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16.03.2017

13:58 Uhr

Merkelbesuch

Neuer Anlauf – Merkel nimmt Kurs auf Trump

Eine Sturmwarnung hatte die Reise der Kanzlerin zum US-Präsidenten verhindert. Nun ist die Aussicht auf Schönwetter besser. Aber politisch? Heikle Themen sind beim ersten Treffen zu besprechen.

Wegen eines Sturms an der amerikanischen Ostküste musste Bundeskanzlerin Angela Merkel ihren Besuch bei Donald Trump kurzzeitig verschieben. Reuters, Sascha Rheker

Angela Merkel

Wegen eines Sturms an der amerikanischen Ostküste musste Bundeskanzlerin Angela Merkel ihren Besuch bei Donald Trump kurzzeitig verschieben.

Berlin/WashingtonNun aber wirklich. „Stella“ hat sich verzogen, Angela Merkel kann kommen. Zu Wochenbeginn musste die Kanzlerin ihr geplantes erstes Treffen mit US-Präsident Donald Trump in letzter Minute vor dem Abflug absagen. Ein Wintersturm mit Schnee und Regen drohte Washington zu überziehen. Der Präsident warnte die deutsche Regierungschefin, ihre sichere Landung sei gefährdet – da war sie schon fast am Flughafen Berlin-Tegel. Merkel blieb am Boden.

In den USA blieben dann Schulen und Geschäfte in zahlreichen Städten geschlossen, Tausende Flüge, Zug- und Busverbindungen wurden gestrichen, rund 18 Millionen Menschen waren betroffen. Der Wintersturm „Stella“ leistete ganze Arbeit, Merkels Einreise hätte er aber wohl nicht ins Wasser fallen lassen. Zur geplanten Landezeit in Washington fielen des Nachts ein paar anmutige Schneeflocken, begleitet von frischem Wind. Mit ihren Sturmwarnungen sind Amerikaner etwas eigen, sie nehmen das ausgesprochen ernst.

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Sei`s drum: Jetzt also Freitag, ein neuer Anlauf. Die Meteorologen prognostizieren nach bitterkalten Tagen Plusgrade, ein bisschen Sonne und ein paar Wolken. Kein Grund zur Sorge. Zumindest nicht meteorologisch.

Denn was die Belastungen des deutsch-amerikanischen Verhältnisses angeht, ist die Lage nicht ganz so frühlingshaft. Trumps Wahlsieg stellt auch hier alles in Frage. Eine „katastrophal“ falsche Flüchtlingspolitik hat er der Kanzlerin vorgeworfen, die vor allem syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen die Tür geöffnet und dafür weltweit Anerkennung, aber auch massiven innenpolitischen Druck bekommen hat.

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Die US-Wirtschaft will Trump abschotten - auch das ist ein Problem für Deutschland, das als ausgewiesene Exportnationen auf offene Märkte und freien Handel setzt. Für deutsche Autobauer ist der US-Markt von enormer Bedeutung, Strafzölle würden die Geschäfte empfindlich treffen. Allerdings sind die für Trump nicht so leicht umzusetzen, müsste er doch gegen Regeln der Welthandelsorganisation angehen und eine gute Wirtschaftspartnerschaft beschädigen.

Merkel aber will nach vorn schauen. Sie hält sich nicht gern mit rückwärtsgerichteten Betrachtungen auf. Die Kanzlerin lotet lieber aus, was in Zukunft geht und was nicht. Deutschland könnte zum Beispiel US-Unternehmen bei einer dualen Berufsausbildung von Theorie und Praxis helfen. Zuhause ist das ein effektives Modell, im Ausland stößt das immer wieder auf großes Interesse.

Kommentare (2)

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Herr Clemens Keil

16.03.2017, 15:40 Uhr

Ein aktuelles Gedankenspiel: Würde Merkel auf Wunsch von Trump Deutschland in Mexiko oder im Iran einmarschieren lassen?
Die ersten Verlautbarungen von Frau Merkel zu dem neuen US-Präsidenten Trump geben noch kein verlässliches Bild, wie denn Frau Merkel mit dem neuen republikanischen Präsidenten umgehen wird. Wenn wir diese Frage analysieren wollen, sollten wir auch einen Blick in die Geschichte werfen. Wie ist denn Frau Merkel mit dem letzten republikanischen US-Präsidenten vor Trump, also George W. Bush, umgegangen?
Wir erinnern uns, dass sie 2003 als CDU-Vorsitzende und Oppositions-Führerin dem damaligen Kanzler Schröder in den Rücken gefallen ist und für die Teilnahme Deutschlands am Irak-Krieg plädiert hatte ("der Angriff auf den Irak sei eine unumgängliche Schadensbegrenzung", FAZ vom 27.3.2003). Sie reiste extra in die USA, um Bush zu versichern, dass nicht alle Deutschen der Meinung der Schröder-Regierung seien, dass Deutschland nicht am Einmarsch in den Irak teilnehmen solle. Diese ihre Verstrickung leugnete sie später vehement (kleine Abschweifung zu ihrem Verhältnis zur Wahrheit). Zum Glück für Deutschland war damals Schröder Kanzler und hat, wie wir heute wissen, mit Recht Bush die Stirn geboten. Übrigens hatte Frau Merkel dieses vorbildliche Verhalten von Herrn Schröder in ihrer Bundestagsrede vom 13.9.2002 als den "schamlosesten Betrug am Wähler" denunziert! Welch eine Fehleinschätzung!
Die Frage ist nun: wird Merkel auch einem Trump die Stirn bieten. Die ersten Merkel-Statements im Hinblick auf die Einhaltung von Werten sind noch wenig konkret. Konkreter ist die zur Unzeit hinausposaunte, unwidersprochene Ankündigung von Frau von der Leyen, für die Bundeswehr neue Transportflugzeuge in den USA bestellen zu wollen. Getippt hat sie das noch durch ihr unterwürfiges Versprechen, den Wehretat willfährig erhöhen zu wollen. Und der Unionspartner der Unions-Kanzlerkandidatin auf (Obergrenzen-)Abruf, Herr Seehofer, lobt schon mal Trump, fordert von uns ...

Herr Clemens Keil

16.03.2017, 15:42 Uhr

...
Herr Seehofer, lobt schon mal Trump, fordert von uns mehr Respekt vor diesem US-Präsidenten und lädt ihn - quasi als selbsternannter Außenminister und Ministerpräsident Bayerns - nach Bayern ein, der CSU-Bundestagsvizepräsident Singhammer preist Trump's Verantwortung vor Gott (geht's noch?), während Merkel ihren Kanzleramtsminister Altmeier Trump's erste Schritte in die Autokratie immer noch beschwichtigen und schönreden läßt.
Mein Bauchgefühl läßt nichts Gutes erwarten. Auch wenn ich sehe, wie Frau Merkel den anderen schlimmen Autokraten, Erdogan, hofiert. Da würde ich mich, wie damals bei Schröder, bei einem SPD-Kanzler besser aufgehoben fühlen! Der Besuch von Gabriel in den USA bestätigt mein Bauchgefühl.

https://youtu.be/a0iOQ2xjWlU
Viel Spaß!

PS: Zum Glück läßt der aktuelle Zustand von Frau von der Leyen's Bundeswehr obiges Gedankenspiel absurd erscheinen.

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