie doch mal nach Santiago de Kuba, nehmen Sie den Bus nach Guantanamo auf die Anhöhe und gehen Sie - wie die Kubaner es ausdrücken - "Taliban gucken". Deswegen geht die USA ja nach G., weil auf amerikanischem Boden so ein Lager kaum möglich wäre, und die Amerikaner können halt trotz 25 TV-Kanäle "kein Taliban gucken", und so wird das in USA "ausgeblendet". Die Kubaner und jeder Tourist sehen mit eigenen Augen, wie glaubwürdig die USA ist, nicht wahr?

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