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23.08.2014

16:34 Uhr

Merkel in Kiew

Russland muss Beitrag zum Frieden leisten

Ohne Zögern stellt sich die Kanzlerin in Kiew auf die Seite des ukrainischen Präsidenten Poroschenko. Aber sie weiß auch: Eine Lösung des Konflikts um die Ukraine kann es nur mit Russland geben.

Angela Merkel in der Ukraine: Als persönliche Vermittlungsmission ist Merkels Reise nicht angelegt. Reuters

Angela Merkel in der Ukraine: Als persönliche Vermittlungsmission ist Merkels Reise nicht angelegt.

KiewBundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat bei ihrem Besuch in Kiew der Ukraine umfassende Unterstützung zugesagt. Gleichzeitig appellierte die Kanzlerin an Moskau, sich einer diplomatischen Lösung des Konflikts nicht zu verschließen. Notwendig sei ein „zweiseitiger Waffenstillstand“ zur Beendigung der Auseinandersetzungen im Osten der Ukraine, sagte Merkel nach einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko am Samstag. „Allein kann man keinen Frieden schaffen“, betonte sie.

Die Kanzlerin, die zum ersten Mal seit Ausbruch des Konflikts in Kiew war, versprach der Ukraine Finanz- und Wirtschaftshilfe für den Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur im Osten. Sie kündigte eine Kreditbürgschaft über 500 Millionen Euro für die Energie- und Wasserversorgung und den Aufbau von Schulen sowie 25 Millionen Euro Hilfe für Flüchtlinge an. Zudem sollen 20 im Kampf verwundete Soldaten auf deutsche Kosten behandelt werden.

Das Raketensystem „Buk“

Was bedeutet der Name „Buk“?

„Todesfinger“ nennen Militärexperten die Raketen des russischen Flugabwehrsystems „Buk“ (deutsch: „Buche“), die von der Abschussrampe steil in die Luft abstehen. Das Kriegsgerät mit der Nato-Bezeichnung „Gadfly“ (Stechfliege) gilt als moderne Waffe mit hoher Reichweite und leistungsfähiger Elektronik.

Wer hat das System?

Neben Russland verfügen die Armeen vieler Ex-Sowjetrepubliken wie etwa die Ukraine über „Buk“-Batterien. Aber auch Waffenkunden und Verbündete Moskaus wie Syrien und Venezuela besitzen das System.

Wie weit kommen die Raketen?

Eine „Buk-M1“-Batterie besteht aus je einem Radar- und Kommandofahrzeug sowie vier Startfahrzeugen mit je vier Raketen. Binnen fünf Minuten kann das System in Kampfbereitschaft versetzt werden. Nach der Zielerfassung per Radar dauert es keine halbe Minute, bis die Rakete die Rampe verlässt. Der Gefechtskopf besitzt einen Zerstörungsradius von rund 20 Metern.

Wie lange braucht das System?

Eine „Buk-M1“-Batterie besteht aus je einem Radar- und Kommandofahrzeug sowie vier Startfahrzeugen mit je vier Raketen. Binnen fünf Minuten kann das System in Kampfbereitschaft versetzt werden. Nach der Zielerfassung per Radar dauert es keine halbe Minute, bis die Rakete die Rampe verlässt. Der Gefechtskopf besitzt einen Zerstörungsradius von rund 20 Metern.

Wie schwierig ist die Bedienung?

Im Kampf wird „Buk“ vor allem zur Abwehr von Jagdflugzeugen, Hubschraubern und Marschflugkörpern eingesetzt. Die Bedienung des Systems gilt als schwierig. Eine sechsmonatige intensive Ausbildung gilt als Minimum, um das Kriegsgerät zu beherrschen. Hersteller ist der Moskauer Rüstungskonzern Almas-Antej.

„Das ist der Beginn des Merkel-Plans für den Wiederaufbau des Donbass“, sagte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko dazu. „Krieg ist nicht unsere Wahl, er wurde uns von außen aufgedrückt“, betonte der Präsident der Ex-Sowjetrepublik.

Vor dem Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin am kommenden Dienstag in Minsk sagte der ukrainische Präsident, sein Land und die EU würden hier „koordiniert handeln“. „Wir hoffen sehr, dass ein positives Ergebnis erzielt wird“, unterstrich Poroschenko.

Es bedürfe einer diplomatischen Friedenslösung. „Mit einer offenen Grenze, über die Waffen aus Russland kommen, geht das nicht“, sagte Merkel. Für das militärische Vorgehen der Ukraine gegen Separatisten im Osten des Landes signalisierte die Kanzlerin Verständnis. Sie sprach von „militärischen Auseinandersetzungen, die heute leider notwendig sind“.

Kommentare (1)

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Herr Ulrich Groeschel

25.08.2014, 09:04 Uhr

Wenn Putin und Poroschenko am Dienstag zusammen sprechen sollten werden wohl wieder die bekannten Forderungen nach einem Waffenstillstand mit Bedingungen gestellt werden. Darüber könnten dann wieder tagelang verhandelt werden. Putin könnte dieses abkürzen und Poroschenko Verhandlungen über den zukünftigen föderalen Status der Ukraine anbieten (HB Artikel 23.08.2014, 10:35), während die Kampfhandlungen weitergehen. Dann muss man zu einer Lösung kommen.

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