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11.04.2014

20:48 Uhr

Merkel in Athen

Solidarisch mit den Griechen

Zorniger Protest und Hitler-Vergleiche: Beim letzten Besuch in Athen bekam Kanzlerin Merkel noch die ganze Wut der Griechen ab. Dieses Mal bliebt es harmonisch, wenngleich das Krisenland noch längst nicht gerettet ist.

Merkel und Samaras: Eine Förderbank im Stile der KfW soll vor allem kleinere Unternehmen in Griechenland unterstützen. ap

Merkel und Samaras: Eine Förderbank im Stile der KfW soll vor allem kleinere Unternehmen in Griechenland unterstützen.

AthenViele Griechen wollten am Freitag ihren Augen nicht trauen. Sind das dort wirklich Antonis Samaras und Angela Merkel?, fragte ein griechischer Journalist am Freitagabend während der Pressekonferenz zum Abschluss des Besuches der Bundeskanzlerin in Athen. Beim letzten Merkel-Besuch vor zwei Jahren hatten sich die beiden Regierungschefs noch misstrauisch gegenüber gestanden.

„Ja, die Stimmung ist völlig anders“, sagt ein enger Mitarbeiter des griechischen Ministerpräsidenten. Bei den Gesprächen am Freitag kamen zwei alte Bekannte zusammen und erklärten, sie wollten Hand in Hand die Krise in Griechenland überwinden.

Samaras erinnerte daran, dass er 2012 in Berlin und in Athen versprochen habe, sein Land werde es schaffen. Und Griechenland habe es Dank der EU-Partner „und der Deutschen geschafft“.

Konjunkturaussichten für die Euro-Länder

Spanien

Spanien könnte 2014 wieder um ein Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit soll jedoch mit 25,7 Prozent hoch bleiben. Das Haushaltsdefizit wird auf 5,8 Prozent der Wirtschaftsleistung geschätzt.

Frankreich

Frankreichs Wachstum dürfte 2014 mit 1,0 Prozent unter dem Durchschnitt der Euro-Zone bleiben. Die Arbeitslosigkeit soll auf elf Prozent steigen.

Griechenland

Die griechische Wirtschaft soll 2014 erstmals seit sechs Jahren wieder um 0,6 Prozent wachsen. Trotz der erwarteten Besserung dürfte die Arbeitslosigkeit mit 26 Prozent vergleichsweise hoch bleiben. Bei der Verschuldung werden 177 Prozent der Wirtschaftsleistung erwartet.

Italien

Italiens Wirtschaft soll 2014 um 0,6 Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit dürfte hingegen auf einen Rekord von 12,6 Prozent klettern. Der Schuldenstand bleibt hartnäckig hoch: 2015 soll er mit 132,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts leicht unter dem diesjährigen Niveau liegen.

Zypern

Um 4,8 Prozent soll das Bruttoinlandsprodukt einbrechen. Die Arbeitslosigkeit dürfte auf den Rekordwert von 19,2 Prozent steigen.

Portugal

Für Portugal erwartet die EU-Kommission 2014 ein Wachstum von 0,8 Prozent. 2015 soll die Arbeitslosenquote mit 16,5 Prozent einen Tick unter den diesjährigen Wert fallen. Der Schuldenstand dürfte nach dem Rekordwert von 129,4 Prozent im vorigen Jahr bis 2015 wieder auf 125,8 Prozent zurückgehen.

Irland

Irlands Wirtschaft dürfte 2014 mit 1,8 Prozent deutlich stärker wachsen als der gesamte Währungsraum. Bis 2015 soll die Arbeitslosenquote auf 11,2 Prozent fallen, nachdem sie 2013 noch bei 13,1 Prozent lag. Das Defizit soll 2015 auf 4,3 Prozent sinken.

Quelle

EU-Kommission

Die Kanzlerin zeigte Verständnis für die Lage der Griechen, deren Wirtschaft am Boden ist. Merkel zog eine Parallele zu ihrer ostdeutschen Herkunft. Aus ihrer Sicht sind innovative Firmen ein wesentlicher Baustein für die Zukunft des krisengeschüttelten Landes.

Auch nach der deutschen Wiedervereinigung hätten viele Menschen ihre Arbeit verloren, viele sich in neuen Situationen zurechtfinden müssen, sagt Merkel. Später dann hätten sie erkannt: „Die Chancen und die Möglichkeiten überwiegen. Und ich bin ganz sicher, das wird auch in Griechenland so sein, trotz der schweren Wegstrecke.“

Nicht als Lehrerin, die ihrem konservativen Parteifreund Samaras Noten erteilt, will Merkel in Athen wahrgenommen werden. Tatsächlich sei die griechische Regierung schon ordentlich vorangekommen auf dem Reformweg, verlautet aus dem Kanzleramt.

Beispiel Lohnstückkosten: Die haben sich so entwickelt, dass es eine reale Chance für die Griechen gebe, wettbewerbsfähig zu werden. Landwirtschaft und Tourismus sieht die Bundesregierung als Fundament der Entwicklung, hier gibt es eine gute Ausgangslage. 2013 war das seit langem beste Jahr für die griechische Tourismusbranche.

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