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18.05.2013

16:26 Uhr

Merkel besucht Franziskus

Die Protestantin und der Papst

Nur für die Audienz beim Papst war Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach Rom gekommen. Franziskus und Merkel sprachen über den Glauben, aber auch über die Finanzmärkte. Die katholische Kirche spiele in der Gesellschaft eine tragende Rolle, meinte die Protestantin.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Papst Franziskus haben offenbar einen guten Draht zueinander gefunden. Reuters

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Papst Franziskus haben offenbar einen guten Draht zueinander gefunden.

RomBei dem gut 45-minütigen Treffen der protestantischen Kanzlerin mit dem Oberhaupt der katholischen Kirche standen an diesem Pfingstsamstag Glaubensfragen, die Globalisierung und die Rolle Europas in der Welt im Zentrum. Die Regulierung der Finanzmärkte sei dabei ein zentrales Ziel, sagte Merkel nach dem Gespräch mit dem Papst aus Argentinien, „die Wirtschaft ist dafür da, dass sie den Menschen dient. Das ist in den vergangenen Jahren längst nicht überall der Fall gewesen". Die Krisen seien dadurch entstanden, dass die soziale Marktwirtschaft nicht gegolten habe, sagte Merkel. Weil die soziale Marktwirtschaft außer Kraft gewesen sei und Staaten keine "Leitplanken eingezogen" hätten, sei die Regulierung der Finanzmärkte "unser zentrales Problem, unsere zentrale Aufgabe". Damit war sich die Protestantin mit dem Papst einig. Der hatte vor kurzem die „Tyrannei“ der Märkte verurteilt und ethisch ausgerichtete Finanzreformen mit mehr Hilfe für die Armen verlangt. Geld solle dienen und nicht regieren, hatte er kritisiert.

"Wir kommen dabei voran, aber wir sind längst noch nicht da, dass man sagen kann, dass eine solche Entgleisung aus den Leitplanken der sozialen Marktwirtschaft nicht wieder passieren wird", warnte die Kanzlerin. Sie kündigte an, dass das Thema Marktregulierung beim G20-Gipfel in diesem Jahr eine fundamentale Rolle spielen werde.

Das ausführliche Gespräch mit Franziskus bedeute für sie auch Anerkennung für Deutschland, sagte Merkel weiter. Franziskus könne die Menschen durch „einfache und berührende Worte“ erreichen. Für sie sei es wichtig, die Grundlagen der Gesellschaft zu pflegen, und dabei spiele die katholische Kirche eine zentrale Rolle. Franziskus habe deutlich gemacht, dass Europa in der Welt gebraucht werde, sagte sie.

Merkel brachte bei ihrem Besuch dem argentinischen Papst Geschenke mit, die dieser zu schätzen weiß: Die Gesamtaufnahmen – 107 CDs – des deutschen Dirigenten Wilhelm Furtwängler, den dieser vor allem auch für seine Beethoven- und Wagner-Einspielungen bewundert. Wenn er denn dafür die Zeit dafür finde, meinte Merkel auf Deutsch.

Dazu schenkte sie ihm das Werk des deutschen Dichters Friedrich Hölderlin in drei antiquarischen Bänden von 1905. Franziskus hat Hölderlin in seinen zwei Monaten als Papst in Rom bereits mehrfach zitiert. Jorge Mario Bergoglio bedachte sie mit Vatikan-Münzen aus der Zeit der Vakanz.

Merkel hatte Mitte März bereits an der feierlichen Amtseinführung des Nachfolgers von Joseph Ratzinger auf dem Stuhl Petri teilgenommen und dem neuen Papst im Petersdom die Hand geschüttelt. Bereits bei der Einführung habe sie ihn nach Deutschland eingeladen, sagte sie.

Von

dpa

Kommentare (10)

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Vicario

18.05.2013, 14:34 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

armes_Deutschland

18.05.2013, 15:54 Uhr

Ein deutliches Zeichen, dass sie mit ihrem Latein am Ende ist, wenn sie jetzt schon zum Papst rennen muss und sich dort noch Anweisungen holt (auf Steuerzahler's Kosten), um so noch ein paar Stimmen zu erheischen im kommenden Wahlkampf. Beweist aus was für einem Stall sie stammt.

Bei mir ist sie damit endgültig unten durch, obwohl sie das schon vorher war. Wenn sie nämlich so wenig Respekt vor der Demokratie zeigt (und diese besagt deutlich, Scheidung zwischen Kirche un Staat), dann ist sie für mich nicht besser wie so ein Islamistenführer, weil diese ja auch keine Unterscheidung machen können zwischen Staatsraison und Religion. Erklärt ihr fanatisches, alternativloses Credo.

Armes Deutschland.

Mouse

18.05.2013, 16:37 Uhr

Normalerweise können Leute alle möglichen Thesen gegen die herrschende Schicht des militärisch-industriellen Komplexes loslassen wie sie Lust haben solange man sie dabei noch in die Ecke der verschwörungstheoretischen Spinner stellen kann. Bei Persönlichkeiten wie bei dem Papst ist das etwas anders. Er muß auf Kurs gebracht werden, damit er das Volk nicht rebellisch macht. Es ist deshalb, entgegen der Meinung meiner Vorschreiber, hochinteressant zu beobachten, wie sich der Papst in Zukunft verhalten wird und was er von sich gibt. Ich wünsche ihm die Kraft eines Engel Gabriels ! (Denn nur noch soetwas wie Glaube kann uns helfen, das meiste andere was Deutschland Stärke gegeben hat wurde bereits kassiert)

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