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02.02.2012

20:33 Uhr

Merkels China-Besuch

Experte beklagt Hürden für chinesische Investoren in Deutschland

VonMatthias Eberle, Finn Mayer-Kuckuk

ExklusivNach Ansicht des chinesischen Regierungsberaters Mei gibt es in Deutschland zu viele Vorbehalte gegenüber Investoren aus seinem Land. Die Europäer könnten von einem stärkeren Einfluss chinesischer Investoren profitieren.

Eine Drachen-Skulptur aus 3000 Laternen. dpa

Eine Drachen-Skulptur aus 3000 Laternen.

PekingChinesische Unternehmen sind an Investitionen in Europa interessiert, stoßen dort aber nach Ansicht des einflussreichen Deutschland-Experten Mei Zhaorong noch zu oft auf Vorbehalte. Es gebe Stimmen in Europa, die Angst vor einem Ausverkauf schüren, sagte Mei, der von 1988 bis 1997 chinesischer Botschafter in Deutschland war. und heute als Direktor des Instituts für Weltentwicklung ein wichtiger Berater der chinesischen Regierung ist, dem Handelsblatt. „Oder sie unterstellen, China investiere nur, um mehr politischen Einfluss zu bekommen und seine Wertvorstellungen zu installieren. Das ist nicht fair – und deshalb zögern die chinesischen Unternehmen.“

Die Volksrepublik habe vor 30 Jahren europäische Investoren mit offenen Armen empfangen und dabei einen größeren Einfluss des Westens in Kauf genommen. „Europäer sollten nun das Gleiche zulassen. Ich meine, dass Investitionen in beiderseitigem Interesse liegen“, sagte Wei.

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Erheblichen Anteil an der Verunsicherung chinesischer Investoren habe die Euro-Schuldenkrise, denn nicht einmal die europäischen Politiker wüssten ja, wie es weitergeht. China habe das nötige Geld, um im Ausland zu investieren. „Aber es kann sich nicht auf Abenteuer einlassen“, sagte Wei mit Blick auf erhoffte chinesische Investments in den Euro-Rettungsfonds EFSF. „Die Bevölkerung würde es der Regierung sehr übel nehmen, wenn sie Geld nach Europa überweisen würde, von dem nicht klar ist, ob sie es je mit Gewinn zurückbekommt.“ China habe nichts zu verschenken. „Das Investieren im Ausland müssen wir erst noch lernen“, sagte der Ex-Diplomat.

Niemand müsse Angst haben, dass die Volksrepublik übermächtig werde, betone Wei: „Die Angst-Diskussion um China ist ja vor allem deswegen entstanden, weil Europa schlecht gewirtschaftet hat und nun in einer Finanzkrise steckt. Und nicht, weil China so mächtig ist. Die Europäer sollten die Schuld für das Dilemma nicht den anderen geben.“ Mei forderte die Europäer auf wirtschaftliche Hürden abzubauen. Viele erweckten den Eindruck, „als seien sie extra für China erfunden worden“.

China und Deutschland im Zahlenvergleich

Fläche in Quadratkilometern (gerundet)

China: 9.600.000
Deutschland: 357.000

Bewaldete Fläche

China: 22 Prozent
Deutschland: 32 Prozent
(Angaben von 2010)

Landwirtschaftlich genutzte Fläche

China: 56 Prozent
Deutschland: 48 Prozent
(Angaben von 2009)

Einwohner

China: 1.347.000.000
Deutschland: 82.000.000
(Angaben von 2011, Zahlen gerundet)

Lebenserwartung von Frauen

China: 75 Jahre
Deutschland: 83 Jahre
(Angaben von 2009)

Lebenserwartung von Männern

China: 72 Jahre
Deutschland: 77 Jahre
(Angaben von 2009)

Breitband-Internetanschlüsse je 100 Einwohner

China: 8
Deutschland: 31
(Angaben von 2009)

Personenwagen je 1000 Einwohner

China: 27
Deutschland: 502
(Angaben von 2008)

CO2-Emission pro Kopf in Tonnen

China: 5
Deutschland: 10
(Angaben von 2008)

Quellen: Weltbank, CIA, Statistisches Bundesamt, Deutsche Botschaft in Peking, Auswärtiges Amt

Umgekehrt haben deutsche Unternehmen von Januar bis November vergangenen Jahres Waren im Wert von knapp 60 Milliarden Euro nach China geliefert, in den ersten drei Quartalen lag der Anstieg bei 23,5 Prozent – und das auf einem ohnehin schon hohen Niveau. Denn China macht seit Ausbruch der Krise mit seinem Versprechen Ernst und konsumiert selbst mehr, statt nur billig zu produzieren und die Welt mit Waren zu überschütten. Überall im Land steigen die Einkommen; die wichtige Industriestadt Shenzhen beispielsweise hebt 2012 den Mindestlohn um 15 Prozent an.

Das schafft Nachfrage für deutsche Unternehmen – und die revanchieren sich durch hohe Investitionen. Volkswagen hat zusammen mit chinesischen Partnern in den vergangenen 25 Jahren 12,5 Milliarden Euro in China investiert. Bis 2016 sollen weitere 14 Milliarden hinzukommen. Denn ein Ende des Booms ist nicht abzusehen.  Der Branchendienst Polk erwartet für 2012 ein Auto-Absatzplus von 16 Prozent.

Im Gefolge des Auto- und Baubooms verdienen auch andere Unternehmen prächtig in China. Vor allem der Chemiekonzern BASF hat sich in den vergangenen 30 Jahren stark engagiert und erntet jetzt die Früchte seiner Strategie. Seit 1990 hat der Chemieriese zusammen mit Partnern knapp sechs Milliarden Euro in neue Anlagen gesteckt. Dafür erreichte der Umsatz in China im vergangenen Jahr ebenfalls sechs Milliarden Euro – ein Plus von 60 Prozent seit 2006.

Vor zwei Wochen erst hat BASF mit einem chinesischen Partner zusammen einen gigantischen Petrochemie-Standort bei Nanjing in Betrieb genommen – die Anlage hat 1,4 Milliarden Dollar gekostet und stellt Grundstoffe her, die sich beispielsweise in Plastik und Farben verwenden lassen. Denn jedes Auto braucht eine Innenausstattung, jedes Gebäude benötigt einen Anstrich. BASF und Herstellungspartner Sinopec haben gerade vereinbart, eine weitere Milliarde investieren zu wollen.

Kommentare (6)

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RichardW

02.02.2012, 22:42 Uhr

Mit offenen Armen empfangen? In China sind Millionen Menschen verhungert und das Kommunistische Regime war kurz vor dem zusammenbrechen. Die einzige Möglichkeit zu überleben war Reformen durch zu führen und Investoren in das Land zu lassen. China gehört zum gleichen Schlag von Ländern wie Russland und Iran, nichts ist unpolitisch auch keine Auslandsinvestition. Die chinesische Joint-Venture Autoindustrie erfährt gerade wie schnell sich politische Entscheidungen auf ihre Investitionen auswirken können. Quoten wie viele Teile von einem Auto aus China kommen müssen, erzwungener Technologie Transfer und knallharte Industriespionage.

Solange China Ideen klaut, Mittelständler hackt und ausländische Investoren wenn es gerade passt abzockt (Umweltgesetze) solange sollte sich Europa auch genau so verhalten.

Vertrauen_schaffen

02.02.2012, 22:59 Uhr

So ist es. Die Tore sollte man nur jemandem öffnen, der vertrauenswürdig ist. Ein Land mit einer derart hohen Produktpiraterie, einer hemmungslosen Industriespionage, einem so brutalen Umgang mit Oppositionellen und Wanderarbeitern, einer so hemmungslosen Umweltvernichtung und einer derartigen Gleichgültigkeit gegenüber dem Wohl des Einzelnen ist nicht vertrauenswürdig.

anno

02.02.2012, 23:38 Uhr

Genial!
Was China goldrichtig macht: Sie investieren in Sachwerte, kaufen halb Europa und die Bodenschätze von Afrika noch mit dazu, während wir hilflos mit unserem wertlosen Spielgeld-Papier wedeln und hoffen, dass andere das auch noch für werthaltig halten und kaufen.
Die Chinesen weisen uns den Weg zu alten Tugenden, vielleicht zu spät, und wir verstehen das nicht einmal. Reicht es nicht, dass ebenso naive wie gierige Gemeinden den Ausverkauf ihrer Infrastruktur an amerikanische Sale-and.lease-Back-Firmen betrieben haben und das heute bitter büßen, muss auch noch der Rest Europas an Asien gehen?
Mit unseren Papieren können wir künftig den Ofen anheizen, für dessen dauerhafte Erwärmung uns künftig das Brennmaterial fehlt – weil auch das bald den Chinesen gehört.
Während wir uns an Schläue und Intransparenz (in der Wirtschaft würde man das Insolvenzverschleppung nennen) überbieten, schafft China Fakten. Werthaltige Fakten.

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