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12.06.2016

13:44 Uhr

Merkel in China

Getrübte Harmonie in Peking

VonStephan Scheuer, Thomas Sigmund

Ihren ersten chinesischen Ehrendoktortitel bekommt die Kanzlerin in harmonischer Atmosphäre übereicht. Die Professoren in Peking überschlagen sich mit Lobeshymnen. Aber dann spricht die Kanzlerin überraschend Klartext.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erhält in China einen Ehrendoktortitel. Doch sie scheut trotzdem keine deutlichen Worte. dpa

Austausch von Höflichkeiten

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erhält in China einen Ehrendoktortitel. Doch sie scheut trotzdem keine deutlichen Worte.

PekingDie Stimmung könnte nicht besser sein. Freundlich lächelnd sitzt Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Podium der Universität der Chinesischen Akademie der Wissenschaften. In dem roten Backsteingebäude im Norden der chinesischen Hauptstadt wird die Wissenschaftselite des Landes herangezogen.

Merkel hat sich einen schwarz-roten Universitätstalar übergezogen. Zur Feier der guten Beziehungen beider Länder bekommt sie zum Auftakt ihrer neunten Chinareise den Ehrendoktortitel der chinesischen Elitehochschule in Nanjing überreicht.

Der Universitätspräsident und der Vizewissenschaftsminister wetteifern in ihren Reden um die größten Komplimente für die Kanzlerin. Studierende im rund 300 Personen starken Publikum quittieren die Lobeshymnen mit Beifall. Aber dann tritt Merkel ans Rednerpult.

Diese deutschen Firmen gehören jetzt Chinesen

Putzmeister

Der Betonpumpen-Weltmarktführer Sany Heavy Industry übernimmt im Januar 2012 das schwäbische Unternehmen für gut 320 Millionen Euro.

Kiekert

Der Pekinger Automobilzulieferer Lingyun übernimmt 2012 den Weltmarktführer für Pkw-Schließsysteme aus Heiligenhaus (NRW).

Schwing

Die Xuzhou Construction Machinery Group (XCMG) wird im April 2012 Mehrheitseigener des westfälischen Betonpumpenherstellers. Der Verkaufspreis des Herner Unternehmens soll bei rund 300 Millionen Euro liegen.

Kion

2012 steigt der chinesische Nutzfahrzeugproduzent Weichai Power beim Gabelstaplerhersteller Kion ein. Die Chinesen kaufen zunächst für 467 Millionen Euro 25 Prozent an Kion und steigern 2015 ihren Anteil auf 38,25 Prozent. Außerdem erhält der Investor für 271 Millionen Euro eine Mehrheitsbeteiligung von 70 Prozent an der Hydrauliksparte Kions.

Solibro

Das insolvente Solarunternehmen Q-Cells vereinbart im Juni 2012 den Verkauf seiner Tochterfirma mit Sitz in Bitterfeld-Wolfen an die Pekinger Hanergy Holding Group.

Sunways

Der Konstanzer Photovoltaik-Konzern ging 2012 zum Schnäppchenpreis an den chinesischen Solarriesen LDK Solar. Doch 2013 und 2014 reichte Sunways jeweils einen Insolvenzantrag ein. Teile des Unternehmens wurden in der Folge an den chinesischen Solarkonzerns Shunfeng verkauft.

Tailored Blanks

Der Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp schließt 2013 den Verkauf seiner Tochter an den chinesischen Stahlkonzern Wuhan Iron and Steel (Wisco) ab. Zum Preis machen beide Seiten keine Angaben.

Koki Technik Transmission Systems

Das chinesische Unternehmen Avic Electromechanical Systems (Avicem) – eine Tochter der staatlichen Unternehmensgruppe Aviation Industry Corporation of China (Avic) – übernimmt 2014 den sächsischen Autozulieferer. Ein Kaufpreis wird nicht genannt.

Hilite

Avic übernimmt 2014 für 473 Millionen Euro den deutschen Autozulieferer.

Krauss-Maffei

Im Januar 2016 verkauft Onex den Münchener Spezialmaschinenbauer Krauss-Maffei an ein Konsortium um die staatliche National Chemical Corporation (Chemchina). Der größte Chemiekonzern des Landes zahlt 925 Millionen Euro für den traditionsreichen Hersteller von Spritzgießmaschinen für die Kunststoff- und Gummi-Verarbeitung.

EEW

Die chinesische Holding Beijing Enterprises kauft im Februar 2016 den Abfallkonzern EEW Energy from Waste aus Helmstedt für 1,438 Milliarden Euro. Verkäufer ist der schwedische Investor EQT. EEW hat nach eigenen Angaben 1050 Mitarbeiter. Die 18 Anlagen der Gruppe können jährlich rund 4,7 Millionen Tonnen Abfall zu Energie machen und umweltschonend beseitigen. Die Fabriken erzeugen Prozessdampf für Industriebetriebe, Fernwärme für Wohngebiete und Strom für umgerechnet rund 700.000 Haushalte.

Manz

Die Shanghai Electric Group steigt im Frühjahr mit Anteilen von etwa 20 Prozent bei dem angeschlagenen Maschinenbauer ein.

Kuka

Das Augsburger Unternehmen Kuka baut nicht nur Roboter, sondern ist auch Systemanbieter rund um die digital vernetzte Industrie. Der chinesische Midea-Konzern hat Kuka ein Übernahmeangebot im Umfang von 4,5 Milliarden Euro gemacht und mit dessen Hilfe knapp 95 Prozent der Kuka-Anteile übernommen.

Die Bundeskanzlerin ist freundlichem im Ton, aber hart in der Sache. Marktzugang, Rechtssicherheit, Meinungsfreiheit und das kontroverse Gesetz über Nichtregierungsorganisationen, Merkel spricht alle kritischen Themen an. „Wer Fortschritt will, muss Freiräume schaffen“, fordert Merkel.

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Deutsche Firmen klagen zu Recht über Fesseln in China. Doch die Politik wird ihnen kaum helfen können. Denn die Chancen, die Situation zu verbessern, hat die Bundesregierung verspielt. Eine Analyse.

Unternehmen brauchten verlässliche Gesetze, damit sie sich in China engagieren könnten. „Nach unserer Meinung ergibt sich der Rechtsrahmen dadurch, dass ausländische Unternehmen mit inländischen gleichgestellt sind“, sagt Merkel.

Damit greift sie ein Versprechen des Ministerpräsidenten Li Keqiang auf. Beim letzten Besuch der Kanzlerin in China hatte er versprochen, dass keine Unterschiede zwischen chinesischen und deutschen Firmen gemacht würden, egal ob es um die Lizenzvergabe, öffentliche Ausschreibungen oder staatliche Förderprogramme gehe.

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