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25.02.2014

17:04 Uhr

Merkel in Israel

Viel Harmonie - doch Meinungsunterschiede bleiben

Siedlungsbau, Friedensverhandlungen, Iran-Atomgespräche: An umstrittenen Themen zwischen Israel und Deutschland mangelt es nicht. Doch beide Seiten betonen auch die ungewöhnlich engen Beziehungen zwischen beiden Ländern.

Angela Merkel mit Israels Präsident Shimon Peres. Israels Premier werde nichts unterschreiben, solange er nicht die Sicherheit seines Volkes garantieren könnte. Reuters

Angela Merkel mit Israels Präsident Shimon Peres. Israels Premier werde nichts unterschreiben, solange er nicht die Sicherheit seines Volkes garantieren könnte.

JerusalemEs wirkt fast wie eine Inszenierung der Harmonie. Ausführlich lobt Benjamin Netanjahu seine „liebe Freundin Angela“, ausdrücklich dankt er der Kanzlerin für „so viel Verständnis und Unterstützung“. Überhaupt habe man sehr viel voneinander gelernt. „Ich bin sehr dankbar für ihre persönliche Freundschaft“, schmeichelt der Israeli der Deutschen.

Am Ende des Auftritts vor den Fernsehkameras bleibt Netanjahu extra mit Merkel im Scheinwerferlicht stehen, um der Welt die neue Einigkeit zu zeigen. Ganz anders war es vor drei Jahren, als sich beide 2011 beim damaligen jüngsten Regierungstreffen in Jerusalem öffentlich laut beharkten.

Noch herzlicher wird es in Jerusalem bei der Verleihung des höchsten israelischen Ordens an Merkel. Ein jüdisch-christlich-muslimischer Kinderchor singt „Imagine“ von John Lennon, die Hymne der Friedensbewegung. Präsident Schimon Peres dankt Merkel für ihr Eintreten für Israel. Die Kanzlerin erwidert, es sei angesichts deutscher Verbrechen an Juden während der Nazi-Dikatur ein „Wunder“, dass sie diese Auszeichnung erhalte.

Dabei hat sich Berlins Einstellung zum israelischen Siedlungsbau in der Palästinensergebieten und zu den Meinungsverschiedenheiten über die Atomverhandlungen mit dem Iran nur in Nuancen verändert. Netanjahu pocht zudem auf die Anerkennung eines jüdischen Staates durch die Palästinenser - Merkel ist da viel zurückhaltender. Natürlich müssten alle Fragen in den Verhandlungen über das von US-Außenminister John Kerry angestrebte Rahmenabkommen für einen Nahostfrieden angesprochen werden, gibt sie sich diplomatisch. Aber klar: Endgültige Festlegungen könne es erst geben, wenn das Friedensabkommen abgeschlossen sei.

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Thema Iran: Netanjahu bleibt bei seiner Meinung, die Verhandlungen über das Atomprogramm seien ein Fehler gewesen, es könne nur eine Null-Prozent-Lösung geben: Null Anreicherung, Null Plutonium, keine Entwicklung von Trägerraketen. Merkel bleibt da kühl und pragmatisch. Deutschland habe sich auf einen Verhandlungspfad eingelassen. Und bei dem Tempo der Entwicklungen im Iran seien die Beschränkungen bei der Anreicherung von Plutonium und die sonstigen Kompromisse zwar nicht ideal, aber immerhin ein besserer Zustand als früher.

Und auch bei der Frage nach einem Boykott gegen Israel wegen dessen Siedlungstätigkeit bleiben Unterschiede deutlich. Während Netanjahu in die Mikrofone ruft, dies werde einen Nahostfrieden in weite Ferne rücken, versichert Merkel zwar, Deutschland werde niemals einen Boykott gegen Israel unterstützen. An EU-Regelungen über Richtlinien zur Herkunftsbezeichnung von Waren aus Siedlungsgebieten müsse sich Deutschland aber schon halten.

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