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17.06.2017

15:37 Uhr

Merkel im Vatikan

Rückendeckung vom Papst

VonRegina Krieger

Angela Merkel und Papst Franziskus begegnen sich wie zwei alte Freunde. Nicht nur in Zeiten einer zerstrittenen Staatengemeinschaft kommt der Kanzlerin der Schulterschluss mit dem prominenten Partner sehr gelegen.

Eigentlich werden keine Spitzenpolitiker im Wahlkampf empfangen, da der Kirchenstaat in solchen Fällen Neutralität bewahren will. Reuters

Der Papst und die Kanzlerin

Eigentlich werden keine Spitzenpolitiker im Wahlkampf empfangen, da der Kirchenstaat in solchen Fällen Neutralität bewahren will.

Rom/Vatikanstadt Für kaum einen anderen Regierungschef nimmt sich Papst Franziskus so viel Zeit wie für Angela Merkel. Gut 40 Minuten lang berieten das Kirchenoberhaupt und die Bundeskanzlerin am Samstagmittag über Krisen und Konflikte. „Wir wollen eine Welt, in der wir multilateral zusammenarbeiten, in der wir keine Mauern aufbauen, sondern einreißen wollen“, berichtete Bundeskanzlerin Angela Merkel nach ihrem Gespräch mit Franziskus in der Bibliothek des Apostolischen Palastes. Es ging bei der Privataudienz im Vatikan vor allem um die Schwerpunkte des Treffen der G20-Staaten Anfang Juli in Hamburg, den Stand der Weltwirtschaft, das Thema mehr Wohlstand für alle, der Kampf gegen den Terrorismus und als besonderer Schwerpunkt die Beziehungen zu Afrika.

Bei vielen Themen stehen die beiden beieinander. „Der Papst hat mich ermutigt, auf dem Weg weiter zu gehen“, sagte die Kanzlerin nach der Audienz im Camposanto Teutonico, der deutschen Enklave neben dem Petersdom im Vatikan. So fühlt sich die Kanzlerin unter anderem in ihrem Kampf für internationale Abkommen bestätigt, auch wenn die USA „bedauerlicherweise aus dem Klimaschutzabkommen ausgetreten“ sind.

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Franziskus habe ihr gleich zu Beginn der Begegnung zum Tod von Altkanzler Helmut Kohl kondoliert, so Angela Merkel. Die Nachricht hatte sie am Freitagabend auf dem Weg nach Rom erreicht. Sie änderte daraufhin ihr Programm, telefonierte mit der Witwe Maike Kohl und gab dann in der Residenz der deutschen Botschafterin beim Heiligen Stuhl, ihrer Parteifreundin Annette Schavan, eine Erklärung ab, in der sie staatsmännisch wie auch persönlich über Helmut Kohl sprach. Die Deutsche Einheit und die Verknüpfung der Interessen aller beteiligter Seiten sei „höchste Staatskunst im Dienste der Menschen und des Friedens“ gewesen, sagte sie. Die Wiedervereinigung und die europäische Einigung seien „untrennbar miteinander verbunden“. Kohl sei der richtige Mann zur richtigen Zeit gewesen, „als andere schwankten“. Und er habe auch ihren eigenen Lebensweg entscheidend verändert. Deshalb „bin ich ganz persönlich dankbar, dass es ihn gegeben hat“.

Für die Bundeskanzlerin war es bereits die sechste Begegnung mit Papst Franziskus, viermal traf sie ihn zum persönlichen Gespräch, seit er 2013 an die Spitze der Katholischen Kirche gewählt wurde, zweimal bei offiziellen Terminen. „Es war ein sehr ermutigendes Gespräch, das mich ermutigt, den Weg trotz aller Herausforderungen weiterzugehen und zu versuchen, Schritt für Schritt Erfolge für die gesamte Weltgemeinschaft zu erzielen.“

Der Wahlkampf und die Bundestagswahl waren kein Thema in Rom, doch die Bilder aus dem Vatikan werden ihr Publikum in Deutschland finden. Angela Merkel, im schwarzen Hosenanzug, wurde begleitet von ihrem Mann Joachim Sauer. Mit dem Papst sprach sie Deutsch, dann half ein Übersetzer. Franziskus hat 1986 in der Jesuitenhochschule Sankt Georgen in Frankfurt studiert und dort ein wenig Deutsch gelernt. Nach den rund 40 Minuten mit dem Papst traf sie Kardinal Pietro Parolin, den Außenstaatssekretär des Vatikans, und danach die Botschafter der G20-Staaten.

Größer kann der Kontrast der Bilder nicht sein: Erst vor drei Wochen war US-Präsident Donald Trump bei Papst Franziskus – drei Tage, bevor er beim G7-Gipfel in Taormina ankündigte, dass die USA aus dem Klimaschutzabkommen ausscheren wollen. Es war eine schwierige Begegnung, angestrengt schauten alle Mitglieder der First Family nach der Begegnung mit Franziskus.

An diesem Vormittag im Vatikan gab es eine gelöste Atmosphäre, entspanntes Lachen auf beiden Seiten. „Für die Arbeit, die Sie für den Frieden tun“, sagte Franziskus und schenkte der Kanzlerin einen bronzenen Olivenzweig und seine drei Enzykliken. Sie übereichte eine CD-Box mit Beethoven-Musik und dazu drei große Büchsen „dulce de leche“, der argentinischen Süßigkeit, die dem Papst so gut gefällt. Angela Merkel war vor wenigen Tagen in Argentinien, das 2018 von Deutschland die G20-Präsidentschfat übernimmt.

Das Verhältnis zwischen dem argentinischen Jesuiten und der evangelischen Pfarrerstochter gilt als gut. Im offiziellen Kommuniqué des Vatikans heißt es nach der Audienz: „Im Verlauf des herzlichen Gesprächs wurden die guten Beziehungen und die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen dem Heiligen Stuhl und Deutschland bekräftigt.“ Bei Trump hatte es anders geklungen: „Bei den Gesprächen hat es einen Gedankenaustausch gegeben über einige international wichtige Themen.”

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